Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1869)
- Date
- 1869-07-06
- Page
- Seite 528 (sequence 4)
- Language
- German
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538 Sehnsucht dem Momente entgegen, wo es ihr verstattet sein wird, eine Versammlung in ihrer Mitte sehen und begrüßen zu können, der Männer angehören, die durch vieljähriges und unermüdliches Schaffen und Wirken für Religion, Wiffenschaft und Leben, schon durch ihren klangvollen Namen innerhalb und außerhalb jüdischer Kreise unserer Synode einen Achtung gebietenden Character verleihen; der Männer angehören, die durch ihre anderweitigen Verdienste um Gemeinde und Gesellschaft, durch ihre Einsicht und praktische Tüchtigkeit unsere Versammlung gegen den Verdacht einseitiger Idealität schützen; der ferner Männer angehören, die durch die mitunter sehr großen Opfer, welche ihre persönliche Anwesenheit an einem von ihrer Heimath so weit entfernten Orte ermöglichten, den Beweis liefern, welcher Opsermuth und welche Hingebung für die heilige Sache sie beseelt, die uns hier zusammenführt; Männer endlich, die voll patriotischer Begeisterung für ihr Vaterland, diesem ihrem Patriotismus keinen Abbruch zu thun fürchten, wenn sie an der Verwirklichung der höchsten menschheitlichen Aufgaben mit Gesinnungsgenossen anderer Nationalitäten gemeinschaftlich arbeiten und darin vielleicht das Mittel erblicken, jene, oft kleinlichen und engherzigen Rücksichten entspringenden nationalen Abneigungen zu überwinden. — Sie alle meine Herren, Söhne der verschiedensten Länder und der verschiedensten Zungen, Sie fühlen sich Eins mit Ihrem Vaterlande; wie wir, Söhne des deutschen Vaterlandes, uns Eins fühlen mit unserm Vaterlande, an dessen nationalen und Kulturaufgaben wir mit allen Kindern desselben gemeinsam arbeiten, gemeinsam kämpfen und ringen. Allesammt geben wir Zeugniß davon, daß das Erfülltsein von einer sittlichen Idee die nationalen Schranken zu überwinden vermag; diese sittliche Idee, bestimmt Gemeingut der ganzen Menschheit zu werden, sammle in sich, wie in einen Brennpunkt, jede nationale Besonderheit, sie vereinige und umfasse sie und helfe jenes Gottesreich auf Erden fördern, in welchem nur ein Vater im Himmel, eine Bruderfamilie auf der ganzen Erde. — In diesem Sinne, hochgeehrte Herren von Nah und Fern, heiße ich Sie willkommen und freue mich von ganzem Herzen, Sie nicht blos begrüßen, sondern Sie in unserm lieben, lieben Leipzig begrüßen zu können; in Leipzig, das nicht nur als Weltstadt, sondern als Stadt glücklicher Znitiativen bekannt, auch unserm Unternehmen unter Gottes Beistand eine gedeihliche und glückliche Zukunft verheißt. Unser, durch seine Beziehungen zur Welt, durch seine Anstalten für Wissenschaft und Kunst, durch seine freisinnigen Institutionen, durch die Hochherzigkeit seiner Behörden, durch den offenen Sinn seiner Bürger für allgemeine Bestrebungen, durch sein Verständniß für Kulturforderungen mit Recht gerühmtes Leipzig: es bringt auch unfern Bestrebungen Verständniß und Theilnahme entgegen! Willkommen denn in Leipzig, hochgeehrte Männer von Nah und Fern! Möge es uns gelingen, Ihnen jene gastliche Aufnahme zu bereiten, welche in Verein mit dem, was für die heilige Sache geleistet werden soll, die Sie hieher geführt, die Erinnerung an unfern Ort zu den erfreulichsten und erhebendsten Erinnerungen zu machen geeignet ist. — Möge unser Werk, das in den heiligsten menschheitlichen Bedürfnissen: in den religiösen und Kulturbedürfnissen wurzelt, seine würdigste Vertretung und sein bestes Gedeihen finden. Lassen Sie mich, Hochgeehrte Versammlung, bevor wir unser Werk dem Schutze Gottes durch ein Gebet empfehlen, auch den Gesinnungen des Dankes einen Ausdruck geben, von welchem Sie gewiß mit mir für die Männer erfüllt sind, welche das Präsidium der vorjährigen Rabb.-Versammlung zu Cassel gebildet und die dort übernommene Aufgabe, die erste israelitische Synode zu berufen, in so musterhafter Weise gelöst haben. Fürchten Sie, hochwürdige Herren Collegen, von mir nicht jene unfruchtbaren Lobeserhebungen, nach welchen nur die Eitelkeit geizt, die aber das wahre Verdienst mit Unwillen zurückweist. Das von Ihnen unternommene, durch Gottes Beistand so glücklich zu Stande gebrachte Werk, wird als ein Epochemachendes in der Entwickelungsgeschichte des Iudenthums seine bleibende Stelle finden und die Namen der Männer, welche die Commission für die Zusammenberufung der ersten israelitischen Synode gebildet, werden fortan von dieser nicht getrennt werden können. Mit der gewiß segensreichen Zukunft der Synode ist auch Ihren Namen ein gesegnetes Andenken gesichert. — Dich aber, o Gott und Vater, mit dem wir unser Werk beginnen und unter dessen Schutz gestellt, es gewiß gelingen wird; Dich rufen wir aus vollem Herzen an: Sei Du mit dieser unserer Versammlung und Dein Geist, der Geist der Weisheit und des Verständnisses, der Geist der Besonnenheit und des Muthes, der Geist der Erkenntniß und der Gottesfurcht, belebe den Sinn und durchwehe das Wort Derer, die aus den verschiedensten Gemeinden Israels gesandt, zu Deinem Dienste und zur Belebung eines frommen Sinnes in Israel hier versammelr sind