Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 26 (29.6.1869)
- Date
- 1869-06-29
- Page
- Seite 507 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Söt meiner Zug in Oesterreich zu sein, selbst die Freiheit und die Selbstständigkeit aus der Hand der Regiernng zu erwarten. — Vor Kurzem erschien: Die Heraklitischen Briefe, ein Beitrag zur philosophischen und religionsgeschichtlichen Literatur von Jakob Bernays. Berlin 1869. Verlag von Wilhelm Hertz. Wir haben hier, um es mit einem Male auszudrücken, eine in Form und Methode vollendete mustergültige Schrift vor uns liegen, deren Studium wir deshalb jungen Gelehrten, besonders Philologen empfehlen müssen. Die Sprache ist einfach und gewählt zugleich, die Sätze abgerundet, der Gegenstand nach seiner geistigen Bedeutung und zugleich sprachlich kritisch mit großem Scharfsinn, mit umsichtigster Sackkenntniß, mit weitem Blick behandelt. Dies muß uns entschädigen, wenn der Gegenstand von verhältnißmäßig unbedeutendem Gehalt ist; nicht als ob wir nicht wüßten, daß in der Wissenschaft jede gründliche Untersuchung ihre Wichtigkeit und ihre Ergebnisse hat, wohl aber von dem Wunsche beseelt, solchen Fleiß, solche Gelehrsamkeit, und diesen Geist aus weittragende und umfassende Objekte verwendet zu sehen. Man wird fragen, weshalb wir dieser Schrift, deren Inhalt den ephesischen Philosophen Heraklit betrifft, in diesem Blatte erwähnen? Aber gerade für die jüdische Literatur sind einige Resultate derselben von Bedeutung. Man weiß, daß durch neuere Forschungen, die mit unserm Ezekielos begannen, sich dem Auge eine weite jüdisch-griechische Literatur erschlossen hat, die besonders in der Fluth von hellenistischen und alexandrinischen Schriften, welche unter den Namen theils mythischer Personen, theils alter Autoren verfaßt worden, beträchtliche Bereicherung findet. So offenbarten sich einige der s. g. Sibyllinischen Orakel als unzweifelhaft von jüdischer Hand verfaßt: Pseudorphica, Pseudophokylidea und Pseudophoklea. Die vorliegende Schrift, welche neun dem Heraklit zugeschriebene Briefe behandelt, die aber von verschiedenen Verfassern herrühren, zeigt im Verfolge ihrer Untersuchungen, daß ein Einschiebsel des vierten Briefes von einem Bibelgläubigen herrührt, der zugleich der Verfasser des siebenten Briefes ist, während der neunte zwar aus einer andern, stoisch-gebildeten Feder geflossen ist, in seiner ganzen Tendenz aber den Verfechter einer in bürgerlicher .Beziehung zurückgesetzten Volksklasse verräth. Läßt nun zwar Prof. Bernays es unentschieden, ob dieser Bibelgläubige Jude oder Christ gewesen, so möchten wir für ihn die Entscheidung treffen, da, wie B. bemerkt, alles Christologische fehlt, und, wie er nachweist, im siebenten .Briefe die bekannten sieben noachidischen Gesetze erwähnt werden, also ein mit der Tradition vertrauter Jude der Urheher sein muß. Im vierten Briefe wird in offenbaren Zusätzen gegen die Darstellung Gottes in Bildsäulen geeifert und des wahren Gottes Zeugniß in den Werken der Schöpfung, in ihrer Schönheit und Ordnung gefunden. Der siebente Brief bringt einen tiefernsten Kampf gegen die Lasterhaftigkeit der damaligen griechischen Welt, gegen Krieg und Rechtsverdrehung, aber auch gegen alle hellenischen Sitten heiterer Art, wie gegen die öffentlichen Spiele und den Ernst, mit dem sie behandelt wurden. Der neunte Brief endlich verurtheilt das Sklaventhum, aber auch jede bürgerrechtliche Beschränkung, die den Stand und nicht den sittlichen Werth zur Ursache hat. Jedenfalls wird demnach die jüdische Kultur- und Literaturgeschichte diese Schrift nicht übersehen dürfen. — Die in Paris erscheinende: „Revue des eours littsraires cke In France et de l’Etranger“ enthielt in ihrer Lieferung vom 17. April die Eröffnungsvorlesung des vr. Hertwig Derenbourg über die Zusammensetzung des Koran. Der Berf. hat es verstanden, gestützt aus die neuesten Forschungen besonders deutscher Gelehrten, wie Weil, Nöldeke, u. A., die Abfassung und Redaktion des Koran lichtvoll und präcis darzustellen. — Ma’rechet ha-domam. Aus dem Mineralreiche. Mit besonderer Rücksicht auf Handel und Industrie. In hebräischer Sprache leichtfaßlich dargestellt von G.J. Syrkin (Leipzig, Heinrich Hunger 1869.) Der Berf. hat diese Schrift besonders für die Israeliten Rußlands und Polens bestimmt, welche mit den Produkten des Mineralreichs Gewerbe und Handel treiben und einer andern Schriftsprache als der hebräischen nicht mächtig sind. Sie über die Natur dieser Mineralien, über deren Behandlung nach den neuesten bergmännischen, technischen und chemischen Erfindungen zu unterrichten, ist der Zweck des Verfassers. Bei sorgfältiger Benutzung der neuesten Schriften über dieses Thema, bei genauer Sachkenntniß, und bei einem reinen korrekten und flüssigen hebräischen Styl kann man die Arbeit als eine völlig gelungene einpfehlen und wünschen wir, daß dieselbe recht viele und eifrige Leser finde. — Jedermann würde es sehr verkehrt finden, wenn man aus den historischen Romanen der Frau Louise Mühlbach Geschichte lernen wollte. Dazu sind sie auch nicht bestimmt; aber von zahlreichen Lesern und zahllosen Leserinnen verschlungen, haben sie den Nachtheil, geschichtliche Zerrbilder in den Geistern zurückzu- 26*