Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 26 (29.6.1869)
- Date
- 1869-06-29
- Page
- Seite 506 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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506 tn Bewegung gesetzt worden, um die Gemeinden und Einzelnen von der Theilnahme an der Synode zurückzuhalten, zurückzuschrecken, zurückzuschimpfen und zurückzuzwingen, ungerechnet die Versuche, sie zurückzudisputiren. Wir schweigen heute noch von diesem ganzen schmählichen Gebühren; später davon zur nothwendigen Charakteristik der Zeit. Daß nicht wenige schwache Geister sich wirklich dadurch haben zurückhalten lassen, glauben wir wohl. Aber es hat den Widersachern nichts geholfen, und diese erste Synodalversammlung geht in Maßen vor sich, wie wir sie gerade wünschten. Soweit wir es jetzt schon schon übersehen können, werden dort alle Richtungen vertreten sein, mit Ausnahme der stabilen Partei, die als völlig unbrauchbar auch wirklich nicht dahin gehört. Hervorzuheben ist, daß nicht blos die großen und mittleren, sondern auch kleine Gemeinden in der Synode erscheinen. Dies giebt den Beweis, wie das Bedürsniß nach Hebung und Besserung der religiösen Zustände alle Schichten und Orte durchdrungen hat, und wie ein edler religiöser Geist und eine höhere Bildung Eigenthum Aller geworden. Wie demnach das Werk in seinen Vorbereitungen als gelungen betrachtet werden kann, so sei es uns vergönnt, uns auch nach dem Schluffe der Versammlung aussprechen zu können: Gesegnet sei Dein Eingang, gesegnet sei Dein Ausgang. Fernerer Antrag, gestellt von Dr. Ludwig Pkjilippson iBoun). Die Versammlung wolle erklären: 1. Das Judenthum hat seit der Zerstörung des Tempels das Priesterthum nur als eine geschichtliche Erinnerung, dagegen von seinem Ursprung an ein, durch Moses und durch die Propheten begründetes, dem ganzen Volke angehöriges, aus ihm hervorgehendes und in ihm lebendes Lehramt. 2. Das Judenthum hat sein Fundament in den Büchern der heiligen Schrift (Thora, Nebiim, Chethubim) nach ihrem Abschluß, sein Wesen in der auf diesem Grunde ununterbrochen sich fortentwickelnden Tradition (Ueberlieferung), die keinen Abschluß, sondern eine stete lebendige Weiterentwickelung des Ueberlieferten innerhalb des Culturlebens der jüdischen Glaubensgenossenschaft und der ganzen Menschheit hat. 3. Das Judenthum kennt deshalb in seiner Geschichte und seiner Gegenwart wohl verschiedene Richtungen, aber keine gesonderten Sekten, und so wie selbst ein Tempel, von Onias in Aegypten erbaut, neben dem Tempel zu Jerusalem, wie die Sadducäer neben den Pharisäern, die Schammaiten neben den Hilleliten, die Kabbalisten später neben dem Talmud und viele andere sich bekämpfende Richtungen neben einander bestanden, aber kein Schisma hervorriefen, und Israel nach kürzerer oder längerer Zeit immer wieder darüber hinweg zur völligen Einigung und Einheit kam: so ist auch gegenwärtig trotz der Verschiedenheit von Ansichten und Richtungen eine wirkliche Spaltung, ein Schisma, durchaus nicht motivirt, sondern vielmehr entschieden zurückzuweisen. 4. Hierzu ist aber vor Allem nothwendig: die dem Judenthum zu allen Zeiten eigenthümliche Autonomie, Unabhängigkeit und Selbstständigkeit in allen religiösen Angelegenheiten, die in der Gemeinde ihre Selbstbestimmung und Selbstverwaltung ohne irgend einen maßgebenden Einfluß von außen findet, zu wahren oder wieder zu erlangen. Literarischer Wochenbericht. Bonn, den 16. Juni. Herrvr. Leopold Eger in Wien veröffentlicht: „Zur Reform des jüdischen Religions-Unterrichtes" (Wien, 1869 Faesy und Frick). Wir sehen von der polemischen Tendenz der Broschüre ab. Der Verf. erklärt sich mit warmen Worten, die allerdings bisweilen zu emphatisch sind und allzureich quillen, gegen jeden Zwang in Bezug auf Religionsunterricht, gegen die in Oesterreich gesetzlichen obligatorischen Censuren im Religionsfache, gegen den Unterricht im Hebräischen während der ersten Schulstufe, welche vielmehr mit biblischer Geschichte und jüdischer Religions¬ und Sittenlehre ausgefüllt werden soll, während der hebräische Unterricht für die späteren Jahre bestimmt, und da vorzugsweise grammatikalisch sein soll. Wir schätzen das Schriftchen, weil es etwas Bewegung in das stokkende Unterrichtsleben auf jüdischem Gebiete in Oesterreich zu bringen vermag, wenn auch einzelne Punkte oer Erörterung noch sehr bedürfen. Charakteristisch ist es, daß der Verf. die Ausführung seiner Ansichten von der Regierung verlangt und erwartet, also doch wieder durch Zwang und von oben her, ungewitzigt von den traurigen Erfahrungen, die auf diesem Wege schon gemacht worden sind. Es scheint dies noch immer ein allge-