Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1869)
- Date
- 1869-06-22
- Page
- Seite 492 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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492 lassen wir dem Verfasser gerne hingehen, dagegen sollte er darauf bedacht sein, in der Mittheilung von Namen keine Fehler aufkommen zu lassen (wie z. B. Meriboschet durchgängig für Mesiboschet, und einmal ein unverständliches Serbat) und auch sachliche Unrichtigkeiten, die sich eingeschlichen haben, bei einer nächsten Auflage berichtigen. Im Ganzen bietet das Werk eine ebenso lehrreiche, als unterhaltende Lectüre. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Dresden, im Juni, l Nekrolog., Einen herben, man kann wohl sagen, unersetzlichen Verlust haben leider unsere Sadt und unsere Gemeinde zu Dresden in dem Heimgange der allverchrten und geliebten Frau Clara, Wittwe des sel. M. Bondi erlitten, welche am Sabbath d. 6. dieses in ihrem 75. Lebensjahre ihre irdische Laufbahn vollendet hat. — Sie, das letzte der altern Glieder der Bondischen Familie, welche unsere Gemeinde und die jüdisch-literarische Welt mit so manchen hervorragenden Persönlichkeiten geziert hat, gehörte zu den Erscheinungen, welche selten auftreten und sehr spärlich gesäet sind. Mit ihrem klaren Geiste, der durch eine ebenso gediegene, wie vielseitige Bildung in Erstaunen setzte, die allgemein menschheitlichen Fragen erfassend und die universalen Lehren des Judenthums nach ihrer ganzen Hoheit würdigend, war sie in ihrem Herzen nicht minder von der zartesten Pietät für die der praktischen Bethätigung des Judenthums zugehörigen Lebensformen erfüllt, die sie mit wahrer innerer Religiosität übte. — Wie ihr edles Herz die ganze Menschheit einschloß und warm für das Wohlsein, das Recht und die Ehre unseres Glaubens und der Glaubensgenossen schlug, so entging ihm auch das kleinere und kleinste nicht im engern Kreise der Stadt und der Gemeinde, wo sie Gelegenheit suchte, der Gesammtheit sowie Einzelnen ohne Rücksicht auf Bekenntniß sich wohlwollend und wohlthätig zu erweisen. Streng gegen sich selbst, kannte sie nur Liebe, Nachsicht und Milde im Urthcile über andere, und je weniger ihre Bescheidenheit ein Auge für ihre eigenen großen Verdienste hatte, desto herzlicher und bereitwilliger erkannte sie auch das kleinste Verdienst anderer an; anspruchslos bis zur Selbstverläugnung für ihre Person kannte ihr wohlwollendes Herz keine Grenzen, wenn es galt, ein edles Werk zu üben, Gott und die Menschen zu erfreuen. So erschien sie als ein lichter Engel in zarter irdischer Hülle, der Gemeinde zur Freude und zum erweckendem Vorbilde gesandt. Bürger der Stadt und Glieder der Gemeinde , groß und klein, arm und reich, verehrten „ und liebten in ihr die allgemeine Menschenfreundin, deren Geist Jedem mit Rath zur Seite stand, in deren edlem, theilnehmendem und verschwiegenem Herzen jeder seine Noth, seine Sorge, seine Klage wie in einem Heiligthum niederlegte und deren Hand jedem, in der feinsinnigsten Weise hülfreich bereit war. In Leid' und Freud' bei Reich und Arm erschien diese würdige Greisin trotz ihres schwächlichen Körpers theilnehmend und Trost spendend. Und all' ihre reichen Wohlthaten an Stadt und Gemeinde wie an Einzelnen in Gaben und Vermächtnissen waren von dem himmlischen Dufte der Bescheidenheit umhüllt, sie hätte sie am liebsten vor sich selbst verschwiegen aus Furcht ihnen die Weihe und die Reinheit zu entziehen. So verehrte die ganze Gemeinde in ihr eine Edle, die, so groß auch ihre Leistungen, doch noch mehr mit ihrem Wesen erquickend, erhebend und veredelnd wirkte. Diese Verehrung und Liebe gab sich denn auch in der allgemeinsten, herzlichen Theilnahme bei ihrer Bestattung, Dienstag den 8. dieses zu erkennen, welche nach ihrem Willen einfach und prunklos war und wobei wohl ein Gebet gesprochen wurde, aber nach ihrem ausdrücklichen Wunsche von einer Grabrede abgesehen werden mußte. Doch die Thränen, die am Grabe stoffen, die lautlose Stille, die nur von dem Schluchzen der Anwesenden unterbrochen wurde, thaten es kund, daß hier eine verwaiste Gemeinde am Grabe ihrer edlen Mutter trauerte. Möge der Allgütige uns tröstend aufrichten und der Segen ihres Andenkens darin bestehen, daß die Tugenden uns lebendig vorschweben und in der Gesammtheit sich bewähren, die in dieser seltenen Persönlichkeit sich vereinigt fanden! *) L. *) Wenn irgend ein Verklärter eines Wortes segnenden Angedenkens in diesen Blättern würdig war, so ist es Frau Clara Bondi, deren Hinscheiden auch