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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-06-15 · Heft 24 (15.6.1869) · p. Seite 474

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 24 (15.6.1869)
Date
1869-06-15
Page
Seite 474 (sequence 10)
Language
German
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474 daher nur sehr angenehm, registriren zu können, daß unter den soeben neu gewählten Kammermitgliedern ein Israelit sich befindet, nämlich der Advoc. vr. Frankenburger von und gewählt in Nürnberg. Mehrere Israeliten wurden als Ersatzmänner gewählt, die jedoch nur dann einzutreten hätten, wenn durch Ablehnung der Wahl oder eine im Laufe der 6jh. Legislaturperiode sich erledigende Stelle Bacanz eintritt. Da wir ihn persönlich kennen, so dürfte es den Lesern dieser geschätzten Zeitung willkommen sein, einen kurzen Auszug aus der Rede des königlichen Bezirksgerichtsrathes Herz zu geben, welche derselbe gelegenheitlich der Candidatur- Empfehlung F's in der Turnhalle zu Nürnberg vor einem zahlreich versammelten Auditorium gehalten hat. Wir müssen, sprach Herz, Männer wählen, denen die Wohlfahrt des Vaterlandes, denen die Freiheit höchstes Ideal und der Gegenstand ihrer Wünsche und ihres Strebens ist. Zu diesen gehört, außer unfern bisherigen Abgeordneten Krämer und Dr. Brater, diesen Zierden der bayrischen Kammer, auch der dritte Candidat, Di-. F. Ein trefflicher Bürger, ein scharfsinniger Jurist, ein eminenter Redner sei er in Bezug auf seine bürgerliche Stellung ebenso unabhängig wie lauter in seinem Charakter. Durch die Wahl dieses Mannes würde eine neue, frische Kraft in die Kammer kommen, wie man sie nicht überall finde. Nürnberg, die fortgeschrittenste Stadt des Landes mit der einsichtsvollsten Bevölkerung, müsse damit eine jener Mauern die aus alter finstrer Zeit noch übrig geblieben, zusammenbrechen und jedes religiöse Bedenken gegen die Candidatur dieses Mannes fallen lassen. Diese Wahl würde die Wähler ehren, sie wäre das Zeugniß völliger politischer Reife. Wer an der geistigen und politischen Emancipation der Völker arbeite, der solle den Beweis liefern, daß er selbst bereits von allen Vorurtheilen emancipirt sei. (Begeisterte Zustimmung) Dr. F. sei der Mann, Nürnberg würdig zu vertreten. Möge man der Worte Schiller's eingedenk sein, der da sagt: „Immer strebe zum Ganzen und kannst du selber kein Ganzes werden, als dienendes Glied schließ' an ein Ganzes dich an." (Großer, anhaltender Beifall). Möge diese vorstehende Rede durchdringende Toleranz allerwärts geübt werden. Und gerade von Nürnberg, woselbst erst seit 1848 Juden wohnen, deren Zahl bereits o». 400 Familien beträgt, nachdem deren Vertreibung in den Jahren 1349, 1499 mit der rücksichts- und schonungslosesten Gewaltthat vollzogen wurde, ist es, um das, was Fanatik und Verblendung der Ahnen übte, doch wieder gut zu machen und zu sühnen, doppelt erfreulich, daß daselbst ein Jude zum Abgeordneten gewählt wurde, daß es die Emancipation thatsächlich bewiesen hat. Sigmund Heumann. Palästina. Jerusalem, im Mai. (Privatmitth.). In diesen Tagen erschien hier folgende Broschüre: „Aerztlicher Bericht aus dem Mayer von Rothschild Hospitale in Jerusalem vom Jahre 1868. Jerusalem, Buchdruckerei des Hrn. Candes. 1869." Ich gebe hier den Titel des Heftchens ausführlich wieder, weil es mir einen eigenthümlichen Eindruck zu machen scheint, eine deutsche Schrift in der heiligen Stadt selbst geschrieben und gedruckt zu sehen, woran sich gewiß vielfache Betrachtungen und zwar erhebender Art nach verschiedenen Seiten hin knüpfen lassen. Bei dem Schluffe von 1867 waren 16 Kranke in dem Hospital verblieben, 1868 wurden 528 ausgenommen, von denen 463 geheilt, 46 gebessert, 3 ungeheilt entlassen wurden und 16 starben. Es blieben in der Behandlung 22. Das Maximum des Krankenstandes belief sich auf 211. Die gewöhnlichste Krankheit war das Wechselsieber, an welchem 214 litten und sämmtlich geheilt wurden, dann der Typhus mit 34 Kranken, von denen 3 starben. Die meisten Kranken waren unter dem 26. Lebensjahre, nämlich 121, dann aber vom 66.—70. Jahre 163, und als ein Zeichen des hohen Lebensalters, welches hier erreicht wird, mag es gelten, daß 44 Kranke zwischen 76—80, 3 über 80 alt waren. Was das Vaterland betrifft, so waren 140 aus der Türkei, 136 aus Rußland, 117 aus Palästina, 39 aus Marokko, 28 aus den Donaufürstenthümern, 13 aus Polen, 24 aus Oesterreich, mit kleinen Zahlen waren Algier, Persien, Georgien, Indien, Ungarn, England, selbst Spanien und Italien mit je einem vertreten, aber durch keinen einzigen Deutschland, Holland und die nor dischen Reiche, ebenso wenig Amerika. Außer der Behandlung im Krankenhause selbst wirkt die Anstalt auch in der Ambulanz außerordentlich wohlthätig. Die Anzahl der theils in der Ambulanz, theils in ihren

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