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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-06-15 · Heft 24 (15.6.1869) · p. Seite 473

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 24 (15.6.1869)
Date
1869-06-15
Page
Seite 473 (sequence 9)
Language
German
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478 iosigkeit bestimmte Forschungen nicht sortsetzen können, gestiftet. Es ist hierbei nicht allein das Geldopfer, sondern der schöne und bedeutsame Gedanke hervorzuhcben. — Aus Kopenhagen wird uns geschrieben, daß der Herr Commerzienrath J.W. Hey mann ein sehr geschmackvolles Gebäude dem Staate geschenkt hat, damit darin Wittwen von sechs im vorigen Kriege gefallenen Officieren freie Wohnung erhalten. Polnisch Crone, Ende Mai. (Privatmitth.) Zuriickgekehrt von der 18. allgemeinen deutschen Lehrerversammlung in Berlin kann ich nicht umhin, den Eindruck zu beschreiben, den dieselbe auf mich gemacht yat. Es wehte darin der Geist der Ordnung, der Geist der Humanität, der Einheit, der treuesten Bruderliebe. Obschon der verehrte Präsident der allgem. deutschen Lehrerversammlung, Oberlehrer Theodor Hoffmann aus Hamburg, mit Energie dafür eintrat, daß die Versammlung den Missionslehrer Hildebrand, so oft er das Wort ergriffen, scheinbar um sich an der Debatte zu betheiligen, in Wahrheit aber um Propagenda für die evangelische Kirche zu machen, was er auch bald sehr ungeschickt durchblicken ließ, sich ganz aussprechen lasse und ihn nicht durch Unterbrechung in der Darlegung seiner Ansichten störe, so gab doch das Schlußwort des Präsidenten dessen Meinung über das seltsame, bemitletdenswerthe Vordringen des Herrn Hildebrand so deutlich kund, daß es in dem Worte gipfelte, die Stürme, die Herr H. durch sein unberechtigtes Auftreten hervorgerufen, werden sicher die eine Frucht für ihn gehabt haben: die Scham über sein eigenes Beginnen. Die pädagogischen Fragen wurden mit einer Ruhe und Ueberzeugungskraft verhandelt, die nicht blos einer Versammlung von nahezu 5000 Köpfen zur Ehre gereichen, sondern den Fortschritt der ganzen Menschheit bekunden, da die aus allen Richtungen zusammengeströmten Schulmänner das, was die Menschheit glaubt und für wahr hält, was die Wissenschaft sanctionirt, zum Ausdrucke gebracht haben. Kein Regulativ, keine Confessionsschule, die Bildung des Menschen nicht in dem Maaß von Kenntnissen zu sehen, sondern in der Entwickelung aller Anlagen und Kräfte derselben an einem für das Leben werthvollen Stoffe, das waren die ausgesprochenen Pricipien des weit aus größten Theiles der Versammlung. Die Erörterung dieser Principien gab ungemein viel Anregung, so daß jeder Theilnehmer ermuthigt und gestärkt, mit einem fortschrittlichen Bewußtsein von dannen ging. Von jüdischen Lehrern, die aus Preußen überhaupt nicht zahlreich gekommen waren, wohnte — meines Wissens — aus der Provinz Posen außer dem Berichterstatter nur noch Herr Lehrer Herbst aus Rackwitz der Versammlung bei. Daß die Zahl der jüdischen Lehrer aus dieser Provinz nicht größer war, ist eine Erfahrung, die sich nicht voraussetzen ließ, indem der Geist des Fortschritts auf dem Gebiete der Schule das ureigene Wesen gerade dieser Pädagogen von jeher gewesen und von den meisten mit vielen Opfern erkauft und erhalten wurde. Es kann daher nur angenommen werden, daß das Einkommen derselben, das nach der Verfassung auskömmlich sein soll, mit den gestiegenen Werthen der Lebensbedürfnisse nicht gleichen Schritt gehalten und dies vornehmlich der Grund ihres Zurückbleibens von der Lehrerversammlung gewesen. — Zum Schlüsse meiner Correspondenz habe ich noch mein Bedauern darüber auszndrücken, daß eine Specialversammlung der jüdischen Lehrer nach dem Schlüsse des allgemeinen Lehrertages, welche von berliner und anderen Collegen angestrebt und versucht worden, zwar schnell vorübergehend mit Auswechselung der Visitenkarten und Austausch von Bekanntschaften und Freundschaften nach verschiedenen Seiten hin, jedoch nicht mit wünschenswerthem Resultate der Be- resp. Verhandlung von Schul- und Religionsfragen auf unserem Gebiete zu Stande kam. Louis Pulvermann. Fürth, im Mai. (Privatmitth.) Die Erneurung der Landtagswahlen in Bayern gibt bei denselben viel Agitation und politische Regsamkeit kund. Erfreulich ist hierbei die Betheiligung der Juden im Allgemeinen und besonders auf hiesigem Platze, wo diese bei allen Parteien vertreten sind und an der Spitze stehen. Wie bekannt, saßen auch in der bayrischen Kammer seit 1848, nachdem der bis zum 27. Mai 1848 tagende Landtag die Wählbarkeit zum Abgeordneten für unabhängig von der Confession erklärte, zwei Israeliten, die Herren vr. Arnheim u. vr. Morgenstern. (Siehe Seite 17, 57 u. 118 der Feuilleton- Beilage der A. Z. d. I. von 1868.) Seit des Ersteren im Jahre 1864 erfolgten Tode wurde kein Sitz mehr von einem Israeliten eingenommen. Es berührt uns 24

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