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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-06-08 · Heft 23 (8.6.1869) · p. Seite 456

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 23 (8.6.1869)
Date
1869-06-08
Page
Seite 456 (sequence 12)
Language
German
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456 ständigen Ruin, ja vielleicht den Hungertod herbeiführen wird. Folgendes hat ihnen Herr Cogalniceano geantwortet : „Wollte Gott, daß ihr vor Hunger sterbet, es ist mir viel lieber, daß ihr es thut, als meine rumänischen Brüder. Verlasset sofort die Dörfer, denn so lange ich Minister sein werde, könnt ihr nicht darauf rechnen, darin zu bleiben." Und Herr Cogalniceano, nach diesen unerhörten Worten, wws die Petition der Israeliten zurück. Die armen israelitischen Pächter, tief betrübt über diesen Empfang, haben sich nach Jassy begeben, wo sie ihre Glaubensgenossen gebeten haben, bei dem Minister für sie einzukommen. Die ersten jüdischen Banquiers von Jassy haben nicht verfehlt, sich zu Herrn Cogalniceano zu begeben, der sich damit begnügte ihnen seine Worte von Bacau zu wiederholen. Jetzt, wo alle Hülfsmittel versucht, wenden wir uns an die Publizität des „Echo Danubien“, damit man wenigstens wisse, in welcher beklagenswerthen Lage sich die Israeliten Rumäniens befinden, selbst unter dem gegenwärtigen Ministerium. Außerdem sind die Israeliten der Stadt Bacau der Gegenstand einer unerhörten Verfolgung seitens aller Organe der öffentlichen Verwaltung. Dieser Tage wurde ein Jude, Namens Alter Kendler, von einem Rumänen fürchterlich geschlagen. Der Jude nahm seine Zuflucht zur Justiz, indem er bei dem dortigen Tribunal eine Klage einreichte. Acht Christen haben eidlich geschworen, daß die von dem Juden berichteten Thatsachen wahr sind. Der Herr Präsident des Tribunals wandte sich an die Zeugen und sagte: Es scheint, daß dieser Jude euer Bruder ist.— Die Zeugen antworteten, daß sie die Wahrheit gesagt hätten. Der Angeklagte gesteht auf Befragen ein, den Juden geschlagen zu haben. Der Präsident Georges Jesario richtet von Neuem an den Angeklagten die seltsame Frage: „Hat der Jude dir ins Gesicht gespien?" — Da der Angeklagte ohne legalen Beweis es bejaht, beeilt sich das Tribunal, ihn frei zu sprechen. Uebrigens fallen alle Processc, welche Juden mit Christen haben, stets zu Gunsten der Letzteren aus. Kurz, wir sind in Bacau der Gegenstand der Verfolgung und des Hasses Aller, ohne irgend etwas gethan zu haben, dies zu verdienen, wenn nicht, daß wir Juden sind. Das Verfahren des Präsidenten Jesario gleicht dem des Präfekten Lecca unseligen Angedenkens gar sehr; und doch beansprucht die rumänische Regierung von den auswärtigen Mächten die Aufhebung der Consular-Gerichtsbarkeit.... «Allerdings müßten sich die Großmächte noch zehnmal besinnen, ehe sic den Anforderungen der rumänischen und türkischen Regierung, die Gerichtsbarkeit der Consuln aufzugeben, genügen. Denn noch ist in jenen Ländern keine Bürgschaft da, daß die inländische Justiz den Unterthanen fremder Mächte eine geordnete und gesetzmäßige Rechtspflege angedeihen lassen würde. Was hilft alle Billigkeit von theoretischem Standpunkte, wenn faktisch Unrecht und Gewaltthat hinterdrein hinken! Redakt. d. A. Z. d. I.) Bukarest, 1. Mai. Das Echo Danubien führt zwei kleine Züge an, welche den Standpunkt in unserm Lande genügend erweisen. Züngst wurde ein Jude von Bukarest, Namens Moritz Berliner, preußischer Unterthan, unter der schweren Anklage verhaftet, seine Dienstmagd, die plötzlich verschwunden war, getödtet zu haben, um ihr Blut zum Opferfest zu brauchen. Die Magd wurde später durch die Polizei wiedergefunden, da sie sich von inem alten wallachischen Weibe nach Oltenitza hatte schicken lassen. Der arme Jude wurde aus dem Gefänöniß entlassen; wer entschädigt ihn aber für die ausgestandenen Trübsale, welche doch nur die Boshaftigkeit und Bornirtheit der Bevölkerung und der Behörde verschuldet hat? — In Ajoud wollten bei der Durchreise des Fürsten die dortigen Israeliten an dem Empfang desselben theilnehmen. Der Prüftet von Fokschani verhinderte sie daran unter dem Vorwände, die Juden seien Fremde und dürften sich daher nicht dem Fürsten von Rumänien vorstellen. (Eingesandt von Rawicz am 31. Mai.) Wer den Artikel „eingesandt aus der Provinz Posen" in Nr. 21 dieser Zeitung liest, worin der betreffende Verfasser die hiesige jüd. Elementarschule mir Nichts dir Nichts als „religionslos" proclamirt, ohne jedoch gleichzeitig das Heft dir. 18 «in welchem der Referent ..... r diese Schule, weil seit Jahren ein christlicher Lehrer an derselben fungirt, mit Recht „confessions- I o s" bezeichnet) zur Hand zu nehmen, muß unwillkührlich auf die Idee kommen, die hiesige Gemeinde mit ihrem Borstande und Rabbiner an der Spitze, sei nahe daran, sich entweder der famosen Petition des Dr. R. und Consorten pure anzuschließen, oder sie sei ihrer Sucht nach den weitgehensten Reformen noch fortschrittlicher.

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