Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1869)
- Date
- 1869-06-08
- Page
- Seite 455 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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455 besser aus, als in allen andern Gemeinden großer Städte, und mehr als ein Lehrer wird ausrufen: c'est tont comme chez nous; nur mit dem Unterschiede, daß Borstände anderer Gemeinden, die noch einigen Sinn für Religion und Judenthum bewahrt haben, solche Zustände als Uebelstände anerkennen, und die Gelegenheit, welche sich ihnen mit der Synode darbietet, dazu benützen werden, um denselben nach Möglichkeit abzuhelfen; die Repräsentanz der pr. Gemeinde aber bezeichnet solche Zustände als specifische Orthodoxie. Wir haben Gelegenheit gehabt alle Arten von Orthodoxie aus persönlicher Anschauung kennen zu lernen, diese Species aber ist uns noch nicht vorgekommen, diese ist demnach eine ganz neue Erfindung der Repräsentanz, und wir rathen ihr daher, um sich vor Nachahmung zu schützen, sich bei Zeiten ein Privilegium auf dieselbe zu nehmen. Wir unsererseits halten die alte, gläubige Orthodoxie für viel ehrwürdiger und achtungswerther, als diese neueste Erfindung des sehr modernen Vorstandes der alt ehrwürdigen Gemeinde. Donaufürstenthümer. Bukarest, 10. Mai. Wir haben nun die traurige Gewißheit, daß das gegenwärtige Ministerium hinsichtlich der Juden die unselige Erbschaft des Ministeriums Bratiano vollständig angetreten. Das Echo Danubien bringt folgenden Artikel, der die thatsächlichen Beweise enthält. „Gegen unser Erwarten besteht der Minister des Innern hartnäckig darauf seinen falschen Weg weiterfortzusetzen und unternimmt kühn einen neuen Feldzug gegen die Israeliten. Mit einer Festigkeit, die ihm in jeder anderen Angelegenheit Ehre machen würde, fordert Herr Cogalniceano, daß bis zu St. Georg es keine Juden in den Dörfern mehr geben solle. Es ist unmöglich, die Bestürzung zu beschreiben, welche die Ausführung dieser Maßregel unter den Juden Rumäniens hervorgerufen hat. Als sich die Notabeln der Gemeinde von Jassy dem Herrn Minister vorstellten, um ihn zu beschwören, mit ihren unglücklichen Glaubensgenossen, welche in den Dörfern wohnen, Mitleid zu haben, wurden sie mit Vorwürfen überhäuft. Der Herr Minister soll gesagt haben, daß die Israeliten von Bukarest die von Jassy täglich verwünschen. Wir glauben keineswegs, daß irgend eine Feindschaft zwischen den Israeliten dieser beiden Städte besteht, und der Herr Minister wird uns wohl gestatten, zu glauben, daß die Israeliten der Hauptstadt diese Verwünschungen nicht ausgesprochen haben, welche er ihnen ganz ohne Grund unterschiebt. Gern möchten wir die Namen erfahren, welche der Herr Minister angeführt. Alle Israeliten sind solidarisch, und wenn die von Jassy noch veraltete Kleidung tragen, so geben sie doch denen von Bukarest weder an geistiger noch an moralischer Bildung Etwas nach. Wir bestreiten also, bis das Gegentheil bewiesen wird, die Richtigkeit der Erklärungen des Herrn Ministers, und wir sehen es einfach für ein Mittel an, Zwietracht unter die Israeliten zu säen, um leichter an das Ziel zu kommen, welches sich der Herr Minister gesetzt hat. Wir veröffentlichen den Brief der Juden von Bacau, deren Original sich in unseren Händen befindet. Wir enthalten uns jedes überflüssigen Commentars, ein Jeder kann ihn leicht für sich machen. Wir find überzeugt, daß, wenn dieses Schriftstück in die Hände selbst der wüthendsten Fanatiker fiele, es ihnen Thränen des Mtleids und Erbarmens entlocken würde. Bacau, 16/28. April 1869. Eine Menge jüdischer Pächter des Distriktes Bacau, welche seit einer Reihe von Jahren in den Dörfern wohnen und dort im Schweiße ihres Angesichts ihr Brod verdienen, sind in diesen Tagen in Bacau eingetroffen, da in Folge der Ordonnanz des Herrn Ministers des Innern die Unterpräsekten den Bürgermeistern aller Landgemeinden befohlen haben, keinen einzigen Juden im Innern des Landes von St. Georg an zu dulden. Ein jeder kann sich die schreckliche Verzweiflung der 600 jüdischen Dorfbewohner unserer Gegend vorstellen, von denen die meisten arme Leute sind, denen es an Allem fehlt, die am Tage nach ihrer Vertreibung von ihrem Heerde dem Hungertode ausgesetzt sind. Am 8. d. M. kam S. H. der Fürst in Begleitung des Herrn Cogalniceano durch unsere Stadt. Die jüdischen Pächter beeilten sich, dem Herrn Minister eine Petition zu überreichen, in welcher sie sich über die Intoleranz beklagen, die man ihnen gegenüber übt, indem man ihnen verbietet, in den Dörfern zu wohnen, was unvermeidlich ihren voll- 23*