Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1869)
- Date
- 1869-06-08
- Page
- Seite 450 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3226690-3226714--27269-3262841- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Cicero 1× ep/1024888
OCR text
450 — der Punkt langjährigen Streites des armen deutschen Reiches mit der römischen Curia, dem päpstlichen Hofe.— Der Purpur als Gewand der Senatoren ijetzt Cardinäle) ist bekannt aus dem Ovidischen: novaque purpura fulgeut. lWoher der Name „Cardinal", darüber alsbald!) Es ist Jedem aus der römischen Geschichte bekannt, daß die Senatoren bei feierlichen Aufzügen — oder wenn sie in Würde einem Feinde entgegentraten, mit dem Krummstabe erschienen. — Einen gleichen trugen auch die höheren Auguren, mit Unrecht „Bogeldeuter" genannt. — Sie waren die Assistenten bei den heiligen Opferhandlungen, welche der Kaiser öffentlich verrichtete, und prüften die Eingeweide der Opferthiere. Daß nun die römischen Tyrannen direct sich die Attribute der Götter beilegten, geht aus Sueton. Calig. 52 hervor. „Gewöhnlich schritt er einher mit vergoldetem Barte, in der Hand der Blitz Banustrahl!, oder den Dreizack oder den Stab, die Insignien der Götter tragend." — Der feinere Politiker August nahte sich vorsichtiger biefer erhabenen Stellung, indem er nur die Attribute des Janus, des Himmelspförtners, sich beilegte. Suet. Aug. 91 sammelt August au einem gewissen Tage alljährig in hohler Hand auf öffentlichem Markte in Vertretung des Janus ein kleines Aß (kleinste Münze). Dem Gotte Janus war solch kleine Münze darzubringen. Ovid. Fast. I, 189. Nun vergleiche man 0vkl. Fast. I, 99. „Ille (Janus) tenens clexträ baculum clavemque sinisträ Me penes est unum vasti custodia mim di Et jus vertendi cardinis omne meum estu etc. Er in der Rechten den Stab, in der Linken den Schlüssel des Himmels (spricht): Mir allein gebühret die Macht des unendlichen Weltalls. Ich von Allen allein wende die Angeln der Zeit. Weiter Fast. I, 1! 7 erklärt der Gott Janus, daß er allein über Krieg und Frieden gebiete: „Mir in der Horen Kreis gehorchen die Pforten des Himmels — Selbst der Donnerer Zeus Einlaß erhält nur durch mich. — Der Horen (Stunden) sind und waren 24. Als darstellende Diener waren also 24 Officianten der Cardines angezeigt, daher die Zahl der römischen Cardinäle 24 sein muß, nicht darüber und nicht darunter. Der officielle Titel des August in den Monumental- Schriften war PA PA, nach seiner Erhebung unter die Götter PA PA 8t. Papast (pater patriae sanctus). Den Titel Pater patriae (Vater des Vaterlandes) nahm August knieend im Senate — gemäß dessen Beschluß — in Empfang. Als heiliger Vater des Vaterlandes bezeichnet ihn Ovid. Fast. II, 127 — (Ovid schrieb zu Lebzeiten August's): „Sancte pater patriae tibi plebs, tibi’ curia nomen lloc dedit, hoc dedimus nos tibi nomen eques“ etc. „Heiliger Vater von Rom, es grüßten einstimmig die Ritter, Volk und Senat Dich August mit dem erhabenen Wort. Spät erst folgte das Wort o Cäsar, dem himmlischen Werthe, Der Dich längst schon umstrahlt als den Vater der Erd. Trägst auf Erde den Namen, den Zeus im erhabenen Himmel, Du der Sterblichen hier — Vater der Götter er dort!" Man vergleiche die Unterschriften der Päpste: P. P. Pio IX. In der That es ist eine Satyre im culturgeschichtlichen Processe, daß die Welt glauben mag, papa existire im Latein als Vater. Wir wollen einstweilen bei diesen geschichtlichen Daten, deren wir in Betreff der Uebereinstiuunung der römischen Cultur alter und neuer Zeit in Betreff jeder Einzelheit erwiesen bereit haben, hier stehen bleiben, und die Folgerungen sich ergeben lassen. Da Rom über die Culte der Völker des Erdkreises entschied, so mußte in Rom selbst ein Conflux aller möglichen Culte Statt finden, der römische Gottesdienst ein Amalgama sein von den religiösen Culten der verschiedensten Völker. — Dem ist in der That so. — Der Dienst der mater dei, Cybele, schon zu Augustes Zeiten der hervorragendste (der Dienst der Mutter Gottes) — stammt aus Klein-Asien (Phrygien), von wo ihr Bildniß nach Rom gebracht wird. Eine Claudia Quinta zieht das im Schlamm steckende Schiff, ihre Reinheit zu beweisen, durch ein Wunder mit einem Bindfaden an das Land. Ovid. Fast. IV, 179 flg. „Und alle Götter stehen der Mutter Gottes nach: sie hat vor allen die erste Anbetung." das. 360. Im Namen „der Mutter Gottes" bettelten ihre Priester (Cicero de leg. 2.). Aristoxenus antwortete einem solchen Bettler: „Ich brauche die Mutter der Götter nicht zu unter-