Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1869)
- Date
- 1869-06-08
- Page
- Seite 449 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Apollo) gekehrt (Suet. daselbst). Auf die Uebereinstimmung und die wohlfeile Uebertragung dieser Mythen oder Volkssagen brauche ich nicht einzugehen!- Um die Leser iu jenes Jahrhundert einzuführen, dem wir den Beginn der römischen Hierarchie, d. h. ihres Umsichgreifens über den Occident zu verdanken haben, muß ich auf Tacitns histor. I, 2 wörtlich zurückkommen. — Es heißt da: „Die Stadt durch Brand verwüstet, die ältesten Heiligthümer von den Flammen verzehrt: das Capitol von Bürgerhänden in Brand gesteckt: der Gottesdienst durch Unzucht entweiht: wüster Ehebruch, das Meer voll von Verbannten, die Felsen der Gestade blutig von Schlächtereien: wildere Wuth in der Stadt Rom . . . . wer keinen Feind hatte, wurde durch seinen Freund vernichtet" . . Das letzte Gut, Leben und Friede floh vor dem Ungeheuerlichen in die Hand des Einen, und wer solchein Geschicke sich nicht beugen mochte, der erdolchte sich. «Cato von Utica.) Daselbst e. 3. „Den Göttern liegt nicht unser Wohl, sondern nur Rache und Strafe am Herzen. Daher setzten die Römer als immerhin mildern Stellvertreter den Fürst-Hohenpriester ein, an welchen sie sich mit ihren Bitten wenden konnten." Und die wahnsinnige Nachkommenschaft des August legte sich alsbald göttliche Majestät bei. 8ueton. Caligula 22. „Aufmerksam gemacht, daß er die erhabene Stellung der Könige und Fürsten weit überrage, begann Caligula, göttliche Majestät als von höherem Willen für ihn bestimmt sich beizulegen. Diese Majestät hatte der Princeps nur als oberster Priester." Tacitus annal. III, 58. Es lag den Römern vor Allem daran, daß der höchste Priester auch der höchsten der Menschen. Nunc Deüm mnnere sunrnms pontifex etiam summus hominum. „Jetzt ist durch die Gnade der Götter der oberste Priester auch der oberste der Menschen." Freilich — klagt der edle Cestius (.4nnak. III, 36.) — stehen die Principes an „Gottes Statt:" „die Götter aber hören nur gerechte Bitten und unterstützen nicht Schandthaten, welche sich unter den Schutz der Bilder der Kaiser in die Tempel flüchten und dort nicht zu erreichen sind." Als oberster Priester weiht der Kaiser (ich will den Princeps des besseren Verständnifles wegen so nennen) die Tempel ein (Tac. ann. II, 49.) An den Kaiser als Hohen - Priester wendet sich die erste Vestalin (eine Art Ober-Priesterin) um Gnade flehend für die Messalina, im hohen-priesterlichen Ornate und Aufzuge entsühnt der Kaiser Otto die Stadt (Tac. histor. I, 87.) — Die Völker und Könige des Erdkreises kommen nach Rom, um von dem Kaiser-Hohen-Priester und seinem Priester-Colleg das Asylrecht (Ablaßrecht) für die Tempel u. s. w. sich zu erbitten, Ann. III, 62. 63. — Ja der Kaiser Bespasian nimmt keinen Anstand, selbst Sünden-Ablaß zu verkaufen, 8uet. Vespas. 16. Nec reis tarn innoxiis quam nocentibus absolutiones veuditare cunctatus est. „Und er nahm nicht Anstand, den Angeklagten, ob schuldig oder nichtschuldig, überall die Absolution zu verkaufen." — Selbst der ehrliche Tactitus ist geblendet vom Glanze des Tages, wo die Könige und Völker des Erdkreises beim Hohenpriester und Senat einkoimnen, damit diese über Cultus, Ablaß u. s. w. bestimmen. Ann. III, 60. 61. (Magnaque ejus cliei species erat etc.), wo selbst die Religionsgebräuche der Numidier vom Senate entscheident geprüft werden. — Das Amt des Hohenpriesters gilt als Amt des Friedens und der Gnade: Tac. ann. III, 58. Jetzt ist durch Gottes Gnade der Hohepriester auch Fürst der Menschen, nicht unterworfen irdischem Eifer, nicht dem Hasse oder eigennützigen Bestrebungen. Daher nahm der edle Kaiser Titus das Hohepriester-Amt an, um seine Hände rein zu bewahren von Mord, und leistete dabei den Eid, lieber selbst unterzugeheu, als Jemand zu verderben, ja auch eines Mordes nur Mitwisser zu sein. — Daher von dem Kaiser der Hohepriester-Segen ausging: Der Stadt und dem Erdkreise: urbi et orbi terrarum. Daß der Senat (um dies nicht zu übergehen) auch gerade als Priestereolleg seine Function verrichtete, beweist 8uet. Aug. 35. „Damit aber nur Erwählte und Geprüfte und auch diese unter größerer religiöser Feierlichkeit die Functionen des Senatoren-Amtes erfülleteu, führte Augustus ein, daß jeder Senator, bevor er seinen Sitz einnahm, in dem Tempel, wo der Senat seine Sitzung hatte, dem Gotte dieses Tempels Weihrauch und Wein opferte und sein Gebet verrichtete." Vorbedingung war es allerdings, daß der Senator dem Ritterstande angehörte — als welcher er den goldenen annulus equestris (Ritterring) trug: als Senator erhielt er erst den Priesterstab und den Titel: Homo Praelatns: Prälat. Daher stammt die Belehnung mit Ring und Stab