Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1869)
- Date
- 1869-06-08
- Page
- Seite 448 (sequence 4)
- Language
- German
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Äudenthum und Christenthum. (Von einem christlichen Gelehrten.) In Ihrem geschätzten Blatte „Allgemeine Zeitung des Judenthums" ist vor einigen Wochen die Frage erörtert worden, warum von den vielen intelligenten Christen, welche sogar aus den Quellen die Erhabenheit des monotheistischen Judenthums zu achten gelernt haben, so wenige auch formell zum Judenthume übertreten. Theils in weiterer Beantwortung dieser Finge, theils eben durch den tief greifenden Inhalt der Frage veranlaßt, will ich den geistigen, sittlichen und geschichtlichen Werth der sich gegenüberstehenden Religionen — oder, wie wir nachher zu bekennen uns genöthigt sehen werden - kirchlichen Richtungen — nicht wie dies gewöhnlich geschieht in allgemein-philosophischen, gar scholastischen Redensarten — sondern unter geschichtlichen Beweisen abwägen. Die Zeit ist gekommen, daß die Völker, reif für das Licht der Wahrheit, an diesem nicht mehr die Fackel der Revolution noch die Scheiterhaufen der hierarchischen Reaction anflammen mögen. Politisch wie religiös sind die „Parteien" unmächtig geworden. Die geistigen und politischen Interessen Aller, sogar des Verbandes der Nationen gebieten den Einzelnen. — Selbst Napoleon bestimmt nicht mehr über Krieg und Frieden — sondern das Interesse Frankreichs und dessen Verhältniß zu Deutschland. Das Geschrei der „Parteien" mag ein ruhig abwiegender Politiker mit Lächeln überhören! — I. Wo wurzeln die Einrichtungen der katholischen Kirche? Ob es mit oder ohne Absicht geschehen, will ich nicht entscheiden — in wichtigen Dingen ist es besser, nur zu beweisen, als zu tadeln — seltsam erscheint es dem strengen Geschichtsforscher, daß das Wesen, der Character des altrömischen Gemeinwesens auch von der unparteiischen Geschichtsschreibung so ganz und gar verkannt und nickt erkannt ist. Der römische pi-inceps — von uns ebensoverkehrt Kaiser (Caesar) genannt, als wenn wir Napoleon Bourbon der Franzosen nännten — gilt in der allgemeinen Ansicht der Gelehrten und Nichtgelehrten als das politische Oberhaupt der „damals bekannten Welt" (princeps orbis terrarumj. Nichts kann verkehrter sein! — Nicht als Imperator — oberster Kriegsherr etwa — sondern als „Oberster Priester" hatten die Fürsten Roms eine intangible, heilige Würde, dies nicht blos innerhalb der Gränzen des eigentlichen römischen Staates, - sondern weit hinaus selbst unter den freien Völkern. — Ihm stand in den religiösen Dingen der ganzen Welt mitentscheidend zur Seite der Senat — als Priestercolleg — und war diese Function die erhabenste dieses Körpers. Die Attribute, welche in Folge dessen das Römervolk seinen Fürsten beilegte, waren deshalb „göttlicher" Natur, ja selbst dem höchsten Gotte entlehnt: dem Fürsten selbst direct die Stellvertretung Gottes i n c o r p o r i r t. — Ich lasse die Beweise folgen. Kueton. August. e. 94 sagt: „Julius Marathus erzählt, daß einige Monate vor Augnst's Geburt zu Rom Ungeheuerliches geschehen, welches anzeigte, daß die Natur mit einem Könige des römischen Bolkes kreise. Der Senat, erschrocken, habe darauf angetragen, daß kein in dem Jahre geborenes Kind lebendig bleiben solle. Diejenigen aber der Senatoren, deren Frauen schwanger gewesen, hatten die Hoffnung auf sich bezogen, und deshalb verhindert, daß der Senatsbeschluß zum Aerarium gebracht würde." (Dann hatte solcher erst Gesetzeskraft.) Daselbst: August's Mutter, mit mehreren Matronen des Nachts zur Anbetung im Tempel, und in ihrer Sänfte eingeschlafen, sei von einer Schlange befruchtet. August, 10 Monate nachher geboren, wurde deshalb für einen Sohn des Apollo gehalten. — Ferner: Als P. Rugidius, wahrscheinlich oberster Priester oder Pontifex (Art Bischof) die Stunde der Geburt des August erfahren, habe er im Senat versichert, dominum terrarmii orbi natum: daß der höchste Gebieter dem Erdkreise geboren. — Das Wort: domimi8 legte der Römer nur dem höchsten Gotte bei: selbst Tiber weigerte die Annahme dieses Titels: — erst der halbverrückte Domitian ließ von sich sagen: — „Dominus et Deus noster hoc fieri jubet: der Allerhöchste und unser Gott will es so" Sueton. Domitian, c. 13. Man vergleiche ferner Sueton. Aug. 94 — wo die Veliterner — August wurde zu Beliterna geboren — wissen, daß in ihrer Stadt der Sohn des Allerhöchsten geboren werden würde, weil in früheren Zeiten ein Theil der Stadtmauer vom Himmelsstrahl berührt worden sei. — (Stern!) So fand man denn den August, der am Abend von seiner Amme in die Wiege gelegt war, am andern Morgen auf der Spitze des Thurmes wieder, mit dem Gesichte gegen den Aufgang der Sonne (seines Vaters