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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-06-08 · Heft 23 (8.6.1869) · p. Seite 446

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 23 (8.6.1869)
Date
1869-06-08
Page
Seite 446 (sequence 2)
Language
German
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446 einer geschichtlichen Forschungen zu machen und in seinem aus drei Bänden bestehenden Werke dargestellt zu haben. Jndeß gerade die Form dieses Geschichtswerkes, das in Exkursen und Anhängen eine Menge zweifelhafter und schwieriger geschichtlicher Fragen ausführlich und gründlich mit dem ganzen Apparat kritischer Untersuchungen behandelt, erschwerte demselben, in das größere Publikum einzudringen, und so entbehrt gerade jene wichtige und interessante Epoche, in welcher die Wandelung des jüdischen Stammes zur Gvtteslehre und Gesetzestreue vorsichgegangen, bis jetzt einer Darstellung, welche, ohne der gründlichen Unterlage zu entbehren, doch dem größeren Publikum genießbar und darum auf dasselbe wirksam wäre. Herr Dr. Herzfeld hat sich daher auf unsre wiederholte Aufforderung entschlossen, eine derartige Bearbeitung seines früheren Geschichtswerkes zu unternehmen, widmete dieser Arbeit seit mehr als zwei Jahren alle seine Muße und wird dieselbe in diesem Jahre vom Institute unter dem Titel gebracht werden: „Geschichte des Volkes Israel von der Zerstörung des ersten Tempels bis zur Einsetzung des Makkabäers Schimon zum hohen Priester und Fürsten. l Aus seinem dreibändigen Werke des gleichen Titels kürzer dargestellt und überarbeitet.) Von Dr. L. Herzfeld." Durch dieses Werk erhält das Publikum eine Ergänzung aller bisherigen jüdischen Geschichtswerke in einem wesentlichen Theile. — Neben dieser Schrift ist es zunächst die Fortsetzung unserer „Bibliothek der griechischen und römischen Schriftsteller über Jndenthum und Juden," welche dadurch ein besonderes Interesse in Anspruch nimmt, daß wir dies Mal die gesummten Schriften Philo's in einer deutschen Uebersetzung mit Anmerkungen beginnen, und zwar das Buch über die Schöpfungsgeschichte, die drei Bücher der Allegorien, und die Schrift über die Cherubim, das flammende Schwert und den ersten Sprößling des Menschen bringen werden. Jedermann weiß, wie der Alexandriner Philo zu den vielgenannten, aber wenig gekannten Schriftstellern gehört. Durch diese Uebersetzung wird er dem allgemeinen Publikum näher gebracht und Vielen das Verständnis erleichtert. Philo verdient dies um so eher, als der größere Theil seiner Schriften durchaus nicht an jener Dunkelheit leidet, die man mehr in ihn hineingetragen hat, als sie in ihm wirklich vorhanden, und er im Grunde nichts Anderes als der erste Commentator der fünf Bücher Mosis ist, so daß viele Leser die Vergleichung seiner Auslegungen sehr interessiren wird. — — Eine lange Erfahrung hat uns belehrt, daß es falsch wäre, vorauszusetzen: es würden immer in einem größeren Literaturkreise die noch vorhandenen Lücken gefühlt und erkannt und nach ihrer Ausfüllung gestrebt; es bedürfe besonderer Anregungen für den schöpferischen Geist einer Literatur nicht, da dieser schon von selbst auf das Rechte geführt werde. Dem ist in der That nicht so; vielmehr macht sich die Erscheinung merkbar, daß, wo erst eine Richtung nach gewissen Zielpunkten eingetreten, die Wege dahin mehr als nothwendig beschritten, während andere Bahnen, und zwar nicht minder wichtige vernachlässigt werden. In der Regel ist es auch erst gereiften Männern möglich, eine solche Uebersicht über Geleistetes und noch Fehlendes zu gewinnen, daß sie das letztere den jüngeren und aufstrebenden Geistern anzugeben vermögen. Bon diesem Gesichtspunkte aus sind die Leiter des Instituts, theils zur Förderung unserer Literatur überhaupt, theils um dem Institute eine dauernde und wachsende Wirksamkeit zu sichern, entschlossen, von Zeit zu Zeit sich über die Gegenstände auszusprechen, welche ihnen der Bearbeitung in gründlicher Weise und ansprechender Form empfehlenswerth erscheinen, und die sie, wenn sie angemessen ausgeführt werden, gern durch das Institut veröffentlichen oder wenigstens subventioniren wollen. Es versteht sich von selbst, daß die Leiter des Instituts alle nrtheilsfähigen Männer ersuchen, sich in gleicher Weise über derartige Themata und Lücken unserer Literatur auszusprechen und sie in dem bezeichneten Streben zu unterstützen. Wir wünschen, daß, wenn Autoren sich eine oder die andere der so aufgestellten literarischen Aufgaben zum Gegenstände ihrer Thätigkeit machen wollen, sie uns ihren Plan in bündiger Skizzirung mittheilen mögen, um sich mit uns darüber zu verständigen und auch um eine etwaige Conkurrenz zu vermeiden. Wir beginnen heute eine derartige Aufstellung, die wir in Kurzem weiter zu führen gedenken. 1) Die jüdische Ethik in ihrer geschichtlichen Entwickelung. Etwa 1. Abtheilung: die Ethik in den mosaischen Schriften; 2. Abth.: in den prophetischen Schriften; 3. Abth.: die talmudische Ethik; 4. Abth.: die Ethik des jüdischen Mittelalters; 5. Abth.: die der Neuzeit. Es handelt sich hierbei, Altes und Neues nicht unter einander zu werfen, vielmehr mit wissenschaftlicher Unparteilichkeit von einander zu sondern, die

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