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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-06-01 · Heft 22 (1.6.1869) · p. Seite 443

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 22 (1.6.1869)
Date
1869-06-01
Page
Seite 443 (sequence 19)
Language
German
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443 Um einen Beweis davon zu geben, welches Interesse einzelne Werke der jüdisch-deutschen Literatur gewähren, lasse ich aus der oben schon erwähnten poetischen Bearbeitung der Bücher Samuel, dem sogenannten Schmuel- Buch, die Stelle folgen welche den Tod Absaloms beschreibt (vergl. 2. Sam. 18). Mein Exemplar ist im Jahre 1612 in Basel gedruckt. Die betreffende Stelle befindet sich Blatt 72''—74" und lautet in Umschreibung folgendermaßen: David macht drei häufen in Machanäim1) lant Und gab ein teil Joab in sein hant, Das ander teil gab er seinem bruder Abischäi, Und den dritten häufen gab er dem held Itäi. David wollt auch selbert in den streit hinein. Da wollen in nit losen (lassen) die diener sein. „Ihr solt daheimen bleiben izunt zu der zeit, Denn es is uns vil besser wenn ir nit bei uns seit. Denn ihr wist selbert wol, dass Abschölom euer sun Unser keins ums2) gar kein leit begert zu tun. Het er euch alein, er lies uns wol ungestritten, Darum solt ihr hie bleiben und got vor uns bitten. Wenn er euch derschlüg, er het mer vreid daran, As wenn es von uns umkemen zehn tausent man. Er wirt euer nit schonen, ob er is schon euer sun." David sprach: „Wa§ ir weit, das wil ich gern tun." Sich stell der König David zu Machanäim unter das tor. Da zohen al die seinen dem edlen König vor, Verschlossen wol mit vleis in stehlein gewant. Vil mencher ritter küneii sich gegen dem König lant. Sie neigten sich gegen iren hern, da sie wollen hin Ihren. Da sagt der König David: „Got sol euch bewaren." Da gebot der König David Joab dem weigant, Abischäi und Itäi gebot er auch zu hant, Und al den haubtleuten, die da waren in dem heer: „Bekomt euch Abschölom, so schlagt in nit sehr; Nemt in nur gefangen, schlagt in nit zu tot." Der König al den seinen es3) ernstlich gebot. Sie zohen in den streit, al des Königs scharen. „Ach reicher got von himmel, mein Volk soltu bewaren!" Sie zohen auf Jisröel, die holden gar bald. Da fanden sie Jisröel in Efräims wald. Da fand man unter Jisröel menchen starken man. Joab und die seinen, das gros volk liefen sie an, Abischäi und Itäi drungen auf den plon, Man sach König Davids knechten ritterlich beston. Der streit war verspreit Des König David knechten Da ward von den beiden Sie schlugen von Jisröel Abschölom und sein volk Zweinzik tausent beiden Got sant die bösen tier, Mer den zweinzik tausend in dem lant so weit. stritten ein herten streit, manheit vil geton, die besten auf den plon. mussten fliehn bei zeit, derschlugen sie mit streit, dass sie sie zurissen, hatten die tier zubissen. Joab und die seinen in (ihnen) alles noch zoch, Abschölom und Jisröel sehr vor in vloch. Abschölom vloch auf einem maulesel durch ein grosen wald, Da waren im Davids Knecht auf dem fus noch bald. I) Die Hebr. Worte müssen nach Weise der polnischen Juden Paroxytonirt werden, deshalb haben wir einen Accent gesetzt. 2) vielleicht Druckfehler für uns. 3) Orig. er. Er rant unter ein linden, die in dem wald waren. Da blieb er an einem zweig behengen mit den hären. Aso gar geschwinden der maulesel unter im ging, Das maulesel luf geschwinden, Abschölom da hing Zwischen himmel und erden an einem baumes ast, Er kont sich nicht ablösen er war verworren vast; Er wolt sich mit seinem schwert abgeschnitten hon, Da sach er das gehennem *) unter im offen ston. Einer von Joabs knechten seit zu Joab aso: „Ich sach Abschölom hengen an einer linden ho." „Ei", sprach herzog Joab, „hestu in derschlagen, Ein gespengelten gürtel liest (hättest) du von mir getragen. Und zehn stuck silber die het ich dir geben. Ge hin zu der linden, nimm im bald sein leben." „Nein, auf mein trauen, ich pfleg nit deines rot, Ich näm nit tausent gülden, dass ich schlug in tot. Nun hon mir al gehert, as viel as mir sein, Dass uns hat geboten David, der herr mein, Al den haubtleuten, Itäi und Abischäi, Dass man sol tun am leben Abschölom keinerlei. Solt ich den Abschölom zu tot hon derschlagen, Mir würd es mein her der König sicher nit vertragen. Sprach ich, du hest mich geheisen, du leikenst es her un hin. Du kenst dich wol stellen as der alt man von Win." 2). „Ich will dich nit ser bitten“, Joab zu ihm seit, „Ge hin, hab dir den ritten und das herzleit. Ich halt werlich, du meinst, ich treib mit dir ein scherz." Ernam drei spitziger holz er und stiktsie Abschölom in sein herz. Zehn starker mannen, die Joab sein schwert noch trugen, Den jungen Abschölom vollen! zu tot schlugen. Da Abschölom war tot, lies mann iederman unverworn. Joab im streit blies auf sein heerhorn. Da sie horten Joab tütschen und er das schofer3) zoch, Da liesen sie Jisröel ziehn und jagten ihn nit noch. Da hatten sich das volk gesammelt zu Joab bald, Sie fanden ein grose gruben dorten in dem wald. Da warfen sie Abschölom in die grübe hinein Und warfen dernoch auf ihn ein häufen stein. Da zoch al Jisröel wider heimhin do, Abschölom war gestorben, des waren sie nit vro. Diweii Abschölom noch zu Jeruschaläim sas, Da stürben im al sein son, ir keiner nie genas. Da hat er in dem königssal4) ein hübschen bau gemacht, Er hies es „stat Abschölom", das hat er ihm dertracht. Derbei solt sein namen hernoch werden gedacht, Ob er im streit ein mol möcht werden umgebracht. Da nun der jung Abschölom zu lod ward derschlagen, Aehimäaz sprach zu Joab: „Los michs bald laufen sagen David unserm herrn das gut botenbrot: Mir hon den streit gewonnen, sein veint geschlagen toi." „Nein", sprach Joab, „das stet dir nit zu; Mir sagt das botenbrot ein anderer lieber denn du. 1) geheimem ----- gehmnom, die Hölle. 2) Der „alte Mann Von Wien" ist der Niemand. So eben finde ich diese Stelle und das ganze Werk angeführt in Schmellers bair. wörterb. 1, 5t (Vgl. das S. XVla) nach einem deutschen Drucke v. I. 1562, den auch Weller Ann. 1, 435 nennt. Ich bin augenblicklich außer Stande, diesem wichtigen Umstande genauer nachzugehn. 3) Trompete. 4) Druckfehler sür tal} vgl. 2 Sam. 18, 18 iVratt

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