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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-06-01 · Heft 22 (1.6.1869) · p. Seite 444

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 22 (1.6.1869)
Date
1869-06-01
Page
Seite 444 (sequence 20)
Language
German
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444 Dir gebirt, Achimäaz, das botenbrot nit zu sagen, Derweil des Königs sun is worden derschlagen.“ Joab sprach zu dem Kuschi: „Lauf hin, es is zeit, Sag dem König al sach von dem streit.“ Sich neigt der Kuschi, Achimäaz stund dernoch (trat zurück); Der Kuschi lief geschwinden, gen Machanäim was im goeh. Achimäaz sagt zu Joab: „Nem ich schon kein Ion ein, Wie gern wolt ich laufen, möcht es nur gesein." „Was get dich noit (nichts) an, man wert dir niks zu Ion kaufen.“1) „Nun sei ihm wie ihm sei, ich wil dennoch laufen.“ Da lief Achimäaz über die zwerch hin ein weg, Er kam vor dem Kuschi auf einem krummen steg (jiebenpfade). Der türner schrei laut: „König, ich wil euch sagen, Ich sich ein her laufen, nimant tut im nachjagen.“ „Lauft einer allein“, sprach der König zuhant, „So hat mir herzog Joab ein botenbrot gesant.“ Dernach schrei der türner: „Es lauft noch einer her.“ Da sprach der König David: „Der brengt auch neue mer.“ Da sprach aber der türner: „Sott ich ein schwue2) tun, So deucht mich der erst sein Achimäaz, Zadoks sun.u Da sprach der König David: ,,Den man sich ich gern; Er kern nit zu laufen, wenn es nit gute schmues3) wem.“ Achimäaz sprach zu David: „Lieber herr mein, Den streit haben wir gewonnen, Jisröel gevlohen sein.“ „Ist nur mein sun Abscholom am leben niks geschebn? Da sprach Achimäaz: „Ich weiss nit; ich hab geselin, Dass Joab wolt ein schicken, und da ich sach das, So bin ich vluks geloffen, ich weis nit wie noch was.“ Da hiess man Achimäaz ein weil gen auf ein seit. „Las heren was der Kuschi breng vor neue zeit.“ „Genodet, edler her, den streit haben wir gewannen, Ir mögt wol treiben vil vreid un vil wunnen.“ „Da sag mir, lieber Kuschi, wie es Abscholom got; Ist er noch bei leben, oder ist er tot?“ Da sprach zu ihm der Kuschi: „Aso müssen sie auch leben AI euer veind und die wider euch stieben!“ Da derschrak der König, auf das tor lief, Er weint also sehr, gar jemmerlidh er rief: „Auwe mein sun Abscholom! Abscholom mein lieber suu! War ich vor dich gestorben! Auwe, was sol ich tun? Auwe mein sun, mein sun, das ich e ward geboren! Anwe mein lieber sun, den ich hon verloren!“ Da warf sich zu der erden der König vor Jammer gross, Sein hend auf sein haubt er zu anander schloss. 1) In dieser Zeile steckt ein Fehler, den ich für jetzt nicht zu bessern Weiß. 2) Eid. 3) Nachrichten. (Schluß folgt.) Kleine Mittheilungen. Die israelitische Waisen-Erziehungsanstalt zu Paderborn hat ihren elften Jahresbericht im Mai veröffentlicht. Die Anstalt nimmt unter der unermüdlichen Fürsorge ihrer Gründerin und Vorsteherin Frl. Fanny Nathan einen stets wachsenden Aufschwung, und zählt jetzt bereits 32 Zöglinge, nämlich 23 Knaben und 9 Mädchen, die bestens erzogen und unterrichtet werden. Seit den 13 Jahren des Bestehens sind bereits 20 Zöglinge aus der Anstalt hervorgegangen. Die Einnahmen der Anstalt beliefen sich auf 5700 Thlr., von denen für 1400 Thlr. Effecten gekauft wurden und 56 Thlr. Kaffenbestand blieb, den Rest betragen die Ausgaben. Der Kapitalbestand der Anstalt ist jetzt 4700 Thlr. Wie wir schon mehrere Male bemerkt haben, zeichnet sich diese Waisenanstalt durch eine so geringe Kostspieligkeit aus, wie sonst keine derartige Anstalt wieder, ohne daß Unterhalt, Bekleidung und Unterricht es an irgend Erforderlichem fehlen ließen. Ferner sieht man, daß es Princip ist, weniger auf die Vermehrung der Fonds, als auf die Ausdehnung und Wirksamkeit durch immerfortige Vergrößerung der Zahl der Zöglinge zu halten. Es ist dies ein Zeugniß von dem lebendigen Vertrauen der Leiterin auf die Wvhlthätigkeit der Zeitgenossen und der zukünftigen Geschlechter. Wir glauben, daß dies zum Vortheil der Anstalt ausfallen wird. Denn je mehr die Menschenfreunde Veranlaffung haben, sich zu überzeugen, in welchem Umfange das Waisenhaus segensreich wirkt, desto mehr werden sie mit ihren Gaben zu dessen Unterstützung bereit sein. In dem nahe bei Kempen (Posen) gelegenen polnischen Städchen Strykow gingen ein paar jugendliche Talmudschüler in's Freie spazieren. An einer Windmühle angelangt, wettete der eine, daß er unbeschädigt unter den vom Winde getriebenenen Windmühlenflügeln hindurchlaufen würde. Der Preis war — ein gekochtes Ei. Er gewann und dadurch tollkühn gemacht, wollte er nun einen Stock unter den Mühlenflügel hinwerfen und im Durchlaufen denselben aufheben. Diesmal gewann er nicht; vielmehr zerbrach ihm der vorbeisausende Mühlenflügel nicht nur zwei Rippen, sondern schleuderte ihn auch eine beträchtliche Stelle hinweg, wodurch er das Genick brach. Ein Wiener Freund theilt der „Süddeutschen Presse" ein bisher noch „ungedrucktes Epigramm Grillparzer's" mit, das in prägnanter Weise das Glaubensbekenntniß des Dichters in der Nationalitätenfrage wiedergiebt; es lautet: Zu Aesvp's Zeiten sprachen die Thiere — Der Menschen Bildung ward so die ihre. Da fiel ihnen mit einemmale ein, Die Stammesart, sie sollte das Höchste sein! „Ich will wieder brummen," sprach der Bär, Zu heulen war des Wolfes Begehr, Nur wer bellt schien dem Hunde brav Und blocken nur wollte das Schaf. — Da wurden allmälig sie wieder Thiere — Und ihre Bildung — der Bestien ihre. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfetd, Verantwortlicher Redakteur Dr. H. Lotze. 'S

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