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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-06-01 · Heft 22 (1.6.1869) · p. Seite 442

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 22 (1.6.1869)
Date
1869-06-01
Page
Seite 442 (sequence 18)
Language
German
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442 Dies bewies mir, daß Spanien „auSgeartet" war: wir lebten nicht mehr in der Zeit, wo, wie in der „Jüdin" von Halevy, das Osterfest in einem Souterrain, von Geheimniß umgeben gefeiert wurde. Indessen versicherte man mir in Andalusien, in Toledo, in Sevilla, wo der jüdisch-arabische Typus sich in seiner ganzen Reinheit, besonders bei den Frauen wiedersindet, daß diese religiösen Uebungen existirt und die Zeiten der Verfolgung und der Autodafes noch überlebt hätten; daß viele getaufte Juden nur zum Christenthum übergetreten wären, um dem Feuerlode und der Confiscation ihrer Güter zu entgehen; aber daß sie im Herzen Juden geblieben wären; daß sie dasjenige behalten hätten, was in ihrer Sprache „un hebraico corazon“ heißt, und was man im deutschen „ein jüdisches Herz" nennt. — Und das ist wahr! .... Uebrigens sah ich in Toledo ein wahres Wunder: die Synagoge. Nicht weit von dem Palaste des Marquis von Villena, der von dem Juden Samuel ben Levi, dem Schatzmeister des Don Pedro, erbaut worden, dann königliches Eigenthum wurde, als der König die Güter seines „Silberjuden" confiscirte, und welcher jetzt in Trümmer zerfällt, sieht man eine Kirche, Nuestra Senora del Transito, ganz ohne äußeres Ansehen, augenscheinlich völlig verlassen. Dies ist die alte Synagoge, welche vor 600 Jahren von diesem Samuel ben Levi erbaut worden. Vermittelst einiger Realen, welche ich dem Portier in die Hand drückte, trat ich durch eine kleine Seitenthür ein, welche mit eisernen Gitterstangen und großen runden und ciselirten Nägeln aus der Zeit des Königs Boabdil belegt war, dann schritt ich durch den Patio, den äußeren Vorhof, wo das Unkraut aus den Ritzen des Pflasters wächst, wo ein Haufen Kieselsteine Einern die Stiefel zerschneidet, und dann kommt man an eine Thür von geschnitztem Eichenholz, mit zwei Thorflügeln, welche nun den Eingang des Tempels bildet. Diese Synagoge wurde im Jahre 1366 von Samuel Levi erbaut, dem berühmten Schatzmeister des Königs Don Pedro, von dem oben die Rede war. Als die Juden im Jahre 1492 vertrieben wurden, überließ das katholische Königspaar (Ferdinand und Jsabella I.) die Synagoge den Rittern von Calatrava, welche sie nach den christlichen Gebräuchen schmückten, Altäre darin errichteten, einen Chor und Wohnungen. Das Gebäude bildet ein einziges Schiff von 21 Meter Länge auf eine Breite von 10 Meter und eine Höhe von 12 Meter. Seine Mauern sind nicht durch Capellen unterbrochen, mit Stuckatur bekleidet und am oberen Theile mit einem breiten Fries geschmückt, welcher hie und da die Wappen von Castilien und von Leon trägt. Ueber diesem Fries erhebt sich rund um das Gebäude herum, ein architectonischer Ausbau, welcher aus 54 Bogen besteht, und durch die Schönheit, die Fülle und die Vollendung seiner Verzierungen merkwürdig ist. Der Hauptaltar, der sehr alt und ganz mit Verzierungen bedeckt, ist im gothischen Style, mit langen Inschriften in jüdischer Schrift, zum Lobe des Gottes Israels, des Königs Don Pedro und des Samuel Levi umgeben. Dieser Hauptaltar ersetzt augenscheinlich die heilige Lade, wo die Sephorim eingeschlossen waren. Dieser alte Tempel ist aus Backsteinen von unerhörter Harte gebaut, und das Gebälk der Decke ist von Cedernholz des Libanons, welches durch die Mühewaltung des Erbauers mit großen Kosten herbeigeschafft worden. Nichts kann eine Vorstellung von dem Eindruck geben, welchen der Anblick dieser Synagoge, die vor sechs Jahrhunderten den Verfolgern der Juden überlassen worden, auf das Herz eines Israeliten macht! Nichts gleicht der Bewunderung, die mich erfüllte, als ich diese üppige Architectur, diese so wohlerhaltenen Vergoldungen, die reinen Winkel, die Kapitäle von 36 Säulen, von denen die eine Blumen, die andere Früchte, Palmen, Zweige u. s. w. darstellt, betrachtete. Es ist wahrhaft blendend, und besonders bei dem Lichte einer spanischen Sonne, welche den Glanz des Goldes auf dem weißen Marmor noch brillianter hervorhebt! Doch seien wir nichtsdestoweniger dem intoleranten und fanatischen Spanien des Mittelalters gerecht, es war maurisch, aber wohl nicht vandalisch. Es achtete selbst die Monumente der Juden, welche sie von dem Gebiete das sie von den Arabern erobert, vertrieben hatten. In Vittoria sah ich einen israelitischen Friedhof, den die Juden, als sie 1492 Spanien verließen, dem Ayuntamiento übergaben. Aber diese Schenkung wurde unter der Bedingung gemacht, keinerlei Gebäude auf den Gräbern der Juden zu errichten, und man ließ eine Summe zur Erhaltung der Mauern zurück. Dieser Contract wurde respectirt! Im Jahre 1859 ließ die Behörde (easa eonsistoriale) die Mauern, welche von den Juden erbaut und vor Alter einsielen, ausbessern! Da einige Umgrabungen nothwendig geworden, kamen einige versteinerte Leichen zum Vorschein, welche man den neugierigen Reisenden zeigt; man fand diese Leichen auf dem Rücken liegend, den Kopf nach der Seite des Orients hin gewendet, und man sieht noch auf der Stirn und dem linken Arm jedes Skelettes eines Mannes die eingedrückten Zeichen der Tephilim mit denen sie begraben wurden. (!!!) Bald soll die Fortsetzung dieser Studien folgen. Jules Lan, Advocat. Eine Probe aus dem Schmuelbuche. Wir haben im Hauptblatte über eine Abhandlung des l)r. Hermann Lotze über die jüdisch-deutsche Literatur berichtet. Er giebt in derselben eine Probe aus dem sogenannten Schmuelbuche, und diese ist interessant genug um sie auch unseren Lesern darzubieten. Der Vers, sagt:

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