Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1869)
- Date
- 1869-06-01
- Page
- Seite 434 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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434 auShUben. Wer würde «cht gern zu einer Stiftung ft«, Scherflsin beitragen, deren Aufgabe es ist, die vor- BgkichßM hebr. Dichter, Philosophen und Exegeten in würdiger und gefälliger Ausstattung nach und nach herauszugeben2 In jeder Gemeinde «erden sich Männer finden, die zu diesem Behuf« eine Sammlung veranstalten und bereitwillig einem solchen wahrhaft wissenschaftlichen und nationalen Unternehmen ihre Mitwirkung schenken werden. Auf diese Weise könnte leicht, ohne große Anstrengung und Opfer ein Stammkapital von 8—10,000 Thlr. geschaffen und angelegt werden. Bei aller Aufmerksamkeit, bei allem eiftigen Studium, so unsere Zeit aus die hebräische Poesie der Juden im Mittelalter verwendete, ist es dennoch bisher nicht einmal gelungen, die classifchen Poesie der Dichterfürsten: Salomon Gabirol, Jehuda Hallevi und Moses b. Esra vollständig in guten Ausgaben den Freunden der hebr. Dichtkunst darzubieten. In unserer Zeit, wo selbst halbcivilistrte Nationalitäten für ihre kaum nennenswerte alte Literatur die größten Opfer bringen, ist diese Angelegenheit eine wahre Ehrensache des Judenthums, zu deren Realisirnng alle Parteien und Schichten, Gemeinden und Private die Hand reichen müssen. Vielleicht findet es der erste ist. Gemeindetag in Leipzig für angemessen, die Förderung der gesammten jüdischen Literatur als eine heilige Nationalsache auch in den Kreis feiner Besprechung zu ziehen. Er würde sich dadurch ein ewiges, bleibendes Denkmal gründen! Dankbar müssen wir zum Schlüsse die Namen Montefiore, Gebrüder Safson in London, Alb. Kohn und vieler Edler nennen, durch deren Munificenz der Anfang zu dieser wissenschaftlichen Stiftung bereits gemacht wurde, da dieselben zu dem erwähnten Zwecke ein Kapital von 325 Thlrn. spendeten. Möge dieses schöne Beispiel vielfache Nachahmung finden! Rabb. D. Oppenheim. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 19. Mai. iPrivatmitth.) Als ein neues Etablissement ist hier vor Kurzem eine koschere Volksküche eröffnet worden. An der Spitze dieser neuen Anstalt stehen der Geheime Sanitätsrath vr. Steinthal, die Herren Demuth, Oppenheim, Jacoby und eine Frau Wulfsheim. ES war am vergangenen Sabbath für mich ein rührender Anblick, die Hungrigen s-o billig speisen zu sehen. Die Einrichtung ist praktisch, das Local sauber und die Speisen vortrefflich Das bleibt nun einmal bei den Berlinern zu loben, da wo es sich um Wohlthätigkeit handelt, versöhnen sich die Parteien, und reichen sich die Hand zum gemeinsamen Werk, wenn sie sonst auch noch so sehr gegen einander zu wühlen geneigt sind. Gnesen, 18. Mai. (Privatmitth.) In einer der letzten Nummern Ihres geschätzten Blattes war aus Posen berichtet worden, daß zur Zeit noch in Ino wraclaw und Gnesen Missionsschulen bestehen. Im Interesse der Wahrheit und zur Ehre der hiesigen Gemeinde wollen Sie berichtigen, daß die vor mehreren Jahren 20—30 Kinder zählende Missionsschule bis auf wenige Schüler zusammenschmolz, nachdem in der Predigt wiederholt auf das Verkehrte der Handlungsweise der betr. Eltern hingewiesen wurde, und daß endlich durch Gründung einer Talmud-Thora-Schule der letzte Rest jener Anstalt entzogen wurde, so daß sich seit einigen Monaten der Missionslehrer nicht mehr im Weichbilde hiesiger Stadt befindet. vr. Zuckermandel, Rabb. Magdeburg, im Mai. (Privatmitth.) Einer unsrer geachtetsten Mitbürger, Herr Ferdinand Friedeberg, hat die Jubelfeier seiner 50jährigen kaufmännischen Wirksamkeit damit verherrlicht, daß er dem hiesigen Kloster St. Augustin 1200 Thaler zu einer „Friedeberg-Stiftung" zugeschickt hat, damit dafür ein Armer aus hiesiger jüdischer Gemeinde, undwenn dieser nicht vorhanden, aus hiesiger christlicher Gemeinde Aufnahme und Beköstigung für Lebenszeit erhalte. Nach dem Tode des Stifters soll das Vorsteher-Collegium der jüdischen Gemeinde die Präbende vergeben. Der Vorstand des Klosters Augustin, in welchem den Insassen reichlich und sorgsam Wohnung, Pflege und Unterhalt gewährt wird, und wo schon früher auch Juden Aufnahme gefunden, hat diese Gabe fteudig acceptirt und den Namen des Gebers auf die in der Kapelle aufgehängte Tafel unter die Zahl der Wohlthäter ausgenommen. Herr Friedeberg, gleich seinem Bruder, in Magdeburg als Kaufmann und Bürger höchst angesehen,