Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1869)
- Date
- 1869-06-01
- Page
- Seite 435 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226690-3226713--27253-3262824- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
435 seit langen Jahren einer der Aeltesten der hiesigen Kaufmannschaft, vor Allem eine Zierde der hiesigen Gemeinde, der er lange als Vorsteher seine Kräfte widmete, hat damit aufs Neue bekundet, wie gern wir Juden Alles unterstützen, wo ohne Unterschied des Glaubens, Wohlthätigkeit und Liebe gespendet werden. Möge dem Geber vergönnt sein noch lange Jahre sich der Liebe und Ächtung der Seinigen und seiner Mitbürger zu erfreuen. Cassel, 11. Mai. (Privatmitt h.) Heute wird hier ein seltenes Fest gefeiert, der hundertjährige Geburtstag eines Mitgliedes der hiesigen israelitischen Gemeinde. Aron Reunert ist der Name dieses glücklichen Sterblichen, der noch alle seine Sinne besitzt, regen Geistes ist und seinen hundertsten Geburtstag im Kreise vou Kindern und Enkeln feiert. Die Betheiligung ist auch hier eine sehr vielseitige durch Gratulationen und Geschenke. Der Mann verdient auch diese Aufmerksamkeiten, denn er übte jene Tugend, die man eine specifisch jüdische nennen kann — nan — in einem ungewöhnlichen Grade. Möchten ihm noch recht viele Jahre beschieden sein! Im Gegensätze zu der Mittheilung in Nr. 18 Ihrer geschätzten Zeitung aus Berlin, wonach die Betheiligung der christlichen Welt an den Sammlungen für die russischen Juden eine schwache ist, kaun ich Ihnen von hier aus mittheilen, daß dieselbe verhältnißmäßig ziemlich stark war. Es verdient besonders erwähnt zu werden, daß eine christliche Dame nur bei Christen sammelte, weil, wie sie mir schrieb, die Israeliten für sich schon sammeln würden; daß der Gartenbauverein hier eine Verloosung und der Orchesterdilettanten-Berein ein Concert zum Besten derselben veranstaltete. Mehrere christliche Damen haben sich hier mit ansehnlichen Gaben betheiligt. A. Nachschrift. Eben von der Gratulation des Jubilars im Namen der Gemeinde zurückkommend, füge ich noch bei, daß Ihre Majestät die Königin demselben eine prachtvolle, reichvergoldete Tasse mit dem wohlgetroffenen Bilde Sr. Majestät des Königs überreichen ließ, welchem ein Schreiben Sr. Excellenz des Herrn Oberpräsidenten von Möller beigefügt war. Cöln, im Mai. (Privatmitth.) Was Sie vorausgesetzt, trifft in der That zu, daß nämlich bei der Geneigtheit der WMÄHtzk, gegen Alles, was vom jüdischen Stämme, fei es jüdisch oder getauft, sich auszeichnet, zu reagiren, von den feindseligen Expektorationen Richard Wagner's genug hängen bleiben werde, um längere Zeit damit zu schaffen zu haben. Es bewährt sich dabei auch das alte Sprüchwort: calumniare airdactev, serapev aliquid haevet, verleumde nur frech, Etwas bleibt immer davon hängen. Am zweiten Tage des diesjährigen niederrheinischen Musikfestes izu Düsseldorf) wurde u. A. ein Lobgesang von Felix Mendelssohn aufgeführt. Der Berichterstatter der Cöln. Ztg., der dieses Fest und dessen Leistungen ziemlich unparteiisch kritisirt, sagt, daß, aufmerksam gemacht durch die Wagner'sche Broschüre, das Publikum in der Mendelssohn'schen Composition „eine gewisse prickelnde Unruhe und eine weichliche Sentimentalität gefunden habe" — während Andere, die dem Feste beigewohnt, mir versicherten, daß gerade dieser Lobgesanz von den aufgeführten Chören der schönste und hinreißendste gewesen und z. B. die Chöre aus Händel's Josua, welches Oratorium am Tage zuvor aufgeführt worden, weit hinter sich ließ, das Publikum wäre ganz enthusiasmirt gewesen. lieber Geschmackssachen läßt sich nuü nicht streiten, aber unverkennbar ist es, daß Mendelssohn lange Zeit brauchen wird, um seine früheren Bewunderer wieder zu gewinnen-, die aus ein Mal ihm gegenüber so entnüchtert worden. Fehlen wird ihm dies wohl schwerlich, dann aber um so deMlicher geworden sein, was aus dem Schlummer geweckte Vorurtheile zu bewirken vermögen. Anzeigen. Die Gemeinde in Crivitz in Mecklenburg sucht zum ersten October dieses Jahres einen Religionslehrer, der Schächten und Vorbeten kann. Bei freier Wohnung und freiem Mittags- und Abendtisch beträgt das baare Einkommen 160— 170 Thlr. Wegen des Näheren wollen sich Reflectirende wenden an dm Vorstand d. isr. Gemeinde. Die hiesige Kantor- und Schächterstelle wird zum l.Juli d. I. vacant. Einkommen, bei freier Wohnung, 250—300 Thlr. jährlich. Bewerber, die auch N“np sein müssen, haben sich beim Unterzeichneten zu melden. Reisekosten werden nicht vergütet. Zirke, im Mai 1869. Der Corporations-Vorstand. 22*