Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1869)
- Date
- 1869-06-01
- Page
- Seite 432 (sequence 8)
- Language
- German
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432 Religiosität und Sittlichkeit hochschätzten und Poesie und Musik sorgfältig pflegten. Dieser Orden, welchen die besitzlosen Leviten bildeten und mit dem diese ganz identisch sind, war der Träger einer hohen Gesittung und reichen Cultur, der Erzeuger großer Gedanken und politischer Schöpfungen, die Pflanzschule der Propheten. Er hatte aber auch — denn es darf dem Bilde nicht an einer Schattenseite fehlen — zahlreiche und mächtige Feinde, welche mit dem gemeinsamen Namen drrni bezeichnet werden. Dieser vage Ausdruck, so wird weiter ausgeführt, muß specialisirt und auf ganz bestimmte Kategorien reducirt werden, und siehe da! unter den betreffenden Kategorien stgurirt auch die der erbgeseffenen „Adelig en"(?). Alle diese Kategorien der wvw-i drückten und verfolgten die armen und sanftmüthigen levitischen Dulder, welche ihren Leiden, Tröstungen und Hoffnungen in frommen Liedern Ausdruck gaben und so Dichter vieler Psalmen wurden, welche von nun an die „anawitischen" genannt werden sollen. Erst aus der Zeit des Königs Ezekias (warum Ezekias wie die LXX. und nicht Chiskia?) stammt das Heraustreten der Anawim aus ihrer leidentlichen (sie) Rolle. Gut gemalt, aber nur nach der Phantasie, denn in Wahrheit sind diese Behauptungen Berge, die nicht einmal an einem Haare hängen. Beweise dafür werden nicht beigebracht. Oder soll vielleicht die Hindeutung auf die Job 30, 4 gezeichnete Menschen klaff ei?) als solcher gelten? Das reale Berhältniß war, wie man es sich bisher vorstellte. Es gab im h. Lande wie in jedem andern Nothleidende und Arme und sie mochten wohl im allgemeinen gottesfürchtiger und weniger lasterhaft sein als die Reichen und Begüterten — Noth lehrt beten und schützt vor mancher Sünde und Versuchung. Daß sie aber in einem besonder» Zusammenhänge gestanden, Poesie und Musik gepflegt und eine eigene Literatur erzeugt hätten, vrväat Judaeus Apella. So wenig wir den Satz unterschreiben möchten: Bildung und Cultur ruhen auf dem weichen Teppiche des Reichthums, und Plutos leitet den Wagen der Kunst und Poesie, so wenig werden wir uns einschwätzen lassen, daß eine Menschenklaffe, welche unaufhörlich von der Sorge für das tägliche Brod gequält wird, in der Lage ist, sich dem innern Leben hinzugeben und das Gebiet der Kunst zu pflegen und zu erweitern. Was vollends die Leviten betrifft, so sehen wir in sehr alter Zeit einen sich bereitwillig zum Priester bei einem Götzendienste hergeben (Richter Cap. 17 und 18) und später glänzten sie durch ihre Abwesenheit bei der von Esra vorgenommenen Prüfung der Abstammung seiner Begleiter. (Esra 8, 15). Was eine andere Abhandlung in dem Isten Hefte der Zeitschrift so bitter tadelt, daß man häufig auS einzelnen Sentenzen Stimmungen, Situationen und Gegensätze arg urgire und dadurch in bodenlose Phantasie gerathe, das trifft in eminenter Weise diese erste Abhandlung, welche nicht bloß die talmudische, sondern selbst die biblische Litteratur zum Tummelplätze für die abenteuerlichste Interpretation und Combination, zum Spielballe geistreicher Einfälle zu machen kein Bedenken trägt. W. Gr. Becskerek, im Mai. (Die Publicationen des Mekize Nirdamim-Vereines III. Jahrgang.) Durch die Ungunst der Zeitverhältniffe und Umstände, unter denen seit Jahren das früher mit Vorliebe gepflegte hebräische Schriftthum schmachtet, ist der 3. Jahrgang der vom Vereine Mekize Nirdamim herausgegebenen Schriften erst vor etwa 2—3 Monaten erschienen. Freudig begrüßen wir die intereffanten Publicationen mit den Worten des Dichters: Spät kommt ihr — doch ihr kommt! — Bedenkt man die immensen Schwierigkeiten, die mit einem solchen Unternehmen verbunden, die schwache und karge Theilnahme von Seite des Publicums — Summa Summarum 940 Mitglieder, die im buchstäblichen Sinne mühsam aus allen 5 Welttheilen zusammengebracht wurden —; so müssen wir für das Gebotene den verehrten Leitern, und namentlich Hrn. L. Silbermann, Redacteur des „Hammagid" in Lyck, unfern innigsten Dank zollen und offen aussprechen. Es sind hauptsächlich zwei Kleinodien, welche durch das Institut aus dem Bibliothekenstaube, wo sie Jahre lang vergraben lagen, glücklich gerettet und aus der Verborgenheit an's Tageslicht gefördert wurden. Es ist hier nicht der Ort, diese Werke ihrem Werthe und Inhalte nach ausführlich zu würdigen oder eingehend und kritisch zu besprechen; sondern es ist vorzüglich unsere Absicht, die geschätzten Leser auf die Leistungen des Vereines aufmerksam zu machen und für dessen größere Verbreitung zu plaidiren. Vor Allem müssen wir die vorzügliche und prächtige Ausgabe der s-n «np’OB in die erste Reihe stellen., die, wie bekannt, erst vor etwa 40 Jahren vr. Zunz, Gottesdienstl. Vorträge der Juden, S. 185—251,