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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-06-01 · Heft 22 (1.6.1869) · p. Seite 431

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 22 (1.6.1869)
Date
1869-06-01
Page
Seite 431 (sequence 7)
Language
German
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43t Cap. 12 — Vers 23. U. ES schreitet zögernd Gott über den Eingang hin. -27. Ein Mahl zögernd hinüber schreitender Rettung. 20— 5. Ein sein ausschließendes Recht fordernder Gott. 22—30. Fleisch im Felde zum Fräße entrissen. Wir könnten diese Mustercollection von geschmackvollen Uebertragungen noch ins Unendliche vermehren, ziehen es aber vor, auch einiges aus der Erklärung anzuführen. Zunächst ist hier darauf aufmerksam zu machen, daß der Verfasser kein Bedenken trägt, von der recipirten, traditionellen Auffaffung abzuweichen, um originell, man dürfte sagen paradox, zu erscheinen. Die Erklärung zu 3, 8. wo abn roT y“iN „ein Land, das fließen kann von Milch und Honig" übersetzt wird, schildert Palästina als ein hartes Land und verdreht den Sinn von 5. Mos. 11, 11 so gänzlich, daß das gelobte Land als hinter Aegypten zurückstehend erscheint. Zur rührend schönen Uebersetzung der Stelle inirrri ->bt* nt „der ist fortan mein Gott, ihm will ich Stätte sein, er war bereits meines Vaters Gott, ihn will ich erhöhen," bemerkt der Commentar, die in der Mechilta gegebene und in beiden Talmuden so oft wiederholte Erklärung: nuraa vjob ntonn ganz bei Seite liegen lassend, daß irrn« von abzuleiten sei und „ich will mich ihm zur Stätte bieten" heiße. Auch auf die nach dem Talmud (8aubeärin 2ld.) absichtlich im Dunkeln gelassenen min '»ya rationes legis läßt sich der Verfaffer S. 356 ein. Dagegen geht andrerseits seine Verehrung der Tradition so weit, daß er sich S. 111. zur kühnen Behauptung «ersteigt: „Es ist daher eine völlige Wahrheit, daß für Israel in der Zerstreuuung erst die Feier des zweiten (Fest-) Tages dem ersten seinen geheiligten jüdischen Charakter sichert." Wer an diesen Proben nicht genug hat, der folge dem Verfasser in das Labyrinth seiner Symbolik S. 374 ff. 393 ff. 397—416 u. s. w., nur muß er sich erst seinen gesunden Menschenverstand assecuriren lassen und, wenn er laut zu lesen gewohnt ist, auch für seinen Athem gehörige Vorsorge treffen, da er S. 425 auf einen Satz stoßen wird, der aus 23 sage drei und zwanzig Zeilen enger Petitschrift besteht. Kömmt er glücklich wieder heraus, so hat er die N8HN ro*ia zu sagen (vulgo den bau zu benschen), denn die besondere Gnade des Herrn hat ihn aus der Geisteswüste gerettet, in die er gerathen war, ■oiin bN “aib ■'nbNil-i ns h:n Ich habe nun einmal begonnen, zu Ihnen, Hochgeehrtester Herr Redacteur! von den Sünden der neuesten Bibelexegese zu sprechen; gestatten Sie mir denn auch auf einen andern Auswuchs derselben oder vielmehr ihrer Hilfswiffenschaft l Archäologie und Einleitung in die H. S.> aufmerksam zu machen. Dieser geht von der Clique der „der Wissenschaft beflissenen" Rabbiner aus, welche die Wissenschaft in Pacht genommen zu haben und ihr Monopol per fas et nefas ausbeuten zu dürfen glaubt. Die Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums inaugurirt ihr Erscheinen unter den Auspicien eines neuen Herausgebers mit einer Abhandlung, welche in der selbstgefälligen Keckheit der Behauptungen und deren Boden- und Werthlosigkeit dem Pentateuche des H. S. R. Hirsch in nichts nachsteht. Schon die Ueberschrift „die Ebioniten des A. T." schielt nach „fremdem Boden" hinüber. Man will zeigen, daß man auch dort zu Hause sei, und damit imponiren, daß man für die älteste Secte der christlichen Kirche, durch welche diese ihre unbefleckte Glaubenseinheit verlor (Hegesippus bei Eusebius H. E. IV, 22) und deren Geschichte so dunkel ist, eine Analogie oder wohl gar den Ursprung aus uralter Zeit nachzuweisen vermöge. Ohne dieses Hinken nach 2 Seiten hin hätte die Abhandlung Anawim betitelt werden müssen, denn dieser Name behauptet, nachdem auf den ersten Seiten die verschiedenen Benennungen für Arme und Nothleidende tüchtig durcheinander gemengt worden, am Ende das Schlachtfeld. Die Ebioniten verschwinden, doch nicht ohne daß vorher eine wunderbar scharfsinnige Etymologie dieses Wortes — würdig eines S. R. Hirsch — gegeben worden wäre. In Mechilta zu 2. Mos. 23, 6, 8ifre zu 5. Mos. 15, 7, Vajikra rabba cap. 34 wird yna« als Derivat von aan (oder nach Ibn Esra zu 5. Mos. 15, 7 von ras) für einen Nothleidenden erklärt, der wegen seines absoluten Mangels an Allem nach Allem Lust und Verlangen hat. Das paßt aber durchaus nicht in den Kram dieser Abhandlung, darum wird es verworfen und — risum teneatis — "p'-aN von Pred. 12, 5 nierensörmige Kapernbeere abgeleitet. Sehen wir jedoch vom Worte ab und gehen auf die Sache ein. Die Abhandlung macht aus den in der h. Schrift unter verschiedenen Namen erwähnten Armen und Nothleidenden einen Bettlerorden, dessen Mitglieder irdischen Besitz verachteten, dagegen geistige Güter —-

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