Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-05-25 · Heft 21 (25.5.1869) · p. Seite 413

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 21 (25.5.1869)
Date
1869-05-25
Page
Seite 413 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226690-3226712--27214-3262784
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

413 Viele, welche dieser Gemeinde nahestehen, fühlen die Schmnrölhe auf ihr Gesicht treten, wenn von diesen sonderbaren dortigen Schulverhältnissen gesprochen wird; und es geschieht hier diese Kundthuung, im Namen jener Vielen, in der Hoffnung, dadurch die Leiter der dortigen Gemeinde zur Besinnung und zm rechten Auffassung der Verhältnisse zurückzuführen. Aut der Provinz Posen, im Mai. (Privatmitth.) Die Mittelschule in Posen ist, nachdem nun der Lehrer Igel von der jüdischen Schule wegen der geringen Anzahl von Schülern, welche dieselbe besuchte, mit Einwilligung der Regierung an die Mittelschule berufen worden ist, da der Religionsunterricht für die Schüler aller 3 Konfessionen von eigenen Religionslehrern tttheilt wird, eo ipso und in optima forma eine konfessionslose Anstalt geworden, an welcher die Lehrer der drei Konfessionen in collegialischer Harmonie zum Heil und Segen der Anstalt wirken, die sich auch einer sehr großen Frequenz zu erfreuen hat. Die jüdische Schuljugend in Bomst ist schon seit Monaten ohne allen und jeden Unterricht. DaS Projekt, die jüdische Schule mit der evangelischen zu vereinen, das bereits die Gutheißung der königlichen Regierung erhalten hatte, ist an der Weigerung des evangelischen Schulvorstandes gescheitert. Im Interesse der dortigen jüdischen Schuljugend ist es daher dringend wünschen-werth, daß aus irgend eine Weise von den Betheiligten dahin gewirkt werden möchte, daß diesem Uebelstande recht bald ein Ende gemacht werde. Aus Berlin wird der „P. Z." geschrieben: Die Sammlungen für die nothleidenden Juden Rußlands haben, der „Trib." zufolge, einen bisher noch verhältnißmäßig sehr geringen Ertrag geliefert. Der Wohlthätigkeitssinn der Berliner Judenschaft hat sich auch hier wieder aufglänzendste bewährt. Die hiesigen Betträge sind bedeutender als die irgend einer anderen Stadt; gleichwohl sind Personen, die aus früheren ähnlichen Veranlassungen wissen, was Berlin in solchen Fällen leistet, verwundert, daß der Ertrag nicht noch ansehnlicher ist. Die russische Regierung thut fast gar nicht-, um einem Nothstande abzuhelsen, der, wie die Berichte sagen, Dimensionen angenommen hat, wie sie außerhalb Rußlands in Europa wohl unmöglich find. Auch die Millionäre in Men und Pest sollen fich ihren nothleidenden Brüdern und Glaubensgenossen gegenüber ungebührlich karg benehmen. Nächst Preußen zeigt sich, wie es scheint, Holland am hilfreichsten. .r. Ulm, im Mai. (Privatmitth.) Schon seit Jahren wird von den Israeliten Württembergs eine Aenderung der ihre Gemeindeverhältnisse, sowie namentlich auch der ihre „Oberkirchenbehörde" betreffenden gesetzlichen Bestimmungen angestrebt, und diesem Stre ben, das besonders in einigen vor mehreren Jahren speziell deshalb zusammengetretenen Landesversammlungen (über die s. Z. auch die Ztg. d.Jdnthms. berichtete) zum Ausdruck gebracht worden ist, versuch man jetzt gerecht zu werden, aber in einer Weise, die hoffentlich in unserm ganzen Lande die entschiedenste Opposition hervorruft. Von Setten der Oberkirchenbehörde gelangte nämlich vor Kurzem an die Gemeinden der Entwurf einer neuen Verfassung, die manches Gute bringen, in vielen Paragraphen dagegen, hauptsächlich denjenigen über die Wahl, die Zusammensetzung und die Befugnisse der Oberkirchenbehörde, das Gegentheil von dem sestsetzen würde, was unstreitig die Mehrheit des Landes will. Ist nun schon der Entwurf selbst den gehegten Erwartungen nichts weniger als entsprechend, so muß wo möglich noch wett mehr Anstoß erregen, was über seine Berathung bestimmt ist: Es sollen die 12 Rabbinate des Landes, ohne alle Rücksicht auf vie so außerordentlich verschiedene Größe der Bezirke, je 1 Delegirten zu einer Versammlung nach Stuttgart senden, und die Wähler dieser Delegirten sollen nicht, wie doch gewiß das allein Richtige wäre, die Gemeindemitglieder sein, sondern die Gemeindevorsteher. Dabei ist noch der Wahltermin so kurz aaberaumt, auf den 19. ds. Ms., daß die Möglichkett, noch eine Aenderung dieser Wahlart herbetzuführen oder auch nur allgemeine Vorbesprechungen über den Entwurf zu veranlassen, nahezu im Voraus abgeschnitten erscheinen mußte; dessen ungeachtet wollte man hier wenigstens den Versuch machen, noch etwas zu thun, und der israel. Leseverein, der in seiner Versammlung vom 8. ds. den „Vorläufigen Entwurf eines Verfassungsstatuts für die israel. Kirche" deshalb auf die Tagesordnung setzte, beschloß folgende Erklärung: „Der israel. Leseverein zu Ulm hat in seiner Plenarversammlung vom 8. ds. nach eingehender Be- 21

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.