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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-05-25 · Heft 21 (25.5.1869) · p. Seite 412

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 21 (25.5.1869)
Date
1869-05-25
Page
Seite 412 (sequence 8)
Language
German
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412 abzuweisen. Uebrigens muß ich zu meinem Bedauern hinzufügen, daß die Nationalzeitung nicht das einzige unter den „liberalen Tagesblättern" ist, welches die oben gezeichnete Stellung gegen die Juden einnimmt. Berlin, 14. Mai. Prof. Gneist hat vor Kurzem eine Schrift erscheinen lassen, in welcher er nachweist, daß die Confessionalität der Schule in Preußen kein gesetzliches Fundament hat. Bonn, 18. Mai. Das ministerielle Centralblatt für das gesammte Unterrichtswesen in Preußen enthält in seinem jüngsten Hefte folgende kurze Anzeige: Israelitisches Schullehrer-Seminar für die Provinz Hessen-Nassau. Das bisher für den Regierungs-Bezirk Wiesbaden bestanden eisraelitische Seminar in Ems ist aufgehoben und mit dem israelitischen Seminar in Cassel vereinigt worden. Bonn, 18. Mai. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Ich erlaube mir nachstehende ganz gehorsamste Anfrage. Finden Anträge, die von jüd. Lehrern beider Synode schriftlich eingebracht werden, irgendwelche Berücksichtigung? Eine Aufklärung hierüber in der Zeit, des Judenthums würde um so erwünschter sein, als nach dem Bedünken vieler Lehrer diese von jedweder Betheiligung bei der Synode ausgeschlossen zu sein glauben." Wir haben darauf zu erwidern, daß Anträge jüdischer Lehrer ihre volle Berücksichtigung finden werden, vorausgesetzt, daß die Synode beschließt, auf sie einzugehen, eine Bedingung, der alle Anträge unterworfen sind. Wenn der Schreiber davon spricht, daß die Lehrer von der Synode ausgeschlossen seien, so befindet er sich im vollsten Jrrthum. Besitzt der jüdische Lehrer jüdisch-theologisches Wissen, so gehört er der Kategorie der „jüdisch-theologischen Gelehrten" an, die ausdrücklich ein Element der Synode ausmachen wird. Besitzt er dieses nicht, so wüßten wir nicht, was er auf der Synode sollte? Uebrigens wissen wir bereits, daß mehrere tüchtige Lehrer an der Synode Theil nehmen, da ihre resp. Gemeinden sie zu chren Vertretern gewählt haben, z. B. die HH. Blumenau in Bielefeld, Alsbach in Camen. Neuß, (bei Cöln) 12. Mai. (Privatmitth.) Durch Veranlassung und Bemühung des Predigers Herrn Dr. Hulisch veranstaltete der städtische Männergesangverein Hierselbst Sonntag den 9. Mai ein Concert zum Besten der nothleidenden Israeliten in Rußland, bei welchem auch die Professoren des Cölner Conservatoriums, die HH. Seiß und Concertmeister Japha sich mit ihren Leistungen betheiligten. Die Theilnahme am Concert war so groß, daß bei 10 Silbergroschen Entree 105 Thlr. 20 Sgr. einkamen. Dem 0r. Hulisch gebührt der herzlichste Dank.*) Aus der Provinz Posen, im Mai. «Eingesandt.) In Nr. 17 wird über die jüdische Elementarschule in Rawicz berichtet, daß sie die einzige in der ganzen Monarchie sei, die confessionslos ist. Der Berichterstatter hat aber leider nicht gemerkt, daß er hiermit einen logischen Schnitzer in die Welt geschickt hat. Eine jüdische Schule — die also durch ihre Confessionalität „jüdisch" charakterisirt ist — confessionslos!!! Die richtige und passende Bezeichnung für diese jüdische Schule ist — sie ist religionslos. — Denn es ist, seitdem der neue Rabbiner, ein Doctor aus Ungarn, dort wirkt — ich will nicht behaupten durch seine Schuld — aber seit jener Zeit der jüdische Religionsunterricht aus der jüdischen Schule entfernt worden. Und es hat die dortige jüdische Gemeinde das sehr traurige Verdienst — eine jüdische Schule, die nur von jüdischen Kindern besucht wird, und in welcher trotzdem die jüdische Religion keinen Unterrichtsgegenstand bildet, für jüdisches Geld zu unterhalten. Erfreulich ist's, daß eine solche Erscheinung nnr vereinzelt dasteht: traurig ist es aber, daß ein solcher Fall auch nur ein Mal, und gerade in einer jüdischen Gemeinde Vorkommen soll, die ehemals, fast ein ganzes Jahrhundert hindurch, die Pflege- und Bildungsstätte vieler Rabbiner war, die in zahlreichen großen und kleinen Gemeinden gelehrt und gewirkt haben. *) Nach einem uns eben zugegangen Briefe aus San Francisco in Californien sind dort bereits 3600 Thlr. gesammelt, und glaubt man es bis zu 6000 zu bringen. Redaction.

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