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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-05-25 · Heft 21 (25.5.1869) · p. Seite 411

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 21 (25.5.1869)
Date
1869-05-25
Page
Seite 411 (sequence 7)
Language
German
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411 zier in Rom, wie der Lehnsadel im Mittelalter; keine Abgeschlossenheit gegen die Fremden, denn diese standen unter „einem Recht und einem Gesetz" wie die Einheimischen, und jeder Fremde konnte in die „Gemeinde" eintreten (nur der Ammonite und Moabite sollten wegen ihrer Feindseligkeit ausgeschlossen sein, dagegen wird dem Edomiten und Aegypter es gestattet 5 Bios. 23, 4 ff.). — Fürwahr, in allen diesem geriren wir uns nicht als Apologeten, sondern möglichst objektiv, wie wir einen solchen Standpunkt in unseren „weltbewegenden Fragen" inne zu halten uns bemüht haben. Uebrigens kann man es uns nicht verdenken, wenn man zuletzt durch die Sisyphusarbeit, derartige ungründliche und vorurtheilsvolle Auslassungen immer und immer wieder bekämpfen zu müssen, ärgerlich wird. Unseren Glaubensgenossen machen wir dabei nur den einen Vorwurf, immer zu warten, bis irgend ein häßlicher Angriff vorkömmt, dagegen für die Verbreitung ruhig gehaltener, objectiver Schriften über dieses ganze Gebiet gar nichts zu thnn. — (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 12. Mai. (Privatmitth.) Was Ihr Correspondent in Nr. 19. über die „liberale" Nationalzeitung sagt, kann auch ich nur bestätigen, nur daß ich betonen muß, wie das gedachte Blatt des doctrinären Liberalismus nicht blos bei dieser Gelegenheit seine scharf ausgeprägte Antipathie gegen Judenthum und Juden verrathe, sondern vielmehr seit langer Zeit gewissermaßen ein System befolgt. Dies besteht darin: 1» im Jgnoriren der jüdischen Literatur oder literarischer Erzeugnisse von Juden, wenn sie diese bei etwaiger Erwähnung loben zu müssen glaubt, obgleich sie sich nicht abhalten läßt, die unerheblichsten Schriften von Leuten ihrer Richtung oder christlicher Confessio« auszuposaunen; 2) wenn sie in Werken jüdischer Autoren Fehler zu finden vermeint, so nimmt sie Notiz davon, und tritt diese vermeintlicken Fehler so breit, bespricht sie mit so vielem Hohn oder urtheilt so sehr von oben herab, daß die Tendenz nicht zu verkennen ist; 3) wenn Juden als solche Angriffe, Zurücksetzungen, Anfeindungen erfahren haben, so bemüht sie sich, diese sämmtlich als Hirngespinnste überreizter Judenphantasie, als lächerliche Uebelnehmerei und übertriebene Empfindlichkeit hinzustellen; sie verkleinert die Angriffe und vergrößert den berechtigten Allarm der Angegriffenen. Das Letztere ist in dem Streite über das berüchtigte Wagner'sche Pamphlet der Fall, wie denn dieses Gelegenheit genug gegeben hat, Feind und Freund etwas näher kennen zu lernen. Man lüftet einmal, weil die Zeit gerade günstig zu sein scheint, die Maske, und zeigt Etwas von den wahren Zügen des Antlitzes. Im Grunde ist es nichts als das alte Lied vom Bärenführer in Atta Trull: die Juden sollen Alles werden, nur keine Bärenführer; oder wie jener bekannte Oberbürgermeister, der den Juden Alles gönnte, nur keine Bürgermeisterei. Der christliche Zeitungsschreiber sieht einen jüdischen Glück machen, und er ist ein Feind aller jüdischen Zeitungsschreiber; ein christlicher Autor und Literat gewahrt, daß ein jüdischer sich, wenn auch mühsam, einen Platz erobert, flugs müssen alle jüdische Autoren verdammt werden. Daß dies auch auf dem Gebiete der Musik stattfindet, haben die letzten Vorgänge genügend erwiesen. Richard Wagner hat die deutschen Scribenten daran erinnert, daß Mendelssohn und Meherbeer doch eigentlich Juden gewesen, und schnell erheben sie sich — bis auf eine kleine Zahl ehrenfester Männer — von den Knieen, auf welchen sie bis jetzt wenigstens vor Mendelssohn gelegen, und speien ihm ins Angesicht. Wir wissen auch, daß Mendelssohn die klassischen Genien Mozarts, und Beethovens nicht erreicht hat, und Ihr Blatt hat dies zum Verwundern Vieler zu einer Zeit ausgesprochen, wo die Verehrung Felix Mendelssohn's noch eine unbedingte war; aber Niemand kann doch bestreiten, daß unter den Epigonen Mendelssohn die höchste Stelle einnimmt und Beethoven am nächsten kommt. Doch genug, der Haufe dieser Scribenten besteht nur einen flüchtigen Augenblick und der allgemeine Geschmack ist doch objectiv genug, sich nach dem Werthe, nicht nach dem Ursprünge eines Kunstwerkes zu enffcheiden. — Was nun die liberale Nationalzeitung betrifft, so nehme sich dieses Blatt doch in Acht, einen nicht kleinen Theil des liberalen Publicums so von sich zu stoßen; viel hat es bekanntlich nicht mehr zu verlieren, um in seiner Existenz bedroht zu sein. Jeder charaktervolle Jude kann nach der klaren Erkenntniß der Tendenz dieses Blattes nicht mehr zweifelhaft sein, es von sich

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