Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1869)
- Date
- 1869-05-18
- Page
- Seite 396 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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396 constituirendes ßotithe wählten, und mit der Ausarbeitung der Vereinsstatuten betrauten. Dieses ist mit seiner Aufgabe bereits fertig, und schon am 10. Mai wird in einer Generalversammlung über deren Annahme abgestimmt werden, um dieselbe sofort der Behörde zur Bestätigung zu überreichen, Der Verein hat sich zur Aufgabe gemacht: die Förderung religiösen Sinnes und die Pflege der jüdischen Wissenschaft , er hat bereits mehrere hundert Mitglieder, und was die Hauptsache ist, er ist auch schon mit namhaften Geldspenden bedacht worden. Auch Frauen können Mitglieder dieses Vereines werden. Auch die Israeliten Böhmens haben nach langen Kämpfen und Ringen einen Verein gegründet, dessen Tendenz die Hebung und Förderung der jüdischen Schule einerseits, sowie die materielle Unterstützung der Lehrers-Wittwen und Waisen anderseits ist. Am 15. April erließ derselbe die erste Currende, in welcher die Cultusvorstände und Rabbinen angegangen werden, den Verein nach Möglichkeit zu unterstützen. Bei einem solch löblichen Zwecke, wie dieser Verein ihn hat, ist es zu erwarten, daß die Bitte nicht ohne Erfolg bleiben wird. — Die Repräsentanz hat bei H. vr. Zacharias Frankl, Seminardirector in Breslau, der bekanntlich ein geborener Prager ist, angefragt, ob er geneigt wäre den hier erledigten Oberrabbinerposten zu übernehmen; in förmliche Unterhandlungen hat sich dieselbe noch nicht eingelassen. An Stelle des Rabbi Juda Teweles ist ein hiesiger Talmudist H. Baruch Kauders provisorisch angestellt worden. In einer der letzten Repräsentanzsitzungen wurde auch die Ueberlassung der Gemeindebibliothek an die k. k. Universitätsbibliothek endgildig beschlossen. Mein Bericht in Nr. 13. d. Bl. hat einen der Dii minoris generis hier so in Zorn gebracht, daß, wenn er ein Jupiter wäre, er gewiß sein belecktes Haupt geschüttelt und furchtbare Donnerkeile gegen mich losgelassen hätte; so aber mußte er sich bescheiden die gemeinen aber ungefährlichen Wuthausbrüche seiner Ohnmacht in die Spalten des „Israelit" auszugießen. Dieses Pfäffchen will ich nun ein für alle Mal charakterisiren. Es will zwar schlau sein, es verdreht die Augen und thut fromm; es stellt sich nämlich indignirt, weil ich die Shnodalversammlung, honibüe dictu, als eine Nothwendigkeit bezeichnete — wobei es die Frechheit hat die vielen und großen Gemeinden, welche die Beschickung der Shnodalversammlung zusagte«, sittlich und religiös verkommen zu nennen *) — allein ich weiß, daß dies blos Verstellung ist, wie vieles andere bei Leuten vyn solchem Gelichter, und daß es etwas ganz anderes war, was dieses sonst zahme Subjekt in rasende Wuth versetzte. Dieser hoffärtige, aufgeblasene Mensch ist nämlich ein Wagner an miniature, er leidet an Größenwahnsinn, und da die Welt wegen seiner faktischen Unbedeutendheit von seiner Größe noch nichts bemerkte, so hält er sich für ein verkanntes Genie. Das alles aber wäre verzeihlich, wenn er sich nicht in den Kopf gesetzt hätte, daß nur die hiesigen Rabbinatscanditaten, welche einen Feldzug gegen ihn organisirt haben sollen, daran Schuld sind, daß die undankbare Welt bis jetzt für seine Größe und Verdienste blind geblieben ist. So sollen die Candidaten daran Schuld sein, daß seine Predigt ein leeres, unzusammenhängendes Geschwätz ist, daß er, der Neuorthodoxe, vom Talmud sehr wenig -versteht. Es würde zu weit führen, wollte ich all dasjenige aufzählen, woran auf diese Art, bei diesen Menschen, die Candidaten Schuld sein könnten. Seinem Groll gegen dieselben, die ihm aber meines Wissens nie hierzu Ursache gegeben haben, hat er schon einmal in heimtückischer Weise im „Israelit" Luft gemacht, wofür ihn aber auch in diesem Blatte ein yummyue landein zugerufen wurde. In meinem benannten Berichte kommt nun das Deminutiv „neuorthodoxes Predigerlein" vor, welches er, wie ich aus sicherer Quelle erfahren, auf sich bezog, und daher außer Rand und Band gerathcn ist. Sein kleinliches ich ist also der wahre Grund seiner ekligen Wuthausbrüche und nicht die in Gefahr geglaubte Neuorthodoxie, welche übrigens bei ihm von sehr zweifelhafter Natur ist. Denn nur so ist es erklärlich warum er nicht blos über den Schreiber des Artikels, sondern über alle Candidaten seinen Geifer ausgießt, und warum er überhaupt in Jnvectiven ausartet, auf die ich ihm aber aus Achtung vor den Lesern hier nichts erwidere, und nur an den Ausspruch eines alten Talmudlehrers Kol bapo8eI pusul, ubemumo hu posel, den er sich übersetzen lassen mag, erinnern will. Nur das Eine muß ich ihm sagen, daß ich ihn für einen elenden Lügner erkläre, insolange er *) Du lieber Himmel, die religiöse und sittliche Verkommenheit liegt ganz auf der andern Seite, und zieht sich durch Haß und Gemeinheit kund. Redaction.