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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-05-18 · Heft 20 (18.5.1869) · p. Seite 395

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 20 (18.5.1869)
Date
1869-05-18
Page
Seite 395 (sequence 11)
Language
German
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395 Glaubens sein. Da nun jetzt Neuwahlen vorgenommen werden sollen, fragte die Statthalterei beim Ministerium an, ob angesichts der Staatsgrundgesetzc, angesichts der de jure und de facto bestehenden Gleichberechtigung die Gcmeinderathswahlen auf Grund des erwähnten, der Gleichberechtigung widersprechenden Statutes vorgenommen werden können. Die Antwort langte nun hier an. Das Ministerium hat natürlich im liberalen Sinne die Frage gelöst und beauftragt, zum nicht geringen Aerger und Verdruß der hiesigen Judenfresser, die Grundgesetze zu beachten und die Wahlen zwar auf Grund des noch in Kraft bestehenden provisorischen Statutes vorzunehmen, jene Paragraphen desselben aber, welche mit den Grundgesetzen im Widerspruche sind, gemäß denselben abzuändern. Alle Einschränkungen der Israeliten müssen daher fallen, und man wird lüv Gemeinderaths-Mitglieder ohne Unterschied des Glaubens wählen. Wenn es nicht zu einem Compromisse unter den christlichen und jüdischen Wählern kommt, könnten wir Zeugen eines erbitterten Wahlkampfes werden. Einer solchen Versöhnung müßten aber vor Allem die bekannten Judenfeinde im gegenwärtigen Gemeinderathe und die Herren Veida, Dabrowski und Sanciewicz sammt ihrem Anhang zum Opfer fallen. (Da könnte es denn auch leicht kommen, daß eines Tages die Mehrzahl der Gemeinderathsmitglieder Juden sind — was da, wo die Mehrheit der Bevölkerung jüdisch ist, nicht mehr als billig. Redact.) Pest-Ofen, 23. April. (Privatmitth.) Der Ex- und Erzbischof der hhperorthodoxen Judenheit Oesterreichs Rabbiner Hirsch in Frankfurt a. M. sandte den ung. Gesinnungsgenossen seinen Stellvertreter in Oesterreich, vulgo Weihbischof, derzeit Rabbiner in Kollin, Guggenheim, damit er die bethörte Menge aufwiegle und die Gefahren aufdecke, die die Beschlüsse der Congreßmajorität enthalten. Also die ung. Hyperftommen, die ihre Zustände besser kennen, haben das Zutrauen unserer Zeloten verloren, und man sah sich genöthigt die Hilfe von auswärts in Anspruch zu nehmen. Die hier diese Woche tagende Rabbinerversammlung wurde von vielen besucht, und wir fanden diesmal auch solche Männer anwesend, die bisher vom Kampfe sich fernhielten. Das Endziel der Bestrebungen war, bei Sr. Majestät Protest einzulegen, damit die Beschlüsse keine Sanktion erhalten sollen. Alle Schriftstücke wurden von Guggenheim angefertigt. Daß aber alle diese Schleichwege der Hhperftommen nichts nützen werden, beweist die Aufnahme, die sie bei dem Cultusminister gefunden haben, indem dieser Mann den Leuten rund heraus sagte, daß sie erstens nicht im Sinne der jüdischen Bevölkerung handeln, indem die Juden in Ungarn die Ordnung in erster Reihe wünschen, ferner seien im Lager der Congreßmajorität echte orthodoxe Juden, wie Rabbiner Hirsch aus Altofen, Dr. Zipser aus Rechnitz, Director Deutscher aus Pest n. a. m., die eben die Satzungen der Bäterreligion nicht geändert wissen wollen, und eine Ordnung der inneren Zustände schon deshalb anstreben, weil diese Männer überzeugt sind dadurch ihrer Religion zu nützen, in Folge dessen er ihre oppositionelle Stellung gegenüber der Congreßmajorität unbegründet findet und das Vorgehen nicht billigen kann. Daß aber diese Frommen bei Sr. Majestät auch nichts ausrichten werden, steht vorauszusetzen, weil ein constitutioneller König dem verantwortlichen Minister keine Hindernisse, die eben die Entwicklung hemmen, in den Weg legt. Die Pester Gemeinde entschloß sich endlich die durch das Ableben Weisels verwaist gewordene Kanzel wieder durch eine tüchtige Kraft zu besetzen, und es wurden zu dem Behufe Anstalten getroffen, einen gewandten Kanzelredner zu gewinnen. Concurs wird nicht ausgeschrieben. Veritas. Prag, Ende April. (Privatmitthl.) Mit dem Erwachen der Natur aus dem langen Winterschlafe scheint auch hiesige Gemeinde aus der langjährigen Letargie, in welche sie verfallen war, sich endlich einmal aufraffen zu wollen. Wenigstens mehren sich die Symptome, welche darauf Hinweisen, und die wir daher mit Befriedigung hier registriren. Herr Rabbiner Samuel Freund hat nämlich in seiner Trauerrede an der Bahre des seligen Rabbi Juda Teweles die Bildung eines Vereins mit Namen Aphike Jehuda zur Verewigung des Namens des Heimgegangenen angeregt; dessen Worte scheinen nun auf keinen unfruchtbaren Boden gefallen zu sein, denn nur wenige Tage darauf hat eine Zusammenkunft von mehreru ehrenwerthen Männern statt gefunden, welche aus ihrer Mitte ein 20*

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