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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-05-18 · Heft 20 (18.5.1869) · p. Seite 391

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 20 (18.5.1869)
Date
1869-05-18
Page
Seite 391 (sequence 7)
Language
German
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391? derung eines beträchtlichen Theiles jener Juden, eine theilweise Entfernung derselben aus den engen Grenzen, in welche sie hinein gebannt waren, Abhülfe für die materielle und geistige Noth derselben zu bringen vermöge. Jener Ruf nach Freizügigkeit und nach Beförderung der Auswanderung ging unbeachtet zu der Zeit vorüber, wo eine allmälige Ausführung möglich und erfolgreich gewesen wäre. Jetzt freilich steht es klar vor Jedermanns Auge geschrieben — aber um so schwerer ist die Antwort, auf welche Weise und durch welche Mittel diese außerordentlich schwierige Aufgabe zu lösen sei? Daß hier nur eine große und organisirte Bereinigung Etwas wirken kann, ist nicht zweifelhaft, und wir haben daher den oben gelesenen Antrag an den im Juni stattstndenden jüdischen Gemeindetag formulirt, damit hier von einer Gesammtheit der Impuls ausgehe. Mittlerweile ist es aber um so uöthiger, daß diese Angelegenheit von allen Seiten erwogen und durchsprochen werde, und wir eröffnen daher hiermit eine Reihe von Artikeln, damit wo möglich ein helleres Licht darüber gewonnen werde. Wir erhalten von Kowno ein Schreiben, datirt vom 25. April, aus welchem wir Folgendes hervorheben. „Wir beeilen uns, Ihnen mitzutheilen, daß wir jetzt ernstlich daran denken, die theilweise Auswanderung unserer hiesigen nothleidenden Glaubensgenossen zu befördern. Wir luden zu diesem Zwecke hierher ein den H. vr. Rülf aus Memel und den H. Rabbiner Silbermann aus Lyck, welche beide ein sehr warmes Interesse für die Sache an den Tag legen und ja so ziemlich unsere Nachbaren sind. Wir werden dann genau überlegen was zum Gedeihen dieses, wohl sehr schwierigen Unternehmens gethan werden muß, unsere Entwürfe werden wir aber nicht eher zum Beschlüsse erheben, bis sie auch vonJhnen geprüft sein werden. Unterdessen werden Sie vielleicht die Güte haben diesen Gegenstand in ihrem so geschätzten Blatte zu besprechen, um die Meinungen anderer competenter Glaubensgenossen über diesen Punkt zu erfahren und zugleich ihr Interesse dafür anzuregen." Auf eine Zuschrift unsrerseits erhalten wir folgende Antwort aus Hamburg unter dem 18. April. -„Wenn das in Ihrem werthen Schreiben besprochene weitere Ziel, die Auswanderung der russischen Juden in größerem Maaßstabe, angestrebt und realisirt werden wird, dann dürfen Sie versichert sein, daß Hamburg mit seinen Spenden, nicht Zurückbleiben wird. Die Agitation für ein so großartiges Unternehmen darf sich natürlich nicht auf Deutschland, noch auf Europa beschränken, alle Welttheile müssen dazu Mitwirken. Es müßten permanente Sammlungen ins Werk gerichtet werden, wöchentliche kleinere Beiträge, in Art der seit Jahrhunderten bestehenden regelmäßigen Spenden für die Dorr» sancta, oder wie die Peterspfennige bei den Katholiken, und müßten aller Orten die Vorstände der Gemeinden diese Sammlungen überwachen und fördern. In den größeren Städten müßten sich Central-Comites constituiren, welche die Gaben verwalten und einem ausführenden Ausschuß zur Verfügung stellen müßten. Wie Sie mit Recht aussühren, dürften vorher diejenigen Schritte nicht Unterlasten werden, welche die Möglichkeit der Maaßregel feststellten. Daß Männer von Einfluß sich an die Spitze des Unternehmens stellen müßten, deren Namen und Stellung dem großartigen Unternehmen zur Stütze dienen müßten, ist unbezweifelt richtig, ob sie aber dazu bereit sein werden, fraglich. Wenn Gesellschaften wie die Alliance israelite in Paris, Männer, wie Sir Moses Montefiore, Crömieux, einige der ersten europäischen Banquiers an die Spitze des Unternehmens treten würden, dann wäre der Erfolg ein möglicher, sei es in Bezug auf die nachzusuchende Erlaubniß der russischen Regierung, sei es in Betreff des Jnslebentretens des Unternehmens. Bon der Heilsamkeit desselben wird Jeder durchdrungen sein, dem die Lage dieser bedauernswerten Menschen bekannt ist; die Theilnahme, die Begeisterung dafür kann aber nur von der Presse angeregt, verbreitet und unterhalten werden. Ihre Zeitung hat seit ihrem Bestehen des Guten so viel gewirkt, so manches nützliche und schöne Werk angeregt und befördert, daß Sie auch in dieser Angelegenheit sicher nicht ohne Erfolg die Initiative ergreifen werden. Wir werden die Erfolge mit warmem Interesse begleiten und, so weit es in unfern Kräften steht, thatkräftig unterstützen. Wir empfehlen uns Ihnen mit achtungsvoller Ergebenheit Philipp Simon Namens des Comites zur Unterstützung der Juden in West-Rußland. «Fortsetzung folgt.)

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