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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-05-18 · Heft 20 (18.5.1869) · p. Seite 390

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 20 (18.5.1869)
Date
1869-05-18
Page
Seite 390 (sequence 6)
Language
German
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SSV einer kritischen Untersuchung unterwirft, und immer übt er eine unparteiische Kritik. Sowohl die guten wie die schlechten Sitten der jüdischen Nation werden besprochen, aber stets wird er von dem Principe geleitet alles das öffentlich auszudrücken, wovon er im Innersten seines Herzens überzeugt ist. Die vielen Mißbräuche in vielen Gemeinden werden scharf getadelt, aber die schönen Institutionen und Anstalten, die in manchen Gemeinden gedeihen und in voller Blüthe stehen, werden den andern als Vorbild geschildert und zur Nachahmung angeeifert. Der Vers, ist mit warmer Liebe und Anhänglichkeit an die mühsame Arbeit gegangen, hat alles ernst durchdacht und einer reiflichen Ueberlegung unterzogen. . Wir entnehmen aus jeder Betrachtung, daß nur das Wohl seiner Brüder ihm am Herzen liegt, und wenn wir in dem vorliegendem Werke in ihm einen tüchtigen Schriftsteller begrüßen, der sich zur Aufgabe seines Lebens gemacht, seine Glaubensgenossen auf der Bahn des Fortschrittes zu leiten, so wäre es unserer Seits unrecht, wenn wir dem wackern Denker und fleißigen Forscher nicht die volle Anerkennung angedeihen ließen. Allerdings hat der Vers, viele Quellen zu seiner umfassenden Arbeit benutzt, aber wir finden darunter auch viele seiner eigenen schönen Gedanken. Bei uns zu Lande liegt der Boden der Literatur auf jüdischem Gebiete noch gänzlich brach. Unserer Meinung nach gebührt Demjenigen das Verdienst, der diesen Boden urbar gemacht hat. — Es ist freilich sehr zu bezweifeln, ob die Reformen, die der Vers, vorschlägt und die von allen Bessergesinnten aufrichtig gewünscht werden, in Bälde vorgenommen werden, aber daß diese heilsame Folgen haben werden, ist mehr als gewiß. Das Saatkorn, das Herr T. hier ausgestreuet hat, wird in der Zukunft reiche Früchte tragen! — Nach dieser kurzen Abschweifung, fahren wir in der Recension des Werkes fort. Wenn wir überhaupt dieses Werk ausführlich besprechen und viele Spalten Ihrer geschätzten Zeitung in Anspruch nehmen, so geschieht es deshalb, weil wir von der Wichtigkeit desselben durchdrungen sind und in uns die Ueberzeugung tragen, daß der wackere Redacteur dieser Zeitung, der viele Äahrzehende hindurch durch Wort und That für das Judenthum Ersprießliches geleistet hat, mit uns derselben Meinung ist, dem Werke jede mögliche Verbreitung zu wünschen. — Das Capitel über den Ackerbau müssen wir als ein sehr gelungenes bezeichnen. Der Berf. weist aus der Bibel, auS dem Talmud und aus der Geschichte nach, daß die Juden im Alterthuine Ackerbau und Viehzucht trieben, und ermahnt unsere Glaubensgenofien sich diesen Stand zu erwählen, der allein im Stande wäre viele Menschen dem Elend uud dem Proletariat zu entreißen. Er erinnert unsere reichen Glaubensbrüder an den Aufruf des Di'. Philippson, den Derselbe im Interesse dieses Gegenstandes vor vielen Jahren erlassen, und resumirt zum Schluffe, wie unser großer, unsterblicher Gesetzgeber Moses es sich zur Aufgabe seines Lebens stellte, das Volk Israel zu einem ackerbauenden zu machen. Die schönen, reiflich durchdachten Ideen, die Wärme der Sprache und der fließende Styl laßen nichts zu wünschen übrig, und wir sind überzeugt, daß der denkende Leser dieses Capitel nicht unbefriedigt aus den Händen legen wird. — Mit einem Worte, das Werk enthält vieles Nützliche und Praktische, und wünschen wir von Herzen, daß die darin dargelegten Ideen und Ansichten recht bald zum Nutzen und Wohle unseres Volkes sich verwirklichen mögen! Möge die Arbeit des fleißigen Vers, einen großen Leserkreis finden, und mögen die Gemeinden sowohl, als auch unsere humane, hochherzige Regierung, die schon so vieles für unser Volk gethan, nicht auf halbem Wege stehen bleiben uud uns die völlige Emancipation gewähren, damit wir unfern gebildeten Brüdern im westlichen Europa nicht nachstehen sollen! L. T-g. Me ist den nothleidenden Juden in Westrußlttnd jn helfen? Daß die reichlich fließenden Spenden zur Abhülfe der unermeßlichen Noth, welcher unsere Glaubensgenoffen in den westlichen Provinzen Rußlands anheiingefallen sind, für den Augenblick von großem Nutzen und allen Gebern zur Ehre und zum Segen gereichen, wer erkennt es nicht an? Aber ebenso wenig kann sich irgend Jemand verhehlen, daß hiermit für die Dauer nichts geschehen, daß aller Scharfsinn und alle Thatkraft darauf gerichtet werden müssen, auf welche Weise das Uebel an der Wurzel erfaßt und wo möglich ausgeriffen werden könnte. Seit Jahren, ja wir können sagen, seit Jahrzehenden, lange bevor dieses Unheil in seiner ganzen Ausdehnung an's Licht getreten, haben wir immer und immer gesagt, daß nur die Auswan-

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