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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-05-18 · Heft 20 (18.5.1869) · p. Seite 389

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 20 (18.5.1869)
Date
1869-05-18
Page
Seite 389 (sequence 5)
Language
German
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389 Zeit ganz und gar auf den Standpunkt der Orthodoxie, und zwar der orthodoxia militans gestellt hat, so mußte vorausgesetzt werden, daß er wenigstens in dem, dieses Jahr erscheinenden Buche diesen Standpunkt einhalten werde. Bevor sich jedoch die Leiter des Instituts hierüber unter einander ausgesprochen, kamen uns von vielen Seiten die Aufforderungen zu, bei diesem Verfahren des vr. Gr. die pflichtgemäße Behutsamkeit bei der Herausgabe des zu erwartenden Bandes zu üben. Ja, um nur Einen zu nennen, derselbe Mann, der im ersten Jnstitutsjahre die Herausgabe des dritten Bandes mit all' seiner Autorität gefordert hatte, Herr vr. Jellinek, forderte jetzt entschieden, daß sich das Institut nicht zum Werkzeuge für die Verbreitung einer feindseligen Behandlung des neueren Judenthums hergebe. Die Leiter des Instituts wollten nicht so weit gehen, sondern richteten an vr. Gr. "das Verlangen, wenigstens im Juni das Manuscript zu erhalten. Herr vr. Gr. wollte nicht darauf eingehen und antwortete nicht. Einer der Leiter kam damals zufällig nach Breslau und bei seiner persönlichen Verbindung mit vr. Gr. versuchte er eine Vermittelung und glaubte, daß wir uns auch zu Monat Juli als Ablieferungstermin verstehen würden. Dies wäre von unserer Seite das äußerste Zugeständniß gewesen, das auch nur damit entschuldigt werden konnte, daß wir ungern ein Werk für die Abonnenten unbeendigt lassen wollten, von welchem wir bereits sieben Bände geliefert, vr. Gr. wollte aber von einer Bedingung nichts wissen; er wollte also, wir sollten uns gebunden in seine Hände geben; wir sollten uns aller Freiheit der Prüfung und des Entschlusses begeben, und zwar um eines Werkes willen, das uns und allen lln parteiischen nur in zweideutigem Lichte erscheinen konnte. Unter solchen Umständen konnte die Sache nicht mehr fraglich sein. Wir sind keine Buchhändler, die einen Gewinn oder Verlust aus dem Verlage eines Buches zu ziehen haben; wir sind unabhängige Männer, die einem Institute mit großer Selbstaufopferung ihre Kräfte widmen, welches dem Publicum und den jüdischen Autoren zu Nutz und Frommen gereicht. Diese einfache Erklärung der Sachlage wird genügen. In eine weitere Polemik uns einzulassen, werden wir wohl nicht nöthig haben. Uebrigens bemerken wir, daß uns einige sehr tüchtige Manuscripte vorliegen und wir den Abonnenten des Instituts für dieses Jahr eine reiche Gabe versprechen können. Odessa, 25. April. Die Juden in Rußland. < Schluß). In wenigen aber trefflichen Worten spricht der Verf. über die wichtige Aufgabe der Fortschrittsmänner und Gemeindevertreter der russischen Juden, die dazu berufen sind, unsere Brüder auf die Höhe der Bildung und Cultur zu führen. Er ermahnt sie mit eindringlichen Worten sich dieses hohen Berufes bewußt zu sein und setzt ihnen die Pflichten auseinander, die sie als Mitgliederder Budget-Commissionen, als Curatoren der Schulen und der Talmud-Thoras, als Spitalväter u. s. w. zu erfüllen haben. Den Lehrern und Erziehern der jüdischen Jugend ruft er zu, sie mögen ja nicht vergessen, welche heilige Pflicht und welche wichtige Mission sie zu erfüllen haben. — Als ein Mittel zum Fortschritt und zur Amalgamirung mit der russischen Bevölkerung empfiehlt der Verf. unfern Glaubensgenossen die Annahme des europäischen Costüms, worüber er ausführlich handelt, und weist geschichtlich nach, daß die polnische Tracht durchaus keine jüdische ist. Wie geringfügig die polnische Tracht in Beziehung des Fortschrittes und der Bildung — dem ersten Anscheine nach, — sein mag, nichts desto weniger, bemerkt der Verf. sehr richtig, ist die Annahme des europäischen Costüms ein wichtiger Factor in jeder Hinsicht, namentlich aber, daß endlich dadurch die Scheidewand zwischen Christ und Jude fallen soll. — Ganz besonders ist der Artikel über Handel und Gewerbe hervorzuheben, der wirklich ausgezeichnet abgefaßt ist und worin der Verf. deutlich die Nothwendigkeit und die Wichtigkeit derselben als Hebel zur Bildung nachweist. Bei dieser Gelegenheit weist er die Beschuldigungen der russischen und vieler ausländischer Schriftsteller zurück, als ob die Juden sich ausschließlich nur dem Handel widmen, und zeigt factisch, welchen Nutzen dieselben durch Förderung desselben dem Staate brachten. Unparteiisch erörtert er diesen hochwichtigen Gegenstand und gelangt zu dem Resultate, daß die Juden überall zur Hebung der Industrie einen Theil, und wahrlich nicht den geringsten beigetragen haben, und darf ihnen dieses Verdienst nicht vorenthalten und nicht geschmälert werden. — Wir müssen besonders hervorheben und als lobenöwerth anerkennen, daß der Verf. alle wichtige Fragen

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