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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-05-18 · Heft 20 (18.5.1869) · p. Seite 388

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 20 (18.5.1869)
Date
1869-05-18
Page
Seite 388 (sequence 4)
Language
German
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388 Die Leiter des Instituts haben sich bereits mehrmals dahin geäußert, daß sie allerdings im Allgemeinen für den Werth und die nützliche Tendenz der vom Institute herausgegebenen Schriften die Verantwortlichkeit tragen, im Einzelnen aber, für jede einzelne Phrase und Ansicht des Autors nicht einstehen. Eine so detaillirte Prüfung der Manuscripte wäre ihnen überhaupt nicht möglich und müßte oft zu einer so großen Correspondenz mit dem Autor führen, daß sie nicht durchzuführen wäre. Ferner würde dadurch eine Censur bewirkt, welche ebenso unzukömmlich wie unerträglich wäre, da hierdurch die freie Bewegung der Literatur bei dem besten Willen gehemmt würde. Endlich würde kein Autor von Bedeutung und Selbstbewußtscin sich einem solchen Vorgehen unterwerfen. Aber man sieht leicht ein, wie sehr gerade dadurch, daß die Verantwortlichkeit für die einzelnen Partien eines Werkes seitens der Leiter des Instituts abgelehnt werden muß, die Verantwortlichkeit derselben für die Tendenz und Behandlungsweise in dem ganzen Werke größer und entschiedener wird. Dies bitten wir beim Folgenden im Auge zu behalten. Bei der Herausgabe des dritten Bandes der Geschichte des vr. Grätz sahen wir uns genöthigt, den Verfasser zu ersuchen, das Capitel über den Ursprung des Christenthums wegzulassen und nur durch eine kurze Andeutung zu ersetzen. Die damals noch so streng gehabte Ueberwachung aller Literatur, die Menge der Preßprocesie, die geführt wurden, die prekäre Stellung des Instituts in seinem ersten Jahre und besonders die Rücksicht auf das in jener Zeit streng klericale Oesterreich nöthigten uns hierzu, und der Autor, dessen Jntereffe nicht weniger dabei berührt war, gab unserem Verlangen gern nach. Seitdem haben wir niemals dem vr. Grätz auch nur die geringste Bemerkung gemacht, und selbst kein Bedenken geäußert, als seine Bände auch an Umfang immer mehr anschwollen, und von anderen Seiten Urtheile geäußert wurden, welche dem Fortgange des Werkes nicht sehr günstig waren. Wir schweigen in diesem Augenblicke hierüber, weil wir sonst leicht als Partei erscheinen könnten. — Im Anfänge des vorigen Jahres schrieb uns vr. Grätz, daß er den eilften Band seines Werkes, der die Geschichte von Menvelssohn bis zum Jahre 1848 behandeln sollte, im Januar 1869 liefern würde, wenn wir denselben im vierzehnten Jnstitutsjahre (1. Mai 1868 bis 1. Mai 1869) geben wollten. Dies war nun unmöglich, da sonst die Schriften dieses Jahres kaum bis zum Ende desselben (April 1869) hätten geliefert werden können. Wir wollten daher diesen eilften Band im fünfzehnten Jahre <1. Mai 1869 bis 1. Mai 1870) erscheine» lasien. Es war uns nun schon auffällig, daß auf eine desfallsige Anfrage im Anfänge des Jahres 1869 vr. Grätz die Ablieferung des Manuscriptes erst für den Monat August zusagte. Es wäre hiermit jede Prüfung seitens der Leiter des Instituts so gut wie unmöglich gewesen. Denn bei dem Umfange des Manuscriptes und bei dem verhältnißmäßig wegen starker Correctur langsamen Druckes dieses Werkes mußten wir das Manuscript stets spätestens Mitte September der Druckerei übergeben, damit diese, wenn wir auch erst Mitte October die Höhe der Auflage bestimmen können, bis dahin ca. 10 Bogen in Satz und Correctur fertig machen konnte. Von Anfang 1869 an redigirt aber bekanntlich vr. Grätz die Frankel'sche Monatsschrift. In dieser erschienen nun Aufsätze, welche alle Bestrebungen der neueren Zeit im Judenthume in einer Weise besprechen, bekritteln, bespötteln, verhöhnen, daß eine allgemeine Entrüstung die Folge war. Nicht blos inhaltlich, sondern auch der Form nach gab sich darin eben so viel Feindseligkeit wie Frivolität kund, daß man in der That sich nach einem ganz anderen Lager, wie es z. B. in Mainz aufgeschlagen ist, versetzt glaubte, vr. Gr. selbst schlug zwar nicht denselben Ton wie die von ihm aufgenommenen Artikel an, zeigte sich aber nicht weniger gegen alle weiterstrebenden Elemente im neueren Judenthume in einem Feldzuge begriffen. Nun bekennen wir, und glauben es durch unsere langjährige Publicistik erwiesen zu haben, daß wir Niemandem seine Ansichten und den Ausdruck derselben, sobald er sich in sittlicher Weise vollzieht, verargen, wir sind vbjectiv genug, um jeder Anschauuung ihre Auslassung zu gönnen — allein ein Anderes ist es, wenn man genöthigt sein soll, selbst die Hand zu bieten und als Werkzeug zu dienen, um feindselige und nach unserer Ansicht schädliche Kundgebungen zu verbreiten und mit seiner Verantwortlichkeit dafür einzutreten. Es stiegen daher nach dem Erscheinen jener Monatshefte in den Leitern des Jnstitus die ernstesten Bedenken auf, in welchem Geiste vr. Grätz die Geschichte der neueren Zeit in seinem eilften Bande hehandeln werde. Wir sprechen offen, vr. Gr. hielt in seinen früheren Bänden niemals eine principielle Stellung est; auf der einen Seite tritt er öfter für die Orthodoxie ein, versetzt ihr aber auf der nächsten Seite die härtesten Schläge. Wenn er sich nun in der allerjüngsten

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