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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-05-18 · Heft 20 (18.5.1869) · p. Seite 387

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 20 (18.5.1869)
Date
1869-05-18
Page
Seite 387 (sequence 3)
Language
German
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387 Zahl dieser Juden anerkannt. Es ist allerdings ein außerordentliches Unternehmen, das aber, auch wenn es nur theilweife durchgeführt werden könnte, begonnen werden muß, sollen wir irgendwie unsere Pflicht gegen diese Unglücklichen erfüllen. Unter Auswanderung ist hier theils die Einwanderung in die großen inneren Gebiete des russischen Reiches, theils die Auswanderung in andere Länder zu verstehen. Es ist einsichtlich, daß hier nur das allseitige Zusammenwirken bedeutender Kräfte ein Resultat erzielen kann. Der verehrl. Gemeindetag scheint berufen zu sein, zu diesem großen Werke dem ersten thatsächlichen Anstoß zu geben, und stelle ich daher den Antrag: 1. Der Gemeindetag stellt sich an die Spitze der Agitation für die allmälige und organisirte Auswanderung der nothleidenden Juden aus den westlichen Provinzen Rußlands, sei es in das Innere des russischen Reiches, sei es in andere Länder. 2. Er ernennt aus seiner Mitte eine Commission, welche die hervorragendsten Männer aller Weltgegenden bewegt, zu einer Hauptcommission zusammen zu treten. Diese Hauptcommission hätte a. an ihren und anderen Oertlichkeiten Subcomitos zur Beschaffung der Mittel zu erwirken und zwar durch regelmäßig geordnete Cassen aus einmaligen Spenden und aus monatlichen Beiträgen; b. durch Mitwirkung erfahrener Männer und Comitos in Rußland selbst einen angememessenen Plan für diese Auswanderung zu entwerfen; c. die Kaiser!, russische Regierung anzugehen, diese Auswanderung resp. Einwanderung in das Innere ihres Reiches zu gestatten und ihr möglichst Vorschub zu leisten. 3. Die Mitglieder des Gemeindetages selbst sprechen für sich die Verpflichtung aus, dieses Unternehmen persönlich in ihren Gemeinden mit allen Kräften zu fördern. Vom Institute zur Förderung israelitischer Literatur. Eine Erklärung. Wir haben in einen früheren Artikel bemerkt, daß unter den Schriften des fünfzehnten Jahres der eilfte Band der Geschichte der Juden von Gr ätz sich befinden werde. Da dies nun nicht geschehen wird, so fühlen wir die Verpflichtung, dies, so wie die Ursache auszusprechen, und thun dies so objectiv wie möglich, und wie cs in einer delicaten Angelegenheit zur Pflicht wird, müssen jedoch, um den Lesern ein Urtheil möglich zu machen, etwas weiter aushvlen. Vom Beginne des Instituts an (im Mai 1855) waren die Gründer und Leiter des Instituts (Philippson, Jellinek und Jost) der Ansicht, daß ein großer Theil der zu liefernden Werke in geschichtlichen Arbeiten bestehen werde und müsse. Denn was man jetzt „Wissenschaft des Judenthuins" zu nennen Pflegt, ist bis jetzt wesentlich nichts Anderes als wissenschaftliche Bearbeitung der Geschichte des Judenthuins. Die Behandlung der Theorie, des Gedankeninhalts des Judenthuins, hat zeither nur geringen Raum gewonnen, und außer einigen systematischen Bearbeitungen der jüdischen Rechts- und Sittenlehre haben wir nur unsere „Ausführliche Darstellung der Israelitischen Religionslehre" auf diesem Gebiete zu nennen. Ueber die Ursachen dieser Erscheinung ein ander Mal. Wir nahmen daher schon für das erste Jahr des Instituts gern den Antrag des vr. Grätz, den dritten Band seiner „Geschichte der Juden" zu übernehmen, an, und vr. Jellinek war es, der die Bedenken des vr. Jost über die Arbeit des vr. Grätz überwand, vr. Gr. hatte nämlich einige Zeit früher den vierten Band seiner Geschichte bei Veit & Co. in Berlin zuerst erscheinen lasien. Der Band war von vielen Seiten mit Beifall ausgenommen, war aber dennoch verhältnißmäßig wenig verkauft worden, so daß der Verleger die Fortsetzung des Werkes nicht übernehmen wollte, da ihm eine zu große Zahl der Exemplare auf dem Lager geblieben. Im zweiten, dritten und vierten Jahre gab bas Institut das an wissenschaftlichem Gehalte und wissenschaftlicher Form bis jetzt noch unerreichte Werk Jost's „die Geschichte des Judeuthums und seiner Secten" in drei Bänden, und im fünften Jahre den fünften Band von Grätz, im sechsten den sechsten u. s. f. Es war natürlich, daß, da wir 3000 Abonnenten und mehr das Werk des vr. Grätz in Händen gaben und zwar den 3., 5., 6. und die folgenden Bände, viele, selbst solche, welche das Werk wenig lasen, doch dasselbe vollständig haben wollten, so daß der durch die Buchhandlung heraus gegebene vierte Band gekauft und deffen Vorrath erschöpft ward. So wurde das Werk des vr. Grätz, welches sonst schwerlich hätte fortgesetzt werden können, durch das Institut herausgegeben und verbreitet. 20*

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