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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-05-18 · Heft 20 (18.5.1869) · p. Seite 386

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 20 (18.5.1869)
Date
1869-05-18
Page
Seite 386 (sequence 2)
Language
German
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386 im Mosaismus verkündet, in der Lehre der Propheten entwickelt worden und sich durch die ganze Geschichte des Judenthums in Continuität hindurchziehen; nämlich in Uebereinstimmung mit dem Princip der Einheit aller Menschen, der Gleichheit aller vor dem Gesetze, der Gleichheit Aller in Pflichten und Rechten dem Vaterlande und dem Staate gegenüber, so wie der völligen Freiheit des Individuums in seiner religiösen Ueberzeugung und dem Bekenntniß derselben; die Synode erkennt in der Entwickelung und Verwirklichung dieser Principien die sicherndsten Bürgschaften für das Judenthum und, seine Bekenner in der Gegenwart und Zukunft, die lebenskräftigsten Bedingungen für den uneingeschränkten Bestand und die höchste Entfaltung des Judenthums, die Synode erkennt deshalb in dem Frieden aller Religionen und Confessionen untereinander, in der gegenseitigen Achtung und in der Gleichberechtigung derselben, so wie in dem nur mit geistigen Waffen und in streng sittlicher Weise geführten Kampf um die Wahrheit Eines der großen Ziele der Menschheit; die Synode erkennt daher als eine der wesentlichen Aufgaben des Judenthums in seiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, diese Principien zu bekennen, zu fördern, zu vertreten, dafür zu leiden und dafür zu wirken und zu schaffen.- Der Antragsteller wünscht, daß die Synodalversammlung ihre Thätigkeit mit einer derartigen positiven Erklärung beginne, welche die Grundsätze und Anschauungen ausspreche, auf denen sie selbst und ihr eigenstes Wesen beruht, und aus denen sie selbst hervorgegangen. Die nähere Motivirung behält sich der Antragsteller vor. Anträge der Unterrichts-Commissien (vv. Herrheimer, Hochstädter, Philippson jun. (Dessau». Die Synode stellt sich zur Aufgabe: I. 1) in jedem größeren Staate eine jüdisch-theologische Facultät an einer Universität, oder jüdisch-theologische Lehrstühle an mehreren Universitäten ins Leben zu rnfen; 2) Seminarien für Lehrer und Cantoren in den verschiedenen Staaten und Provinzen zu erwirken. Zu diesem Behufe müßten gemeinsame Cassen durch bestimmte Beiträge ans allen Gemeindebudgets gebildet werden, aus denen ferner 3) kleinere Gemeinden zur Erhaltung qualificirter Lehrer einen Zuschuß erhalten und 4) invalide Lehrer, sowie Lehrer-Wittwen und Waisen eine Unterstützung empfangen können. II. Jede Gemeinde habe 1) in ihr Statut die Bestimmung aufznnehmen, daß jedes schulpflichtige Kind die von qualificirten Lehrern geleitete Religionsschule regelmäßig besuche oder die Eltern den Nachweis zu führen haben, daß ihr Kind den Religionsunterricht von einem qualificirten Lehrer erhalte; 2) zu bewirken, daß die öffentliche Lehranstalten besuchenden jüdischen Kinder während derselben Stunden, in welchen der christliche Religionsunterricht stattsindet, regelmäßig den jüdischen Religionsunterricht erhalten, und dies besonders auch an den Realschulen, Gymnasien und höheren Töchterschulen der Fall sei. III. Behufs der Einheit im Religionsunterrichte solle ein einheitliches Religionsbuch, welches die Geschichte (biblische und nachbiblische) so wie die Glaubens¬ und Sittenlehre des Judenthums umfaßt, geschaffen und in alle Schulen eingeführt werden. IV. Wenn die Synode diese Grundsätze genehmigt hat, möge sie eine oder mehrere Commissionen ernennen, welche sich mit der Ausführung derselben zu beschäftigen, resp. der Synvdalversammlung ausführliche Pläne vorzulegen haben. Die Mitglieder der Commission behalten sich vor diese Anträge zu motiviren. Antrag bei dem mit der Synode verbundenen Gemeindetag, gestellt vo» Dr. Ludwig Philippson «Bonn). Die in den westlichen Provinzen Rußlands zusammengehäuften jüdischen Glaubensgenossen sind vom Untergänge in Armuth, Elend und Krankheit bedroht, von allen Orten strömen Gaben herbei, welche die augenblickliche Roth in Etwas zu lindern vermögen, aber nicht im Stande sind, dem wachsenden Unheil einigermaßen und auf die Dauer zu steuern. Als das einzige Rettungsmittel wird allseitig, in Rußland selbst wie im Auslande, die Auswanderung einer größeren

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