Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 19 (11.5.1869)
- Date
- 1869-05-11
- Page
- Seite 374 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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374 schästigen, damit sie eine exacte Lösung erfährt, eine Lösung, welche den Grundsätze der modernen Civilisation entspricht." —. Aus einer Veröffentlichung von Seiten der Israeliten in Bukarest erfahren wir, daß der Prinz Carl eS war, der aus seiner Privatschatulle zur Zeit 6500 Dukaten als Entschädigung für den vom Bratiano'schen Pöbel zerstörten neuen Tempel in Bukarest auszahlen ließ, wodurch es den dortigen Juden möglich ward, den Tempel wiederherzustellen und zu vollenden. Eine solche Thatsache erweist, daß der Prinz sicherlich einer besseren Wendung der Dinge für die rumänischen Israeliten nur den kräftigsten Vorschub leisten wird, wenn seine Regierung darauf eingeht. —. Schon in diesem Augenblicke werden die Aussichten für die Israeliten unter dem gegenwärtigen Ministerium trübe. Unsere Leser erinnern sich, daß der jetzige Minister des Innern Cogalnitscheano ein Rundschreiben erlassen, welches auf dem Lande keine Juden dulden will. Wahrscheinlich sind in der jüngsten Zeit die Folgen desselben, das man schon vergessen glaubte, fühlbar geworden. Denn die „Wiener Abendpost" vom 27. April veröffentlicht ein Telegramm vom 26. April, wonach die Vertreter Oesterreichs und Englands beim Minister-Präsidenten Rumäniens wegen des kürzlich erlassenen Circulars Cogalnitscheano's, betreffend die Confiscation der Dorf-Israeliten, dringende Vorstellungen gemacht hätten. Frankreich würde sich diesen Schritten anschließen. Wenn diese dauernde Verfolgung in Rumänien die Frage aufdrängt, woher stammt sie? so erinnern wir an die Rede, welche der Baron Eder, früher österreichischer Generalkonsul in Bukarest, jetzt Gesandter in Athen, am 3. März bei dem Bankette hielt, welches ihm in Pest von der dortigen Gemeinde gegeben wurde. „Die Lage Ihrer Glaubensgenossen in den Fürstenthümern — sagte Baron Eder beiläufig — ist eine sehr traurige, und es wird, ich kann Ihnen dies auf Grund der Erfahrungen, welche ich während meiner zwölfjährigen dortigen Anwesenheit machte, versichern, des ganzen moralischen Einflusses Ihrer Glaubensbrüder außerhalb Rumäniens bedürfen, um diese Lage zu verbessern. Wenn Sie aber diesen ganzen Einfluß aufbieten und es als eine Ihrer Hauptaufgaben betrachten, daß die Emanzipation der Juden in den Fürstenthümern zur That werden müsse, dann wird, dann kann sie nicht ausbleiben!" Dem Fürsten Karl fehle es freilich nicht am guten Willen und an liberalen Eingebungen; er habe dies einmal dadurch bekundet , daß er der jüdischen Synagoge in Bukarest eine sehr namhafte Spende zugewendet; doch scheitern seine Vorsätze an dem Widerstand seiner Regierung, noch mehr aber an dem Widerstand der nicht-jüdischen Bevölkerung Rumäniens. Woher dieser Widerwille stamme, sei nicht schwer zu erklären: der Rumäne sei faul, arbeitsscheu, rauche gerne aus dem Divan hingestreckt seinen Tschibuk, Mächte aber dabei ebenso gerne seine Revenuen stetig wachsen sehen. Während Jener nun im behaglichen Nichtsthun seinen Tschibuk schmaucht, ist der Jude, wenn es ein Geschäft gilt, rührig und thätig, und weiß er hundert Wege einzuschlagen, bis er das Geschäft endlich erreicht hat. Dann aber heißt es gewöhnlich: „Diese Juden haben uns schon wieder ein Geschäft aus der Hand gespielt". Man hasse die Juden in Rumänien, weil sie Geld nur gegen hohe Zinsen verleihen; diese letzteren aber seien dadurch gerechtfertigt, daß die Chancen der Rückzahlung des Kapitals nur sehr geringe seien. Von öffentlichen Arbeiten und Unternehmungen für die Regierung seien die Juden ausgeschlossen, was aber dem Staate selbst zum Nachtheil gereiche. Redner illustrirt dies durch das folgende ergötzliche Beispiel: Als vor Kurzem der Jahrestag der Ankunft des Fürsten Karl gefeiert werden sollte, war eine Illumination der Stadt in Aussicht genommen und wurde dieselbe von zwei Franzosen zu sehr guten Bedingungen erstanden; die Franzosen aber gaben das Geschäft an mehrere Juden weiter, welche die Illumination in der bedungenen Weise um einen weit billigeren Preis herstellten, und die Franzosen steckten auf diese Art ohne die geringste Mühe und Arbeit ihr fettes Prosttchen ein. Die Emanzipation der Juden in Rumänien — fuhr Baron Eder fort — könne nur von außen her bewirkt werden, denn die Juden in Rumänien selbst seien viel zu indifferent, um in dieser Hinsicht energisch aufzutreten. „Ein Jude — erzählt Redner — hatte ein Weinschank-Geschäft, welches er durch einen Christen versehen lassen mußte, da die Juden derarttge Geschäfte dort nicht haben dürfen. Eines Tages kam der Jude zu mir, und klagte mir, daß er von Jenem auf alle mögliche Weise bestohlen und betrogen werde. Ich erwirkte ihm einige Zeilen von Bratiano, das half aber nichts, weil der Präfett dem Juden doch nicht