Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 19 (11.5.1869)
- Date
- 1869-05-11
- Page
- Seite 371 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226690-3226710--27166-3262734- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
371 punkte, mit dem sich überhaupt nicht rechten ließe! Ob Herr Zabel auch die „klassischen Ansichten" Herodots über hundsköpfige Menschen und Pygmäen oder das Ptolemäische Weltsystem annimmt, wissen wir nicht; jedenfalls scheuen wir uns, die uns „von den Römern tradirten Urtheile" über Christus und die Christen hier wiederzugeben, um nicht mit der Staatsanwaltschaft in Conflict zu gerathen. Und wenn Hr. Zabel das Urtheil des Tacitus über seine Religion und seine Glaubensgenossen nun nicht als eben so zuverlässig anerkennen will — dann befindet er sich eben auf einem Standpunkte, mit dem sich überhaupt nicht rechten läßt. Es ist zu beklagen, daß ein bekannter jüdischer Abgeordneter, der zu der Nationalzeitung in allerengster Verbindung steht, bei solchen Dingen den Hrn. Zabel nicht etwas beim -Ohre faßt: indeß die Lauigkeit dieses Herrn in allen Dingen, die das Judenthum betreffen, ist leider allzu bekannt, als daß man sich noch über dieselbe wundern sollte. Jeder aufrichtige Jude aber sollte eine Zeitung aufgeben, in der sein ganzer Stamm in so hämischer und gistiger Weise verunglimpft wird; die geringste Dosis von Ehrgefühl müßte ihn veranlassen, ein solches Blatt nicht weiter zu unterstützen. Bonn, 28. April. (Privatmitth.) Zu unserer großen Befriedigung erhalten wir von vielen Seiten Berichte über die Thätigkeit und Erfolge der Comites, die sich für die nothleidenden Juden in Rußland an vielen Orten gebildet haben. Es ist uns aber nicht möglich, alle diese Berichte in ihrer Ausdehnung abdrucken zu lassen, aber auch nicht nothwendig, da die Strömung nach dieser Richtung hin in starkem Zuge ist, und außerdem die einzelnen Gaben veröffentlicht werden. So hat das Comits zu Münster am 22. d. 190 Thlr. an den Vorstand in Königsberg gesandt. In Aachen waren am 20. d. 1135 Thlr. 14 Sgr. gesammelt, worunter viele Gaben von christlichen Mitbürgern. In Coblenz veranstaltete der Vorstand eine Sammlung in der israelitischen Gemeinde, welche i 68 Thlr. ertrug, die an das Comitv in Königsberg gingen. Die Summen, die in Cöln von dem dortigen Counts und von der Expedition der Köln. Zeit, gesammelt worden, haben bereits eine sehr ansehnliche Höhe erreicht. — Ans Erfurt schreibt man uns: Zu meiner größten Freude kann ich Ihnen die Mittheilung machen, daß sich auch hier ein Comits zur Unterstützung der nothleidenden Israeliten Rußlands gebildet hat. An der Spitze desselben steht der ebenso edle als humane Oberregierungsrath und Vice - Präsident v. Tettau und gehören dem Comits außerdem der Gymnasial-Director, 3 Stadträthe, ein Kaufmann, sowie der Banquier Moos i Israelit! und der Prediger der Gemeinde Dr. Jaraczinsky als Mitglieder an. Anbei erhalten Sie den Ausruf, der seiner wahrhaft edlen Tendenz willen in Ihrem Blatte mitgetheilt zu werden verdient. Derselbe hat auch bereits den besten Erfolg gehabt und die Gaben fließen reichlich. Unterstützt wurde das edle Werk durch die Redactionen der hier erscheinenden Tagesblätter, welche nicht nur den Aufruf unentgeltlich jeder in sein Blatt ausgenommen und sich zur Entgegennahme von milden Gaben bereit erklärt haben, welche auch dem Comits mehrere hundert Abzüge des Aufrufs zur Verfügung gestellt und es ihm ermöglicht haben, den Hülferuf auch in die Umgegend dringen zu lassen. — Rührend ist die Betheiligung des Mittel- und Handwerkerstandes bei der Unterstützung der Nothleidenden. Der Eine übersandte dem Prediger 15 Sgr. mit folgendem Vormerk: „Für die nothleidenden Israeliten Rußlands. Einer, der lieber nicht in den Circus Renz geht. Möchte er viele Nachahmer finden!" — Edler Mensch, möchtest Du viele Nachahmer finden! Frankfurt a. M., im April. lPrivatmitth. In diesen Tagen erschien der 35. Bericht des hiesigen Vereins „zur Beförderung der Handwerke unter den israelitischen Glaubensgenossen," und zwar vom l. Sept. 1866 bis 1. Sept. 1868. In den beiden verflossenen Jahren sind 26 Lehrlinge in den Verein ausgenommen worden, deren Gesammtzahl aus 1021 stieg, während derselbe im Ganzen 75 Gesellen und Meister unterstützte. Für die bei weitem größte Zahl der Lehrlinge wurde Lehrgeld vergütet, für einige Beiträge zur Verköstigung gewährt, vielen die uöthigen Handwerkszeuge verabreicht, die Kosten des Zeichenunterrichts bestritten; für alle aber die erforderlichen Kleidungsstücke ausnahmslos angeschafft. Außerdemwurden noch in den verflossenen zwei Jahren eine namhafte Anzahl von Gesellen zur Wanderschaft vollständig equipirt und mit Reisegeld versehen. Von^den Zöglingen unseres Vereins gehören 63