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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-05-11 · Heft 19 (11.5.1869) · p. Seite 370

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 19 (11.5.1869)
Date
1869-05-11
Page
Seite 370 (sequence 6)
Language
German
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376 und der menschlichen Gesellschaft viele nützliche Glieder zuführen wird. — Die Notwendigkeit eines selbstständigen jüdischen Organs in russischer Sprache ist von großer Wichtigkeit und Tragweite. Die Aufgabe eines solchen Organs wäre die Interessen der mehr als Ihr Million jüdischen Einwohner in Rußland zu vertreten. Unter den vielen nützlichen Punkten, die eine solche Zeitung den Juden bringen wird, führt Herr T. mit Recht an, daß die russische Sprache namentlich Vieles zu unserm bürgerlichen Fortschritte beitragen wird. — Der Wohlthätigkeit, dieser schönsten und hervorragendsten Tugend des Judenthums, ist ein besonderes Capitel gewidmet, und finden wir die Rathschläge zu einer völligen Reorganisation des Armenwesens als sehr praktisch und der leidenden -Menschheit sehr nützlich. Wie viele Tausende von Rubeln werden jährlich an Arme vertheilt und nicht immer trifft die Gabe den Würdigen, während bei einer geregelten Verwaltung eines Armen-Comites dasselbe Geld segensreich gewirkt hätte! — Dem großen Proletariat der jüdischen Bevölkerung in den westlichen Provinzen widmet der Verf. eine genaue Untersuchung, führt den Ursprung dieses Unheils an, worunter die zu frühen Heirathen rc. und giebt die Mittel an, auf welche Weise diesem Uebel abzuhelfen ist. — Wir gelangen nun zu der wichtigen — wenn nicht der wichtigsten — Abhandlung über die Erziehung der Frauen. Die Erziehung des weiblichen Geschlechtes ist in jenen Gegenden gänzlich verwahrlost, und was können wir von einer spätern Generation erwarten, wenn die zukünftige jüdische Mutter selbst auf der niedrigsten Stufe der Cultur steht! In der geschichtlichen Betrachtung der Erziehung der Frauen bei den Juden wirft der Verf. einen Blick auf einst und jetzt, hebt namentlich hervor, wie wichtig dieser Gegenstand in jeder Beziehung ist, und legt es unfern gebildeten Brüdern ans Herz, dieses stets vor Augen zu haben und darauf bedacht zu sein, überall eine systematische Erziehung der Mävchen einzuführen. Bei dieser Gelegenheit fordert er das schöne Geschlecht auf, dem bekanntlich die schöne Eigenschaft der Mild- und Wohlthätigkeit eigen ist, Frauenvereine zu gründen, um der Masse zu helfen, und schildert ihnen als nachahmenswerthes Beispiel die ausländischen jüdischen Frauen, die auf diesem Gebiete Vorzügliches und Ausgezeichnetes geleistet haben. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 25. April. Der „K. Z " schreibt man von hier: „Es ist einiger Maßen aufgefallen, daß Sei' tens des Bundesrathes mit dem Gesetze über die bürgerliche Gleichberechtigung aller Confessionen, welches bereits in Angriff genommen war, so zögernd vorgegangen wird. Man will diese Erscheinung in Reichstagskreisen auf Widerspruch gegen die ausgesprochene Tendenz des Gesetzes zurückführen und beabsichtigt durch eine in Kurzem einzubringende Interpellation darüber Aufschluß zu erbitten." Berlin, 30. April. (Privatmitth.) Das geistliche Concert in der Neuen Synagoge zu Gunsten der nothleidenden russischen Juden ist überaus befriedigend in jeder Beziehung ausgefallen. Die prächtige Synagoge in ihrer glänzenden Beleuchtung, mit wohlgekleideten Leuten gänzlich gefüllt, bot einen herrlichen Anblick. Soli und Chöre wurden gleich meisterhaft ausgeführt. Der Reinertrag des Concertes beträgt, nach Abzug aller Kosten, über 3000 Thaler. Auch Ihre Maj. der König und die Königin beehrten mit der Großherzogin von Baden das Concert mit ihrer Gegenwart und waren dazu besonders von Potsdam herübergekommen. Man war hierdurch um so angenehmer überrascht, als der Monarch sich bisher von allen jüdischen Feierlichkeiten stets ferngehalten hat. Man hatte sich übrigens schließlich doch zum Aufbehalten der Hüte entschlossen, und so bedeckte sich auch der König wieder, nachdem er einige Augenblicke hindurch den Helm zum Gruße abgenommen hatte. — Um so widerlicher berührt es nun, wenn wir sehen, wie in der „liberalen" Nationalzeitung der gemeinste Judenhaß sich breit macht In einem Artikel, welcher die neueste Broschürenliteratur über Judenthum und Juden bespricht, und der, wenn wir nicht irren, von dem Chefredakteur Zabel selbst herrührt, wird den Juden zu Gemüthe geführt, sie seien viel zu empfindlich, denn im Grunde seien die Angriffe auf ihren Charakter und ihre Fähigkeiten ganz gerechffertigt. Diese Angriffe seien ja keine Erfindungen der Neuzeit, sondern uns von den Griechen und Römern überkommen, und wer die „classischen Ansichten" nicht adoptire, befinde sich auf einem Stand-

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