Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 19 (11.5.1869)
- Date
- 1869-05-11
- Page
- Seite 368 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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368 Angriffe, zur Belohnung hervorragender Leistungen für Juden und Judenthum. Erklärungen über die beabsichtigte Theilnahme nimmt der Unterzeichnete Vorstand bereitwilligst entgegen. Leipzig, den 22. April 1869. Der Vorstand der israelitischen Ncligionegemeinde zu Leipzig. Moritz Kohnrr. Jacob Rachvd. Julius M. Frankel. Ferdinand Schönheimer. Alexander Werthauer. l>r. E. Saniostz, Secretär. Eine Gemerkung. Wir erhielten jüngst von einem, für alles Edle begeisterten Manne, einem Buchhändler, eine Zuschrift, aus welcher wir Folgendes hervorheben: Nach Ankunft meines Leipz. Ballen stöbere ich Novitäten an Büchern und Zeitschriften allwöchentlich (am Sonntag-Morgen) flüchtig durch nach unfern Freunden und Feinden in brennenden jüd. Fragen und da finde ich in Langbeins Pädagogischem Archiv für Gymnasien und Realschulen 18!,9 Heft 3 bei Besprechung der Schrift Scheibert, Die Confessionalität der höhern Schulen, die mit dem heiligsten Eifer ganz ä la Mühler für die Confessionalität und insbesondere gegen das unberufene Eindringen von Lehrern aus „Christen (Katholiken), Juden und Heiden" ficht, vom Redacteur (Recensent) aus 6 Seiten mit besonderer Anerkennung ausgesprochen, daß nur und allein hierin wahres Heil gefunden werden kann. So treffend Sie vor 14 Tagen diese Frage i. d. A. Ztg. d. I. wiederum besprachen, so genügt doch dieses Forum nicht. Diese schiefen Ansichten in den Köpfen von hunderten von Lehrern höherer Schulen, von Schul- und Regierungsräthen, müssen durch, der Sache gewachsene jüd. Journalisten in den größern politischen Zeitungen wie in den Fach-Journalen eingehend und rein objectiv besprochen werden. Immer von Neuem und in veränderter Gestalt, so zähe, wie seiner Zeit die politische Gleichstellung, bis die jetzt durch das Stocklutherthum verbauerten Philologen entweder von innen heraus oder von außen durch die Majorität des Reichstages breitgeschlagen sind." Der Herr Correspondent fordert hiernach uns auf, solche Vertheidiger der liberalen Tendenzen zu nachdrücklicher Wirksamkeit aufzurufen. Allerdings ist es wahr, daß die Allg. Zeitg. des Judenth. zwar auch von Christen gelesen wird, aber doch nur in einem beschränkten Maße. Sehr oft vernehmen wir daher den Zuruf, daß es schade sei, dieser oder jener Aufsatz, diese oder jene Mittheilung in d. Z. dringe nicht in einen weiteren Kreis, erscheine nicht in den allgemein gelesenen politischen Blättern. Freilich hat diese Zeitung andrerseits den Vortheil, in alle Weltgegenden zu dringen, während selbst die gelesensten Tagesblätter eine beschränktere Localität occupiren. Jene Beschränkung aber liegt in der Natur der Sache. Unsere näheren Ziele liegen daher stets nur darin, über die betreffenden Fragen bei unseren Glaubensgenossen selbst genauere und klarere Ansichten zu verbreiten, Urtheile vom jüdischen und doch möglichst vbjectiven Standpunkte aufzustellen, und so anderen Mitgliedern unseres Bekenntnisses Anregung und Stoff zur Besprechung an anderen Orten auch unsrerseits heranzubringen. Ohne anmaßend zu sein, können wir sagen, daß bei so langem fortgesetzten Streben dies uns auch in vielen wichtigen Punkten gelungen ist, und wir nicht selten die Befriedigung haben, unsere Ansichten oft an ganz anderen Orten, nicht selten mit fast gleichen Worten ausgesprochen zu finden. Andrerseits darf nicht übersehen werden, daß jeder Einzelne und jede einzelne Erscheinung nur ein Glied in der großen Kette der menschengeschlechtlichen Kämpfe bildet, und als solches seine Stelle ausfüllt. Wird eine Frage zu einer sg. brennenden, d. h. zu einer allgemeinen und nach ihrer Lösung drängenden, so braucht die Anregung nicht mehr von Einzelnen auszugehen, und die berufenen Kämpfer stellen sich wie von selbst ein. Diese Bemerkung mochten wir dies Mal für viele ähnliche Fälle hier geben. Wir senden unsere und unserer Mitarbeiter Artikel und Arbeiten in die Welt, damit sie auch in anderen Geistern zünden und sie zum Mitkämpfen anfeuern. Dies wird denn auch niemals ausbleiben, wo eine gute und gerechte Sache zu vertheidigen, wo ein schönes und edles Ziel zu erreichen ist! Bei uns persönlich drängen sich die Angelegenheiten aber so sehr, daß wir selten im Stande sind, die Weiterverbreitung und das Auffordern Anderer in die Hand zu nehmen.