Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1869)
- Date
- 1869-05-04
- Page
- Seite 354 (sequence 10)
- Language
- German
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354 LS wird daher den israelitischen Gemeindevorständen aufzugeben, von der Erhebung der Einzugs- Hochzeits- und Zugabe-Gelder oder ähnlicher Abgaben, wo solche bisher zulässig waren, Abstand zu nehmen. — Sind in einzelnen Gemeinden Schulden vorhanden und wurde das Einzugsrc. Geld bisher zu deren Tilgung verwendet, so ist auf die nunmehr erfolgte Beseitigung der ferneren Erhebung dieser Abgaben Rücksicht zu nehmen und sind die Bedürfnißetats der einzelnen Gemeinden danach einzurichten und aufzustellen. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, im April. Das von vr. Jellinek be gründete und geleitete Lei ha-Midrasch gedeiht sowohl nach seinen Leistungen als seinen finanziellen Verhältnissen von Jahr zu Jahr. Der Rechnungsausweis für das abgelaufene Jahr erweist, daß der Effectenbestand von 13,550 fl. auf 17,450, der Cassenbestand in baarem Gelde von 3,847 fl. auf 4,772 gestiegen, und die Einnahme für laufende Ausgaben 2813 fl. betrug. Außer den Spenden und Legaten hat die Zahl der beitragenden Mitglieder zugenommen. Regelmäßige Vorträge, welche über die Bücher der heiligen Schrift, den Talmud, den Midrasch, religions-philosophische Werke und über einzelne Parteien der rituellen Codices, theils in populärer Form vor einem weitern und theils, nach einer streng wissenschaftlichen Methode, vor einem engern Kreise von Gemeinde-Mitgliedern und Rabbinats-Canvitaten gehalten wurden, eine große Bibliothek, welche mehrere Stunden des Tages der allgemeinen Benutzung offen stand, haben den Zwecken des Vereines nach den vorhandenen Mitteln uitd Kräften Genüge geleistet. Auch die Theiluahme der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde an unserem Lot ha-Midrasch ist tut vergangenen Jahre rege gewesen und hat dasselbe mit großer Liberalität materiell gefördert. Wien, 19. April. Die „Wiener Abcndpost" enthält die folgende Darlegung: Seit den Excessen, deren Schauplatz Jaroslau in der Osterwoche war, erhalten Wiener Blätter fort und fort über Verfolgungen und Mißhandlungen der Juden in Galizien Mittheilungen, welche nicht nur die einzelnen Vorfälle übertrieben darstellen, sondern sie auf eine weiterverbreitete systematische Agitation zurückführen. Aus Schlägereien zwischen betrunkenen Bauern und jüdischen Dorfschenkern, die in Galizien öfter Vorkommen und denen am wenigsten eine religiöse oder politische Bedeutung beizumessen ist, soll nun eine „galizische Judenftage" und für die „Verfolgungen" der Katholicismus und die katholische Geistlichkeit Galiziens verantwortlich gemacht werden, welche die zum religiösen Fanatismus neigende Bevölkerung seit Monaten in dieser Richtung systematisch bearbeitet und aufgestachelt habe, und in zweiter Reihe die Regierung, welche nichts thue, um diesen seit Wochen andauernden, „an die finstersten Zeiten des Mittelalters mahnenden" Wirren zu steuern. Nun haben die genauesten Erhebungen ergeben, daß Excesse gegen Israeliten in Jaroslau, Radymne und Wieslin vorgekommen sind, nirgends sonst im Kronlande. In den beiden letzgenannten Ortschaften wurden nämlich mehreren Israeliten bei Nacht die Fenster eingeworfen. Die Thäter, Bauernbursche, sind eruirt und an das Gericht abgeliefert worden. Mit dem blutigen Raufexceß in Rzeszow, über welchen fast alle Wiener Blätter berichteten, hat es allerdings seine Richtigkeit, nur war es eine Rauferei von vier Juden unter einander. Christen betheiligten sich an dem Exceß gar nicht, man müßte es denn eine Betheiligung nennen, daß das Gemeinde-Amt die Ep cedenten arretirte und als ausweis- und beschäftigungslos in deren Heimath abschob. Das Eingreifen der katholischen Geistlichkeit aber dürfte sich wohl darauf beschränken, daß der Bicar Wojnar in Jaroslau die am Nachmittage des Ostermontags auf dem Ringplatze versammelten Leute ausforderte, sich zu zerstrenen und die Vesper-Andacht zu besuchen, in welcher Mahnung gewiß eher alles Andere als eine Aufhetzung gegen die Juden gelegen ist. Zur Aufrechthaltung der Ruhe und Ordnung sind übrigens die umfassendsten Maßregeln getroffen und mit dem Erfolge, daß seit dem Ostermontage, einen Bubenexceß am 4. d. M. abgerechnet, auch in Jaroslau keinerlei Ruhestörungen weiter vorgekommen sind. Pest-Ofen, 16. April. (Privatmitth.) Nachdem der Congreß das Zeitliche gesegnet, sichert keine Spur sein Andenken. Die Mitglieder desselben sind nach allen Richtungen der Windrose zerstoben und kein