Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1869)
- Date
- 1869-05-04
- Page
- Seite 353 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226690-3226709--27147-3262714- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
853 der evangelischen, 24 der katholischen und 2S7 der jüdischen Religion an. Das Königliche Gymnasium zu Gnescn wurde in dem verflossenen Winter besucht von 191 katholischen, 99 evangelischen und 55 jüdischen Schülern. Die städtischen Bürgerschulen in Grätz werden von 23V evangelischen, 43V katholischen und 128 jüdischen Kindern besucht. Daselbst besteht seit längerer Zeit neben einer evangelischen auch eine katholische Rector «lasse. Während sonst bei der Aufnahme in die Recterclasse den jüdischen Kindern möglichst viele Schwierigkeiten bereitet wurden, wetteifern jetzt die beiden Rectoren in der Aufnahme jüdischer Kinder und haben dieselben am Schlüsse des Wintersemesters die besten Zensuren erhalten. In dem Wilhelmsghmnasium zu Krotoschin befinden sich 198 Schüler. Zur evangelischen Religion bekennen sich 98, zur katholischen 35 und zur jüdischen 64 Schüler. Die Zahl der die Realschule zu Ravicz besuchenden Zöglinge betrug 308. Darunter waren evangelische 234, katholische 20, jüdische 54. — Die jüdische Stadtschule in Ravicz ist vielleicht die einzige in der Monarchie, die confessionslos ist. An ihr wirken jüdische und christliche Lehrer und werden in derselben alle Disciplinen einer guten Volksschule mit Ausschluß des Religions- und biblischen Geschichts-Unterrichts ertheilt. Der jüdische Lehrer unterrichtet die ganze Woche mit Ausnahiue des Sabbaths, der christliche ebenfalls die Woche hindurch excl. des Sonntags. Das Einvernehmen zwischen den Lehrern und den Eltern der Zöglinge ist aus religiösem Anlaß noch nie getrübt worden. Neben der öffentlichen vom Staate anerkannten und unter dessen Leitung stehenden jüdischen Schule besteht noch eine Religionsschüle, an der täglich in zwei Stunden nach beendigtem Elementarunterricht die Bibel und rabbinische Commentare, hebräische Grammatik, Ritualgesetze, jüdische Geschichte u. s. w. gründlich tractirt werden. Am qu. Unterricht nehmen auch sämmtliche Realschüler Theil. An beiden Instituten haben um die Mitte d. M. Examina stattgefunden, die den Beweis lieferten, daß der Elementarwie Religionsunterricht, mit gleicher Sorgfalt gepflegt, überraschende Resultate zu liefern vermögen. Der Corporationsvorsteher Stillmer gab der Anerkennung der Gemeinde in einem die Anstalten ehrenden Schreiben Ausdruck, dem eine Gratification beigefügt war. Derselbe Herr hat auch 100 Thlr. festgesetzt, von dessen Capital alljährlich am Prüfungstage die Zinsen zur Verwendung von Prämien an fleißige und brave Schüler zu verwenden sind. Durch die Abschaffung des Eides mors gnämeo gehen die mit der Eidesabnahme bis jetzt betrauten Rabbiner und sonstigen Cultusbeamte einer Einnahmequelle verlustig, die für sie bei ihrem meist kärglichen Gehalte von nicht geringer Bedeutung war. Mögen die Gemeinden sich bald entschließen, ihnen eine angemessene Entschädigung zu bewilligen. .r. AuS der Provinz Posen, im April. (Privatmitth.) Von den von einer Missionsgcsellschaft in England in unserer Provinz unterhaltenen jüdischen Freischulen (auch Missionsschulen genannt) ist Ende vorigen Jahres die sehr lange zu Margonin bestandene wegen zu geringer Schülerzahl aufgehoben worden, und somit bestehen im Regierungsbezirk Bromberg nur noch zwei derselben, in Gnesen und Jnowraclaw, und in einem kleinen Städtchen des Wongrowitzer Kreises eine mit der dortigen evangelischen Schule verbundene Simultanmissionsschule. Der in Margonin stationirt gewesene Lehrer ist nnn an die jüdische Freischule in Obornik versetzt worden. Die Bürgerschule in Kempen beginnt ihre diesjährige Thätigkeit mit einer Anzahl von 122 Schülern. Davon sind 20 Katholiken, 27 Evangelische, 75 Mosaische. Gegen voriges Jahr hat die Frequenz allerdings um 29 Schüler zugenommen, wovon aber die neu errichtete HI. in Abzug zu bringen ist, welche von 11 Schülern besucht wird. Nicht uninteressant ist es, die Zunahme der einzelnen Confessionen zu verfolgen. Im vorigen Jahre besuchten die Anstalt 21 Evangelische, 18 Katholische, 54 Mosaische, so daß die ersteren im Ganzen um 6, die zweiten um 2, die letzteren um 21 zugenommen haben. Kassel, im März. «Privatmitth.) Die Kön. Regierung hat durch Rescript vom 4. Februar auf Grund eines Erlasses des Ministeriums des Innern vom 20. Januar o. den jüd. Gemeinden der Provinz Hessen bekannt gegeben, daß die Erhebung von Einzugsrc. Geldern zu Gunsten der Synagogengemeinden nach Erlaß der bundesgcsetzlichen Bessimmungen über die Freizügigkeit und die Beseitigung der polizeilichen Beschränkungen bei Eheschließungen nicht mehr zu rechtfertigen sei. 18