Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1869)
- Date
- 1869-05-04
- Page
- Seite 349 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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349 buches, bei welchem nur die Gediegenheit und Angemessenheit des Gegenstandes und der Bearbeitung den Maßstab abgeben. Indem wir diesen Plan kundgeben, verbinden wir damit die Aufforderung an alle Autoren, die sich mit Gegenständen auf dem angegebenen Gebiete beschäftigen, ihre Manustripte an einen von den Unterzeichneten einzusenden. Das Jahrbuch in seiner allgemeinen Tendenz kennt keine Parteiung, und nimmt seine Gaben, sobald sie für dasselbe passen, aus jeder Hand entgegen. Den Autoren wird für die angenommenen Arbeiten ein angemessenes Honorar und das spätere Eigenthumsrecht zugesichert. Philippson Goldschmidt Herzfeld in Bonn. in Leipzig. in Braunschweig. Literarischer Wochenbericht. Leipzig, im April. ■nrissi “ibö. Das Buch Kusari des Jehuda Ha-Levi nach dem hebräischen Texte des Jehuda Jbn Tibbon herausg., übersetzt und mit einem Commentar, so wie mit einer allgemeinen Einleitung versehen von vr. David Cassel. Zweite, verbesserte Auflage. Leipzig. Fr. Voigt 1869. Neben dem More des Maimonides ist das gleichfalls arabisch geschriebene ältere „Buch der Erweisung und Argumentation zur Vertheidigung der gering geschätzten Religion" von dem Dichterfürsten aus Castilien in der gesammten religionsphilosophischen Literatur des Judenthms unstreitig das bedeutendste, und mag an Popularität feinem Nachfolger sogar voraus sein. Saadja's Emunoth we-Deoth und Jbn Gebirols Mekor Chajim haben nicht die Jahrhunderten trotzende Lebenskraft besessen, die den Schriften der Erstgenannten eine fast continuirliche Anerkennung und Würdigung inmitten des jüdischen Volkes verschafften, More und Kusari dagegen blieben selbst in jenem Zeiträume auf dem Terrain des Studiums, wo ausgeartete Talmudistik und zügelloser Mysticismus sich um die Herrschaft der Köpfe stritten. Der Kusari ist zudem das nationalste Erzeugniß des jüdischen Denkergeistes, und darum auch das pietätvollste und religiöseste. Jehuda ha-Levi hatte das Ziel vor Augen, den Sieg des Judenthums über Philosopheme und fremde Religionssysteme in seinem Werke zu erringen, aber auch die ausschließende Berechtigung desselben vom Standpunkte des.denkenden Geistes, neben der weder ein System der Philosophie, noch eine der herrschenden Religionen austommen könne. Aber bei all jener Exclusivität, die in der glühenden Liebe des romantischen Dichters zu den heiligen Gütern seiner Väter ihren Hellen, reinen Quell hatte, verstößt der Philosoph niemals gegen den edlen Ton der ruhigsten, von Liebe uud Duldung durchwehten Erwägung und durchbricht selten, oder eigentlich niemals den spiegelglatten Fluß nüchtern-sachlicher Darstellung durch directen Hinweis auf die Erhabenheit des eigenen Standpunktes. Es sollte ja doch in diesem Buche eine Belehrung über alles das gegeben werden, was zur Erkenntniß der jüdischen Glaubenslehre und zum Verständniß seines gesetzlichen Inhaltes beiträgt, es sollte ja eine Apologie des Judenthums werden, die auf Gedanken und Thatsachen sich gründet, dabei aber nie die Absicht verläugnet, nachzuweisen, wie intact von allen Einwürfen die jüd. Religion selbst vor dem Forum objectiver Vernunft dastehe. Daher denn auch die hohe Achtung, und die Unangefochtenheit, die dieses Werk stets genoflen hat. (Classisches über Jehuda und seine Werke siehe übrigens bei Grätz 6, 140 f.) Soll damit auch die Thatsache in Verbindung gebracht werden, daß der Cassel'sche Kusari, der 1853 herauskam, nachdem das 1. Heft schon 1842 erschienen war, nun in zweiter Aust, herausgegeben wird? Nun, da liegt die Sache etwas anders, hier hat Hr. C. das Verdienst, die Kenntniß und Verbreitung des Werkes bedeutend gefördert zu haben. Sein Knsari ist ein praktisches Buch und es wäre wünschenswerth, daß alle praktischen Bücher von gleich wissenschaftlicher Gewissenhaftigkeit und gleichem Streben nach Vervollkommnung erfüllt wären. Für Kreise, denen die Religionsphilosophie Jehuda Hr-Levi's eine lemi incognita geblieben wäre, ist sie durch diese Ausg. nun zugänglich geworden und auch der in diesem Literaturkreise Bewanderte schöpft mannigfache Belehrung aus dem Commentar. Die Fehler der Tibbon'schen Uebersetzung sucht die deutsche Uebertragung gut zu machen, und wurden dießmal die 2 ersten großen Abschnitte ganz umgearbeitet. Auf den Text wurde mehr Sorgfalt verwendet und fleißig Varianten herangezvgen. Die Einleitung wurde wenig bereichert, die Citationen bei späteren Schriftstellern weggelassen, auch sonst in den Noten manches gestrichen, was dem Herausg. nicht streng zur Sache gehörig schien. Eine Abschrift der Oxforder Handschrift des arabischen Originals hat dem Herausg. nur zu einigen Stellen Vorgelegen, Munks 6uiäe ist eine Arbeit, die in vielen Stücken unterstützte. Bon streng wissenschaftlichem Standpunkte muß man natür-