Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-05-04 · Heft 18 (4.5.1869) · p. Seite 347

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 18 (4.5.1869)
Date
1869-05-04
Page
Seite 347 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226690-3226709--27141-3262708
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Mf Anzahl Männer persönlich kennen lernen, wie es sonst nicht möglich ist, hat am Ende auch keinen geringen Werth. Wir bemerken noch einmal, daß das Comitö sein Einladungsschreiben zwar an die Gemeinden, aber an keinen Rabbiner und Gelehrten versandt hat, damit es unter den Letzteren Einzelne — da an Alle zu adressiren nicht möglich gewesen wäre — nicht hervorzuheben und zu bevorzugen scheine. Wir bemerken noch, daß in der zu Paris erscheinenden „Presse isra41ite“ (Nr. 16) ein französischer Rabbiner eine sehr dringende Aufforderung an unsere dortigen Glaubensgenosten richtet, sich an der Synode zu betheiligen. Ebenso veröffentlicht Nr. 3. der Monatsschrift „Zeichen der Zeit," die in Chicago unter der Redaktion des vr. Chronik erscheint, das Einladungsschreiben mit nachdrücklicher Empfehlung. Mit Vergnügen theilen wir mit, daß laut Zuschrift unser alter Gesangesheld, Obercantor Professor Sulzer in Wien, an der Synode Theil nehmen wird. Unsere ueaesten Gegner. V. Sticht sowohl die Bekämpfung unserer Gegner an sich ist die Veranlassung, daß wir die Reihe dieser Artikel fortsetzen, als vielmehr die von denselben gegen die Juden erhobenen Anklagepunkte immer mehr zu klären, und sie uns und Anderen im rechten Lichte erscheinen zu lasten. Zwei Momente möchten wir heute hervorheben. Es war in der Sitzung des norddeutschen Reichstages am 16. April, als der Antrag auf der Tagesordnung stand, daß an die Spitze der Geschäfte des norddeutschen Bundes verantwortliche Ministerien treten sollten. Dieser Antrag war von Abgeordneten aller Parteien — mit Ausnahme der Conservativen,vnd Partikularistischey — unterzeichnet, und wohl deshalb ohne Motivirung gelaffen worden. Die beiden eigentlichen Antragsteller Twesten und Graf Münster widersprachen sich daher auch in ihrer Motivirung vollständig, indem der Elftere die alleinige Berantworlichkeit des Bundeskanzlers als ungenügend und gleich einer beständigen Diktatur verwerflich erklärte, der Andere dagegen eine Stärkung der Centralgewalt, ein Hinausdrängen des Bupdesrathes aus jeder ugd aller Exekutivgewalt dadurch erreicht haben wollte. Gras Bismarck erhob sich dagegen, erkannte aus dieser Motivirung ein MßjravpnßyptW gegen ihn in dem Anträge, Ufld erklärte sich gegen ejne Einrichtung, welche ihm durch fünf oder sechs gleichgestellte College» die Hände völlig binden würde. Die Frage war hierdurch in völlige Verwirrung gekommen, und der Antrag der Verwerfung durch die Mehrheit gewiß. Da betrat der Abg. Las k er die Tribüne, und klärte die ganze Frage in einer glänzenden Rede völlig auf. Er zeigte, daß der Antrag beabsichtige, gleichwie in England, für den Bund ein Ministerium zu schaffen, dessen eigentliche Seele der jedesmalige Ministerpräsident ist, der sich selbst seine College« zu suchen hat, die mit ihm stehen und fallen, d. h. die mit ihm denselben politischen Gedanken verfolgen, dem Parlamente dafür verantwortlich sind und sich nach den Voten der überwiegenden Mehrheit des Parlaments in ihrem Bleiben und Gehen richten. Nicht nach der Weise des preußischen Staatsministeriums, wo die Ressortminister dem Ministerpräsidenten coordinirt sind, die gültigen Beschlüsse nach Stimmenmehrheit gefaßt werden, trotz des etwaigen Diffenfes jeder in seinem Amte bleibt, und die Angelegenheiten oft garnicht von der Stelle rücken, sollte dieses norddeutsche Ministerium instituirt werden, Es ist nicht unsere Sache, hier dep Werth, die Vorzüge oder Nachtheile solcher politischen Einrichtungen zu erörtern. Wir heben nur hervor, daß durch diese fast allseitig mit zustimmendem Beifall aufgenommene Rede Lasker's die Situation mit einem Male aufgeklärt wurde, so daß Graf Bismarck sich selbst beifällig äußerte und der Antrag von der Mehrheit des Reichstages angenommen wurde. — Da Richard Wagner und die ihm Nachtreten, behaupten, daß dix 3»den nicht sprechen, sondern nur babbeln könnten, daß sie mit den Nationen, unter denen sie lebe», nicht zu denken permöchten, so sehen wir hier ein Beispiel, wo ein Jude in einem gegebenen Momente im Schooße eines großen Parlamentes durch seine Gedanken und seine Rede einen so gewichtigen Ausschlag gegeben hat. Der Kündige weiß, daß ähnliche Momente auch bereits in der deutschen Nationalversammlung durch Rießer, im preußischen Abgeordnetenhause durch Reichenheim gelöst worden sind. Wir hatten am 20. April o. Gelegenheit, einem Coucerte im großen Gürzenichsaale zu Cöln beizuwvhnen, wo Joachim und Hill er (ohne Orchesterbegleitung) Sonaten von Mozart, Haydn, Bach, Spohr und Beethoven vortrugen. Sie führten dies mit vollendeter Meisterschaft, in wahrhaft classischer Ruhe und Präcision, 18*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.