Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1869)
- Date
- 1869-05-04
- Page
- Seite 346 (sequence 2)
- Language
- German
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Dort, wo die Gemeinden aus den heterogensten Elementen zusammengesetzt sind, ist nur ein Compromiß möglich und auch wohl nur raihsaiU; hier, wo die Gemeinden frei sich gestalten und nur Gleiches zü Gleichem sich gesellt, ist das, G. l., nicht nöthig. Indessen sehen wir hier natürlich mit gespannten Blicken auf das Zustandekommen und Wirken der Synode." — Um so weniger können und dürfen sich die einzelnen Schattirungen aller derer, welche sich nicht dem Unbedingt Stabilen zurechnen, der Synode entziehen; es ist ihre Pflicht zu erscheinen um des Ganzen, wie um ihrer eigenen Ansichten willen. Man hat uns gefragt, da Me Gemeinden autonom sind und die Synode deshalb bindende Beschlüsse nicht fassen kann, was ist Zweck, was kann Nutzen und Erfolg derselben sein?" Wir antworten: Die Synode soll vor Allem das Gefühl der religiösen Zusammengehörigkeit, der religiösen Gemeinsamkeit, das in uns so sehr geschwächt worden, erneuern, beleben, festigen und so Unser Aller Gesichtskreis auf jüdisch-religiösem Gebiete erweitert Und gesichert werden. Dies wird schon ätt sich ein größer Segett sein. Ferner sollen in der Synode die Richtungen, Lebensbedingungen und Bedürfnisse des heutigen Judenthums zur Aussprache und zur Klärung kommen, und dadurch einen gemeinschaftlichen Ausdruck und eine gemeinsame Stätte gewinnen. Eines solchen Sammel- und Brennpunktes bedarf es gewiß sehr, denn in der Presse selbst sprechen sich immer nur Einzelne aus, und in den Gemeinden lokalisirt sich Alles. Ferner soll auf diesem Wege die Synode durch ihre Berathungen das Streben, sich aus den vereinzelten Standpunkten und Maßnahmen wieder zu einer einheitlichen Entwickelung zusammenzufinden, anfachen und möglichst realisiren. Es gilt durchaus nicht, bereits jetzt eine völlige Uniformität in allen einzelnen Punkten herbeizuführen, wohl aber eine Einigung in den hauptsächlichen und allgemeineren Momenten zu erzielen. Ferner sollen in der Synode die Conflicte klar besprochen werden, in welche Lehre und Leben, religiöse Gesinnung und religiöse Satzung gerathen sind und deren Lösung sowie die Beseitigung des offenbar Mißbräuchlichen und gänzlich Veralteten annähernd gesucht werden. Endlich soll die rechte Pflege der Gebiete, welche einer eigentlichen Differenz gar nicht unterliegen, wohl aber der Indifferenz, der Vernachlässigung und der unpassenden Behandlung entzogen werden müssen, wie z. B. Religionsunterricht und Armenwesen, erörtert und erwirkt werden. Durch alles Dies soll und muß das Leben, die frische und regsame Bewegung im Judenthume geweckt und genährt werden! Wer kann nun noch fragen, ob die Synode Zwecke habe und ob sitz Erfolge haben köüne? Freilich werden die Beschlüsse der Synode keine tkideüde, wohl aber eine berathende und moralische Kraft haben; diese Beschlüsse werden eben der Ausdruck der Majorität über die fraglichen Momente sein. In einer Zeit, wo auf religiösem Gebiete jeder Zwang aufgehört hat und aufhören soll, wo der Orthodoxeste wie der Radikalste fühlt, daß jeder Zwang ihm so gut wie seinem Gegner gefährlich wäre — da ist eine freie, berathende Versammlung das größte Bedürfniß, wenn nicht Alles in Zersetzung und Zersplitterung verfallen soll. Wir sind weit davon entfernt, anzunehmen, daß diese erste Synodalversammlung diese ungeheure Aufgabe, die wir soeben in ihren Umrissen gezeichnet haben, zu lösen im Stande sein werde. Wenn sie nur zuvörderst jene allgemeinen Momente erreichen und den Boden für die weiteren Arbeiten im Einzelnen ebnen wird, so wird sie ihren Zweck in glänzender Weise erfüllt und eine große Bedeutung gewonnen haben. Dann werden sich nachfolgende Versammlungen daran reihen, welche die begonnenen Arbeiten fortführen werden. Wir hegen daher die besten Hoffnungen und den frohesten Muth, und zwar gerade darum, weil uns eine lange Lebenserfahrung gelehrt hat, unsere Erwartungen Nicht überspannt sein zu lassen, aber auch die Erscheinungen und ihre Lebenskraft nicht zu unterschätzen. Wir rufen daher den Gemeinden, den Rabbinen und jüdischen Gelehrten noch einmal zu: Erwägt es wohl ob Ihr recht thut, Euch der Gesammtheit zu entziehen und Eure Hand von der gemeinsamen Arbeit entfernt zu halten. Ihr habt für Euren Entschluß noch einige Zeit vor Euch, und nachdem jetzt die Verwirklichung der Synode in bestimmter Weise vor Euch tritt, können selbst diejenigen Vorstände und Einzelnen, welche beschlossen hatten, an der Synode sich nicht zu betheiligen, diesen Beschluß ihrer Erörterung noch einmal unterziehen und ändern. Allerdings richten wir auch an die Rabbinen und jüdischen Gelehrten die nachdrücklichste Aufforderung, in der Synode zu erscheinen. Denn der wesentliche Charakter dieser muß in der Vereinigung der drei Elemente der Gemeindevertreter, der amtirenden Fachmänner und der Männer der Wissenschaft bestehen, und es ist daher Bedürfniß, daß diese drei Elemente genügend vorhanden sind. Der besondere Nutzen, daß sich hier eine größere