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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-04-27 · Heft 17 (27.4.1869) · p. Seite 342

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 17 (27.4.1869)
Date
1869-04-27
Page
Seite 342 (sequence 18)
Language
German
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ff 342 Tanzen, dann und wann dem Herrn Bürgermeister und sonstigen Honorationen eiy Ständchen zu bringen und an den Morgen der chrisuichen Festtage einige Choräle vom Thürifte"d.er PfarrHHhe hinabzubläsen; die Hebungen' hätten nichts weiter zum Zwecke,' als eben diese Sachen einzuüben. Es war eine traurige Dachkammer, in welche unser junger Held einlogirt war; sie schützte ihn weder vor dem Winde, wenn es stürmte, vor dem Regen,'wenn er strömte, noch vor dem Froste oder der Gluth; das Licht, das durch die kleinen trüben Glasscheiben eines Fensterchens floß, hätte ihm wenig Helle gebracht, wenn nicht die vielen und großen Spalten im Dach und die mangelnden Zügel ihm von diesem Elemente eine genügende Fülle verschafften. Man kann sich das Ameublement denken, das schlechte Lager, den dreifüßigen Schemel und die alte Ktste, die zugleich als Tisch diente, waren Alles. Aber Jacob war sehr glücklich darin. Wenn er nach Hause kam und seine Violine oder ein anderes Instrument zur Hand nehmen und der Kunst sich hingeben konnte, die seine ganze Seele erfüllte, und mit den künstlerischen Phantasien auch beglückende Träume für eine schöne, im Lichte der Verklärung erscheinende Zukunft durch seine Einbildungskraft flogen, was mangelte ihm dann noch am höchsten Luxus der Menschen, an aller Herrlichkeit der Erde? ... Die Bewohner des Hauses störten ihn nicht, und er störte sie nicht; es waren arme Arbeiter, die des Tages über draußen waren und des Nachts so fest schliefen, daß Jacob zufällig das Horn hätte blasen müssen, um sie zu wecken. Nur einen Widersacher besaß er in der Nachbarschaft, einen alten groben Pudel, der mit dem ersten Strich auf der Violine ein klägliches Geheul begann, und nicht müde werden wollte, die schönsten Arien und Läufe in seiner Weise zu accompagniren. Jacob ward Anfangs sehr hiervon aufgeregt, und hätte am liebsten den Hund vergiftet. Das that er jedoch nicht und suchte ihn vielmehr dadurch zu überwinden, daß er ihm zeigte, er sei stärker und ausdauernder als er. Der Hund heulte sich heiser, und ließ es mit der Zeit bei einem heftigen Knurren bewenden, wenn Jacob sich zum Priesterdienste des Apollo anschickte, um diesem wenigstens zu zeigen, daß er in der Opposition verharre, sei es auch nur schweigend — wie man dies bei politischen Parteien auch erlebt. Jacob aß „Tische". Einige meiner Leser werden nicht mehr wiffen, was das bedeutet, nämlich er aß abwechselnd die Woche über den Mittagstisch bei guten Leuten, die dies zugesagt. Die Bezeichnung gute Leute ist nun freilich zweideutig; sie hielten sich jedenfalls dafür, wenn auch bei einigen derselben die Eigenschaft der Speisen, die sie dem armen Jungen vorsetzten, die Qualität ihres Charakters nicht in das hellste Licht stellte. Das that aber nichts; Jacob war kein Feinschmecker, und wenn der Hunger nur gestillt war, schien es ihm sehr gleichgültig, durch was es geschehen. Selbst wenn es sich traf, daß er die ganze Woche hindurch Tag für Tag nnmer dasselbe bekam, Erbsen, Kartoffelbrei oder dergleichen, und oft hart und ungcschmplzey, so Mchte dies nichts aus; es ging herunter, und dann war es vorüber. Kam er doch zwei Mal die Woche, zu Fürth's, und da war er stets gut versorgt. Mit einem Worte, in allen diesen Dingen ging es ihm, wenigstens nach seinem Bedünken, sehr gut. Die Principien der Lebensmittellehre und der Gesundheitspflege überhaupt, die jetzt von, den Dächern herabgepredigt werden, waren damals noch ganz unbekannt, und flößten Niemandem Sorge ein. Sv lange Einer nicht gestorben, glaubte man, er lebe noch, und weiteres könne Niemand verlangen. — Wenn er nicht zufällig das Horn blasen wollte — sagten wir vorhin — und das konnte immerhin kommen. Jacob warf sich mit aller Kraft in seine neuen Studien hinein. Er bedurfte hierzu nicht des Ehrgeizes, den Erwartungen seiner Gönner zu genügen, auch nicht des Spornes, den Seinen dereinst eine bessere Lage zu verschaffen; der gewaltige Trieb, das Verlangen, die Sehnsucht, die in seiner Seele brannten, drängten ihn dazu. Das nächste war, daß er alle die Instrumente kennen lernen wollte, die in der Bande seines Meisters gespielt wurden; keines sollte ihm fern oder nur ungeübt bleiben. Darin bestärkte ihn nun der Meister sehr, denn er hatte den Vortheil davon. Nicht so die Gesellen. Es ging Jacob hier, wie es ihm der erfahrene Salme von den Menschen überhaupt schon vorausgesagt. Diese Leute waren anfangs von seinem Spiele überrascht, und bewunderten ihn; aber dies Gefühl stumpfte bald ab und der Neid und das Mißwollen gegen den Judenjungen wuchsen, der — so bescheiden er auch war — ihnen höchst anspruchsvoll erschien, weil eben sein Talent Ansprüche erfüllte, die weit über ihre Kräfte hinauslagen, Und so wurden sie bald abstoßend, dann roh, endlich heimtückisch gegen ihn. Auch die Lehrlinge versuchten dies; diesen aber bewies Jacob bald, daß er die Fäuste noch zu etwas Anderem als dem Führen des Bogens zu brauchen verstände, und sie ließen ihm Ruhe, wenn sie auch bereit blieben, irgend ein Mal eine Rache an ihm auszuführen. Die Gesellen versagten ihm daher bald ihre Mithilfe, als er auch die anderen Instrumente erlernen wollte. Befahl es der Meister, so thateu sie es in einer Weise, daß es Jacob wenig nützen konnte, und der Stadtpfeifer selbst war viel zu träge und dem Genüsse seiner Branntweinflasche zu ergeben, als daß er sich damit hätte beschäftigen sollen. Jndeß dies behinderte Jacob nur wenig. Er beobachtete scharf und faßte wie durch Instinkt auf. Von seiner Violine ging er auf die übrigen Saiteninstrumente über, und es ward ihm leicht, sich in deren Eigentümlich keiten zu finden. Kaum hatte er das Manuelle derselben abgesehen, als er sich mit einem unermüdlichen Eifer auf die. Einübung warf, und nicht lange Zeit, so war er zwar, wie sich von selbst versteht, kein Meister, aber doch Herr auf ihnen und lauschte ihnen ihr Wesen und ihre Bedeutung ab. Schwieriger war . der Uebergang von den Saitenzu den

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