Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1869)
- Date
- 1869-04-27
- Page
- Seite 329 (sequence 5)
- Language
- German
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etwas gemiedenen Wisikeb, -weil er — ein Jude war und es geblieben, obschon er Me seine Kinder taufen -ließ. Nun, wir -wollen -den deutschen Mustkphilosvphen die Freude nicht wergallen, sich in die Theorie der Musik immer weiter M verkrümeln, und -sich mit Phrasen, bei denen Niemand weiter als sie selbst etwas zu denken vermag, zu überzeugen, daß Mendelssohn, Meyerbeer, Heilevy, -Rubinstein, Herz und wer weiß wie viele noch eine besondere nationale Musik, -die jüdische nämlich -geschaffen haben, die -von der italienischen-, französischen und deutschen Muskk getrennt werden müsse. Wir Juden können Uns dies gern gefallen lassen; als -Ganzes ist für uns die Gesellschaft jener -Nationen , und -als Einzelne die Gesellschaft jener Männer nur sehr ehrenvoll. Daß lnan uns nebenbei den Charakter der Vollendung und des Fortbildenden abspricht, das ist nur Geschmacksache. Giebt es -Enthusiasten, welche sogar die Musik Wagner's und Liszt's für etwas Vollendetes halten, so wird -es auch Schwärmer geben, welche Mendelssohn- Meyerbeer u. A. für die höchsten Meister halten. Wir kennen sogar dergleichen nicht wenige. Und die deutschen Philosophen sind ja nun zufrieden. Sie haben für das Fachwerk, dessen sie einmal nicht entbehren können, ein neues Schubfach gefunden, darin sie die jüdischen Componisten mumifizirt hineinlegen können. Merkwürdig, die Deutschen werden stets als Idealisten ausgerufen, und dabei ruhen sie nicht eher, als bis sie bureaukratisch rubrizirt und handwerksmäßig schablonirt haben! Die Welt geht unterdeß factisch und praktisch weiter. Sie führt den Paulus auf, wenn sie ein gutes Oratorium , Robert und die Hugenotten, wenn sie eine gute Oper, Mendelssohn'sche Cvncerte, tvenn sie solche braucht und läßt die Opern Wagner's — mit Ausnahme seines Tannhäuser's — durchfallen, wenn sie ihr aufgrdrängt werden. Das Leben ist eben keine Gelehrtenstube und keine bloße Speisekammer für den Haß und Neid. — Zum Schlüsse machen wir noch auf eine Broschüre aufmerksam: „Ein Jahrhundert der Judenemancipation und deren christliche Bertheidiger. Rückblick auf Literatur und Geschichte von Isidor KaiM. <Leipzig, Fritsch, 1869)." Allerdings hebt der Berf. seinen Gegenstand etwas zu gesondert ans der Gesammtheit der Entwickelung und aus dem Gange der Ereignisse heraus. Wir sehen auch nicht ab, warum die christlichen Bertheidiger der Emancipülion von deren christlichen Gegner» und andererseits von den jüdischen Kämpfern geschieden werden. 'Endlich wacht -der Vers, auch auf feinem umschriebenen -Gebiete keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Aber auch so, wie es ist, giebt das Schriftchen ein in- -teressantes Tableau und -stellt die Hauptpunkte dieser auch aus allgemeinen Gesichtspunkten wichtigen Streitphase übersichtlich und in -angemessener -Charakteristik dar, -so daß eö für jeden Theilnehmenden belehrend-uttd belebend wirken wird. Allzuleicht vergißt die igroße Menge Aber das Erlangte den weiten und harten Weg, der bis -dahin zurückgelegt werden -mußte, -Und es ist daher verdienstlich, für das jetzige -und zukünftige Geschlecht eine Reliefkarte für die Höhen und Tiefem, welche zu -überschreite« waren , zu -beschaffen. EigÄithBmlich ist -es, daß der Vers, zuletzt ckrf die Bildung eines -jüdischen Staates in Palästina kommt, zu dessen Ver-wirklichung er alle 'Erfordernisse bereit sieht. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 15. April. Zwei neue Wochenschriften sind erschienen: in New-Uork „tNo Jewish Times“ (die Redaktion ist nicht genannt). Der größere Theil ist in englischer, der kleinere in deutscher Sprache. Die Aufsätze sind theils Uebersetzungen aus dem Deutschen, theild Original, wie von Einhorn, S. Hirsch, S. Adler. Die Tendenz giebt sich als radikal reformistisch kund und scheint diese mit einer gewissen Schärfe verfolgen zu wollen. — In Lemberg hat sich ein Verein „Schomer Jisiael“ gebildet, der die staatsbürgerliche und religiöse Aufklärung und Bildung der jüdischen Maffe sich zum Ziele gesetzt. Er will dahin arbeiten, die polnische Sprache bei den Juden heimisch zu machen , aber wie die Dinge einmal liegenwill er vorerst eine Zeitschrift in deutscher Sprache mit hebräische» Lettern ist ij'-byisir'iS herausgeben. Die Probe»ummer liegt uns vor, und enthält außer einer warmen Ansprache Lokalnachrichten und eine politische Uebersicht, so wie eine Lebensbeschreibung Abarbanels. — „Schma Jisrael! Fünf Reden über das israelitische Gottesbekrnntiiiß von Dr. Ad. Jellinek. (Wien, 1869, Beck,." Mit ebenso männlich kräftiger wie schöner und reicher Sprache setzen diese Reden das israelitische Gottesbekenntuiß, wie es sich in die Worte des Sehma zusammendrängt, auseinander, und beleuchten es von allen Seiten, in seiner Bedeutung für den Einzelnen wie für das Ganze, in