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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-04-27 · Heft 17 (27.4.1869) · p. Seite 326

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 17 (27.4.1869)
Date
1869-04-27
Page
Seite 326 (sequence 2)
Language
German
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326 Freiwilligkeit wird, wie sie bereits in Nordamerika besteht, unbeschränkter. Alles dies bringt andere Bedingungen für die Existenz der Gemeinden bei. Kurz, cs erhebt sich hier eine Menge von Fragen, deren gemeinsame Erörterung nur von großem Nutzen sein kann. Der Vorstand der Gemeinde zu Leipzig hat nun den Gedanken gefaßt und bereits mit einigen anderen Vorständen besprochen, mit der ersten Synodalversammlung einen israelitischen Gemeindetag zu verbinden, so daß nämlich, unbeschadet der Synodalsitzungen, die anwesenden Deputirten der Gemeinden besondere Sitzungen zur Berathung von Gemeiudeangelegenheiten abhalten könnten. Der gedachte Vorstand wird darüber ein Circulair an die Gemeindevorstände versenden, und ein Programm veröffentlichen, und wollen wir diese im Voraus empfohlen haben. — Man sieht, daß Zweck, Inhalt und Aufgaben der bevorstehenden Versammlung sich immer reichhaltiger gestalten und immer realeren Boden gewinnen. Aber selbst die, welche sich vorerst von den etwaigen Beschlüssen der Versammlung keinen großen Erfolg versprechen, müssen doch zugestehen, daß hier eine neue frische Quelle des Lebens und der Regsamkeit eröffnet wird, daß die religiöse Zusammengehörigkeit in so hohem Grade von Neuem geweckt und gepflegt wird, daß sie, wenn auch keine Uniformität, doch eine größere Gemeinsamkeit der Bestrebungen zur Folge haben muß, als seit langer Zeit vorhanden gewesen. Die Zersplitterung in einzelne, meist von einander völlig unabhängige, getrennte isolirte Gemeinden während so vieler Jahrhunderte hat einen Kleingeist hervorgebracht, der gar keinen Blick über das Weichbild hinaus gestattete und höchstens bei außerordentlichen Calamitäten einen äußerlichen Zusammenschluß der Kräfte zuließ. Diesem Uebelstande entgegenzuarbeiten ist die besondere Pflicht und Aufgabe unserer Zeit, und eine segensreiche Gestaltung kann nur von dem Gemeingeiste erwartet werden, der immer mehr erwacht und sich bethätigt. Je weniger wir von jetzt ab unsere Kräfte. für den Kampf um die staatsbürgerliche Gleichberechtigung zu verwenden haben, desto mehr ist es an der Zeit, sie auf unser inneres Leben zu richten und hier zu verwerthen. Feiern wir ein Fest religiöser Verbrüderung — ein solches steht uns zu, erhebt und kräftigt uns. Bonn, 21. April. Am Schluffe dieses Artikels erhalten wir durch Privatbrief aus Wien die Mittheilung, daß der Vorstand der Gemeinde zu Wien in seiner Plenarversammlung vom 18. d. die Beschickung der Synode beschloffen hat. Obgleich wir die officielle Benachrichtigung noch nicht erhalten haben, theilen wir dies hier mit, weil wir das Beispiel Wiens auch auf andere Gemeinden für wirksam erachten, und wird aus diesem Grunde der verehrliche Vorstand von Wien unser Vorgehen entschuldigen. Ferner haben sich zur Beschickung der Synode gemeldet: die Gemeinde zu Steele, sowie die zu Walldorf, Berkach, Bebra, Bauerbach, Marisfeld und Gleicherwiesen, letztere sechs zusammen durch den Landrabbiner vr. Dreifuß vertreten. Zu gleicher Zeit sind wir heute in der Lage, vorläufig anzuzeigen, daß die Eröffnng der Synode auf den 29. Juni e. bestimmt ist. Unsere neuesten Gegner. IV. Der Broschürenkampf. Sobald in unserer Zeit ein Stein von einem Abhange herabzurollen beginnt, kann man sicher sein, daß alsbald ein gewaltiges Gerolle sich in Bewegung setzt, das Gepolter und das Getöse anwächst und sich zuletzt mit donnerndem Krachen in das Thal herabsenkt. Nun, die da drunten wohnen, brauchen sich nicht zu fürchten. Die moderne Gesellschaft hat bereits so viel Stetigkeit erlangt, daß Schntzmauern hinlänglich vorhanden sind, hinter welchen der Bergrutsch wirkungslos zur Erde sinkt. Einige Zeit mag der aufgewirbelte Staub durch das Thal ziehen; der nächste Luftstoß treibt ihn hinweg, und er ist spurlos verschwunden. Eine solche Erscheinung bietet einmal wieder der Augenblick, und wenn wir es auch nicht gerade als eine Pflicht anerkennen, von jedem bedruckten Papierschnitzel, der in unseren Fragen und Angelegenheiten aus dem Fenster irgend eines berufenen oder unberufenen Autors fliegt, Kenntniß zu nehmen, zu geben und in diesen Blättern zu erhalten, so ist es doch immer von Interesse, diesem Kampfspiel zuzuschauen. Nehmen wir

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