Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-04-20 · Heft 16 (20.4.1869) · p. Seite 316

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 16 (20.4.1869)
Date
1869-04-20
Page
Seite 316 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3226690-3226707--27108-3262673
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

316 predigte, und alle Mittel in Bewegung setzte den Juden fallen zu machen. Unsere Orthodoxen bereiten, wie wir vernehnren, in Angelegenheit des Congresses eine Petition an den König vor um so in letzter Stunde die Genehmigung der Congreßbeschlüsse zu vereiteln. Die Zerfahrenheit im orthodoxen Lager nimmt trotz alldem täglich zu, da die Altorthodoxen mit den Neuorthodoxen (Hildesheimer und Anhang) ebenso wenig gehen wollen, als mit den Chassidäern (die im Munkacser Rabbi ihre Säule haben». Wie weit die Herren in ihrem Hasse gehen, beweist der Umstand, daß der gemäßigte gelehrte Oberrabbi Weiße in Wag°Neustadtl von ihnen in härteren Ausdrücken behandelt wird, als Steinhard in Arad, der sogar von vielen Orthodoxen als Muster deutscher Beredsamkeit bewundert wird und keineswegs bei ihnen in solchem Mißcredit steht, als „Magyar Zsidö" der Welt weiß machen will. Woher es gekommen ist, daß in Angelegenheit der Volksschule die Orthodoxen ein entschieden liberales Elaborat dem hohen Ministerium unterbreiteten, vermag nur derjenige zu beurtheilen, der in die Mysterien dieser Partei eingeweiht ist und mit uns weiß, wie sehr es vielen von ihnen daran gelegen ist, die ganze Angelegenheit zu verschieben, und was das Sprichwort bedeutet: Zeit gewonnen, Vieles gewonnen. In wie fern es klug ist den Grundsatz der Regierung: Das Licht muß von oben kommen bei dem jüdischen Schulwesen Oberungarns zu acceptiren, vermögen wir nicht zu beurtheilen, da es in der That Männern wie Deutsch, Ungar u. a. nicht an Einsicht fehlt unser Schulwesen auf die Höhe der Zeit zu stellen. Bei uns in Obernngarn, wo das Volk an seltener Ignoranz leidet, gilt das umgekehrte Princip und kann es in Unghvär, Liszka und Ujhely nur dann Licht werden, wenn auch die niederen Schichten des Lichtes theilhaftig werden. Oberlehrer I. Rosenmeyer. Vukovar, 4. April. In der heute abgehaltenen Generalversammlung von Alt-Bukovar wurde beschlossen, beim Agramer Landtage wegen Errichtung eines Real-Gymnasiums und Annahme des Juden-Emancipations-Gesetzes zu petitioniren. Matterödorf, 1. April. In voriger Nacht kam hier ein Krawall vor, der durch den Zusammenstoß von orthodoxen und fortschrittlichen Juden entstand, welche mit einander in ein Handgemenge geriethen das erst durch die Dazwischenkunft des Stuhlrichters mit Panduren und Militär geschlichtet werden konnte. Lemberg, 7. April. <N. -fr. Pr.) Jedes Jahr gewöhnlich in der Char- und Kreuzwoche, ist Galizien der Schauplatz von Judenkrawallen. Daß ein guter Theil unserer Geistlichkeit keinen geringen Antheil an diesen Vorgängen hat, wird derjenige leicht einsehen, der die in dieser Zeit gehaltenen Predigten hört. Da wird Alles, was Jude und jüdisch ist, beschimpft und verhöhnt. Was Wunder, daß unser leicht erregbarer Pöbel die ihm bei dem Gange aus der Kirche begegnenden Juden beschimpft, ja oft mißhandelt. Wenn nun der ungerechterweise Mißhandelte sich dies nicht gefallen lassen will, ist der Krawall fertig. Das ist in Galizien Landessttte. In diesem Jahre aber treten derartige Vorkommnisse mit einer solchen Vehemenz und so häufig auf, daß man unwillkürlich auf den Gedanken kommen muß, man habe es nicht mit zufällig entstandenen Krawallen, sondern mit wohlüberlegten Excessen zu thun, welche als Proteste gegen die im vorigen Jahre vollendete Gleichberechtigung der Juden im Staate und der Gemeinde in Scene gesetzt wurden. Den Reigen eröffnete in diesem Jahre das Städtchen Jaroslau bei Gelegenheit des berüchtigten Judashenkens am Gründonnerstage. Von da aus verpflanzte sich die Kampflust in die benachbarten Städte Rzeszow und Przemysl, wo es einige Tage später zu bedeutenden Schlägereien zwischen der christlichen und jüdischen Bevölkerung kam. Heute war wieder Lemberg der Schauplatz eines solchen Cxcesses. Nach Berichten von Augenzeugen war die sichtbare Veranlassung zum Exceß ein Etiquettenstreit zwischen einem hiesigen Bürger und einem Juden, weil Letzterer nicht ausweichen wollte. Die Christen nahmen für ihren Glaubensgenossen, die Juden für den ihrigen Partei. Von Beschimpfungen ging man zu Thätlichkeiten über und es mußte Militär ausrücken, um die Kämpfenden auseinanderzubringen. Biele Verwundungen, und einige sogar lebensgefährliche, sollen vor-, gekommen sein. Lemberg, 10. April. Gestern begab sich eine Deputation der Jaroslauer Judenschaft zum Leiter der Statthalterei, um Abhilfe gegen die wochenlang anhaltenden Judenkrawalle zu erbitten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.