Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 16 (20.4.1869)
- Date
- 1869-04-20
- Page
- Seite 317 (sequence 13)
- Language
- German
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317 Jaroölau, 4. April. Heute (Sonntag) haben wiederholte Excesse gegen die Juden stattgefunden. Die Juden wurden mißhandelt und gezwungen, ihre Läden zu sperren. Die Sicherheitswache kann die Excesse nicht hindern. Das Militär schreitet ein. Man schreibt hierüber: Rotten durchzogen, mit Knütteln und Stöcken bewaffnet, die Straßen und zwangen die jüdischen Kaufleute, ihre Läden zu sperren. Meister, Gesellen, Lehrjungen, Hauswächter, kurz, das ganze Proletariat von Jaroslau, sowie viele Bauern aus den benachbarten Dörfern betheiligten - sich an dieser Judenhetze. So oft auch ein Haufe vom Militär zersprengt wurde, immer rottete sich das Gesindel aufs neue zusammen. Im Lause des ganzen Tages mußten die jüdischen Gewölbe geschlossen bleiben; fast in allen jüdischen Häusern waren die Thore verrammelt. Es giebt fast kein jüdisches Haus in der Stadt, welches nicht wenigstens einige zerbrochene Fensterscheiben aufzuweisen hat. Um 5 Uhr Nachmittags trafen Husaren ein, welche von einer zwei Meilen entfernten Ortschaft reqnirirt wurden, weil die hier stationirten zwei Compagnien Infanterie den Tumult zu dämpfen nicht im Stande waren. Donaufürstenthümer. Bukarest, im März. «Privatmitth.) Es war wieder einer jener rumänischen Kniffe, daß in die Welt hinaus telegraphirt wurde, die rumänische Regierung habe den in Galacz beschädigten Israeliten, welche zugleich österreichische Unterthanen sind, tausend Dukaten Entschädigung gezahlt. In der That hatten die Israeliten ihren Schaden auf 1700 Dukaten nachgewiesen, wären aber auch mit 1000 Dukaten zufrieden gewesen. Allein die Regierung will nur 600 Dukaten zahlen, und auf Zureden des neuen österreichischen Generalconsuls, Herrn v. Zulauf, haben sie erklärt, sich damit begnügen zu wollen, um nicht undankbar gegen die Bemühungen des österreichischen Consulats zu erscheinen. —. Der Redakteur des Echo Danubien, Herr Carmslin, stand am 8. März vor den Geschworenen, angeklagt eines Preßvergehens wegen noch aus der Zeit des Mnisteriums Bratiano. Der Staatsanwalt selbst trug auf Freisprechung an, die auch erfolgte. — Die jüngsten Rrn. des genannten Blattes bringen auch eine Uebertragung unseres neulichen Leitartikels über die „Sprachenfrage" mit besonderer Anwendung auf die Israeliten von Rumänien. — Spanien. Madrid, im März. Die Verfassung wird nothwendiger Weise einen Paragraphen über die Cultusfrage enthalten. Was darüber aus dem Ausschüsse in das Publicum dringt, ist sehr widersprechend. Die Majorität des Ausschusses soll die gänzliche Trennung des Staates und der Kirche, die Minorität, Olozaga an der Spitze, die römisch-katholische Kirche als Staatsreligion mit Duldung der übrigen Culte wollen. Man schreibt der „N. fr. Pr": „Die religiösen Journale sind überfüllt von Hirtenbriefen, Rundschreiben, Petittonen rc., welche der spanische Clerus gegen die drohende Cultusfreiheit losläßt. Vor Allen zeichnet sich der Bischof von Osma aus, der in einem Circulär an seine Diöcesan-Geistlichkeit kein besseres Abschreckungsmittel gegen die Cultusfreiheit anzuwenden weiß, als eine begeisterte Lobrede auf die Inquisition! Er malt mit den glänzendsten Farben die schöne Zeit aus, in der die Inquisition im Flor war und die Geistlichkeit im vollen, ungetrübten Genüsse des Lebens ein glückliches , gottseliges Leben führte. Die Inquisition sei ein fürtreffliches Jnstttut gewesen, das von den Freidenkern gerade so heruntergerissen und verleumdet werde, wie zu allen Zeiten die Gerichte überhaupt von den Dieben und Wegelagerern. Auch fügte er zur Verstärkung eines heilsamen Entsetzens bei, daß die Cultusfreiheit durch die 77. These des Shllabus verdammt sei. Während dies Alles in den clericalen Blättern zu lesen ist, läßt die Madrider Municipalität an dem Fuencarral-Thore, in der Nähe des sogenannten Cruz del Quemadero, Erdarbeiten ausführen. Dort wurden ehemals die Opfer der Inquisition verbrannt, und beinahe täglich wird eine neue Aschen- und Kohlenschicht bloßgelegt. So steigen die Gräuel der Vergangenheit aus der Erde, um gegen diesen Wahnwitz Zeugniß abzulegen." (Seitdem ist der Verfassungsentwurf in den Cortes verlesen worden: die römische Kirche wird zur Staats - kirche erklärt und vom Staate besoldet, die übrigen Confessionen werden — geduldet. Redact.)