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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-04-20 · Heft 16 (20.4.1869) · p. Seite 315

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 16 (20.4.1869)
Date
1869-04-20
Page
Seite 315 (sequence 11)
Language
German
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315 Eötvös. In einer solchen Petition mußte der Haupttenor darauf gelegt werden, daß auch in Betreff des Glaubens Wechsels das Judenthum der Kirche gleichgestellt werde. Freie Synagoge im freien Staate ist, wie kürzlich Herr Rabbiner Oppenheim in diesen Blättern bemerkte, die letzte Forderung des Judenthums an die Legislative. Der Uebertritt vom Christenthum zum Judenthume muß äs Ms gestattet werden; denn nur dann wird das Judenthum mit den „recipirten Religionen" gleichgestellt sein. Hätte der Congreß eine solche Adresse an den Reichstag vorbereitet, so hätte er auf die Unterstützung der Freunde der Gewissensfreiheit rechnen können. Halbe Maßregeln schaden und bringen keinen Nutzen. Die Idee der freien Kirche und so ipso der freien Synagoge im freien Staate ist in Ungarn ziemlich landläufig geworden und würde im Reichstage Unterstützung finden. Wir glauben daher den permanenten Ausschuß des Congresses auffordern zu müssen, eine solche Petitton vorzubereiten und dem am 20. April zusammentretenden Reichstag zu überreichen. Der Ausschuß ist dazu competent und darf die Gelegenheit nicht vorüber gehen lassen. Wir sind weit davon entfernt dem bereits halbvergessenen Congreß, ich will nur sagen, Unterlassungssünden nachzurechnen. Doch wollen wir nur das eine bemerken, weil dies am besten den Geist der Versammlung charakterisirt. Groß war die Mühe und Anstrengung, die man erst in Bewegung setzen mußte um den Rabbinen und Lehrern das denselben von der Conferenzmajorität vorenthaltene Wahlrecht zurück zu erobern. Mehr als ein Halbhundert Rabbiner und Lehrer mußten erst um dieses primittve Recht beim Ministerium petitioniren. Bekanntlich war eine ziemliche Zahl von Rabbinen aller Richtungen im Congresse vertreten und man wird denselben das Zeugniß geben müssen, daß sie sich von den so sehr befürchteten hierarchischen Gelüsten gänzlich fern hielten und nicht im geringsten die Interessen ihres Standes vertraten. Ja bei dem vorherrschend feindlichen Geiste, der sich im allgemeinen im Congresse gegen die Rabbiner kund gab, nahm sich die simulirte Gleichgiltigkeit gegen die Ehre und Interessen ihres Standes, die so viele Rabbiner im Congresse zur Schau trugen, nicht sehr erhebend aus. Eine solche sich selbst wegwerfende Berläugnung ist keineswegs Bescheidenheit zu nennen!! Traurig ist's aber, daß kein einziger Rabbiner für die unglücklichen Rabbiner-Wittwen und Waisen seine Stimme erhob. Wer da kennt das Elend, welch, s zumal in den kleineren Gemeinden das gewöhnliche Loos der Rabbiner-Wittwen und Waisen ist, der wird unfern Vorwurf nicht unbegründet finden. Jeder Rabbiner weiß es aus Erfahrung, daß viele dieser Unglücklichen zum Bettelstab greifen müssen ... Wares eben nicht an der Zeit, da den Lehrer-Wittwen und Waisen aus dem Schulfonds fl. 4000 jährlich angewiesen wurden, für die Rabbiner zu plaidiren und für deren Wittwen und Waisen eine gleiche Summe zu votiren? Die isr. Vertrauensmänner in Mähren haben vor kurzem für die Wittwen und Waisen, sowohl der Rabbiner als der Lehrer, aus dem jüdischen Landescassafonds eine namhafte Summe ausgeworfen, und die Rabbiner hätten bloß auf dieses Beispiel Hinweisen sollen und kein Mensch hätte etwas dagegen eingewendet! Wir wissen wohl, daß diese Angelegenheit in der stürmischen Eile der Schlußsitzungen vergessen wurde. — Das Schulgesetz wurde in der letzten Sitzung um Mitternacht en blov angenommen, und daß dergleichen Gegenstände der permanenten Commission Vorbehalten blieben. Wir empfehlen darum diese heilige Angelegenheit der genannten Commission und fordern hiemit die Rabbiner, welche beim Congresse waren, auf, das Versäumte nachzuholen und gut zu machen. Aus dem Tokajergebirge, am 25. März. <Privatmitth.) Die Deputirtenwahlen zum Landtage sind in unserem Gebirge sammt und sonders vollzogen und haben die Israeliten überall sich als Männer von Character und Energie gezeigt. Insbesondere lobt man uns die Unbestechlichkeit und Nüchternheit derselben, Tugenden, die man nicht so recht anderen Consessionen nachrühmen kann. Auch freut es uns an dieser Stelle constatiren zu können, daß die Israeliten eben so stark bei der Regierungspartei als Opposition vertreten waren und daß selbst hie und da die Oppositionscanditaten den Israeliten ihren Sieg zu verdanken haben. Es ist dieses um so wichtiger, an dieser Stelle zu constatiren, da die Linke bis auf Horn auch nicht einen Israeliten als Canditaten aufgestellt hat. Der Candidat der Rechten Herr Mandel in Nyirbütor vermochte trotz Sympathie der Intelligenz in seinem Wahlbezirke nicht durchzudringen, da die Geistlichkett zuletzt aus Judenhaß einen fömlichen Kreuzzug Iß*

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