Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 16 (20.4.1869)
- Date
- 1869-04-20
- Page
- Seite 312 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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312 graph, wonach die Religion der Schüler resp. Studirenden bei der Gewährung des Stipendiums keinerlei Unterschied machen solle; indessen sollen Schüler iStudirende) jüdischen Glaubens bei gleicher Würdigkeit und Bedürftigkeit so lange den Vorzug haben, als dieselben bei der Vergebung anderweitiger Schul- Beneficien und Stipendien Seitens des Magistrats oder der Schulbehörden (des Staats oder der Universität) noch zurückstehen. In das Curatorium des Universitäts-Stipendiums ist Professor Dr. H. Steinthal ausgenommen. Berlin, 6. April. (Privatmitth.) In diesen Tagen ist hier vor der 2. Criminal-Abth. des Kammergerichts zum ersten Male ein Jude ohne Zuziehung eines Rabbiners vereidigt worden. Das jährliche Einkommen, welches die früher damit betrauten Gemeindebeamten am hiesigen Orte aus den Eidesabnahmen zogen, belief sich auf mehr als 2600 Thaler. Es war dies eine Religionssteuer, die aber ebenso wohl von Christen als von Juden bezahlt wurde, wenn die Parteien Christen, und der Zeuge Jude oder der Rechtsstreit zwischen Juden und Christen war. — Die jüd. Knabenschule, die von den ersten Elementen bis zur Real-Tertia emporgeht, zählt dieses Semester Ln ihren 14 Classen v. 750 Schüler, dabei mußten fast 100 Reuangemeldete abgewiesen werden. — Hier wird jetzt auf dem Kön. Hoftheater ein Ballet aufgeführt, in welchem der „Schem Hamphoresch" erscheint. Das Ballet heißt „Fantasca." Man ist empört darüber, und es soll eine Beschwerde Seitens des Rabbinats bei dem Königl. General-Intendanten erhoben werden. Von welchem Juden ist nun das wieder ausgegangen! — Braunschweig, 1. April. (Privatmitth.) Ein erfreulicher Akt der Menschenliebe, die keine confessionelle Abgrenzung kennt, hat sich hier jüngst vollzogen. Es trat nämlich aus den angesehensten Bürgern christlichen und jüdischen Glaubens hier ein Somit« zusam-' men, um Gaben für die nothleidenden Juden in den russischen Westprovinzen zu sammeln. Unter den Mitgliedern dieses Somit« befinden sich der General-Superintendent, der Landrabbiner, der Oberbürgermeister. Ebenso zeigt das Gabenverzeichniß Vertreter aller religiösen Richtungen und Kirchen, heute sind bereits über 900 Thaler eingegangen. Frankfurt a. M. im April. (Privatmitth.) Der vom seel. vr. Jost gegründete, jetzt unter der Borsteherschaft der Baronin Louise v. Rothschild und des vr. Ginsberg stehende „Israelitische Frauenverein" zur Erziehung verwaister Mädchen hat seinen 21. Bericht über das Jahr 1868 veröffentlicht. Der Verein erfreut sich der besondersten Theilnahme. Seine Mitgliederzahl wächst immer fort, die chm zugewandten Geschenke, Fonds und Legate sind im Steigen begriffen. An letzteren erhielt der Verein in gedachtem Jahre 4624 fl., während an Zinsen bereits 768 fl. vereinnahmt wurden, und die Beiträge der regelmäßigen Mitglieder (3 fl. jährlich) 2377 fl. eintrugen. Das Jahr übernahm 17 Zöglinge, entließ 2 und nahm 3 wieder auf. Die Ausgaben beliefen sich auf o. 6500 fl. Gnesen, 4. April. Der P. Z. schreibt man von hier: Die Neuwahl von acht Repräsentanten brachte die jüdische Gemeinde in voriger Woche in große Bewegung. Schon vor dem Wahltage bemerkte man auf den Straßen vielfach Gruppen, in denen, nach den Gestikulationen zu urtheilen, harte Wortkämpfe geführt wurden. Zuletzt soll die Aufregung in der Gemeinde eine so bedeutende geworden sein, daß selbst Frauen sich soweit vergaßen, daß sie die Wähler harangv'''^n und für die Partei ihrer Männer rc. Stimu.u zu werben suchten. Wie man vernimmt, ist die Majorität der Gemeinde mit dem Wahlresultat ganz zufrieden, denn wenngleich zugegeben wird, daß die auß der Urne hervorgegangenen Gemeindevertreter kaum einem mäßigen Fortschritt auf religiösem Gebiete huldigen, so ist es immerhin als ein Gewinn anzusehen, daß sie nicht zu jener Partei gehören, die dem Muckerthum, das sich in der jüdischen Gemeinde breit zu machen suchte, absolut dienen wollte. Coswig in Anhalt, d. 25. März. (Privatmitth.) In der Rabbinerversammlung zu Cassel wurde bei der Neugestaltung des Gottesdienstes als ein Hauptgesichts- Mnkt hervorgehoben, daß derselbe zu der ursprünglichen Form zurückgeführt werden müsse, um so in den kleinsten und unbemitteltsten Gemeind en ausgesührt werden zu können. So vortrefflich und anerkennenswerth dieser Grundsatz ist, so frägt man mit Recht, was das den kleinsten Gemeinden nütze, wenn in derselben Versammlung über die gerade hier so schwerwiegende Minjanfrage zur Tagesordnung über-