Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 16 (20.4.1869)
- Date
- 1869-04-20
- Page
- Seite 310 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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310 und dessen Fixirung in bestimmten Dogmen. Ist doch darum ihre Glaubenslehre nicht minder, wie die vernunftgemäßeste und einleuchtendste, also auch die erhabenste, heiligste und reinste, welche Gottheit, Weltall und Menschenthum in das klarste Licht und richtigste Berhältniß setzt; und ist in Harmonie hiermit das Gesetz, das sie auf solcher Basis aufbaut, nicht nur in religiöser und moralischer Hinsicht das untadeligste, sondern — was besonders in unserer Zeit Männer wie Salvador, Philippson, bis zur Existenz nachgewiesen — auch in socialer, politischer, kosmopolitischer und staatsökonomischer Beziehung so ideell und mustergiltig, daß die civilisirten Nationen der Erde nur in langsam fortschreitender Entwickelung sich allmälig zu seiner Höhe emporarbeiteu, und wohl noch Jahrhunderte erforderlich sein werden, ehe sie das von ihm vorgesteckte Ziel vollkommen erreicht haben möchten. Wie der schöpferische und heilige Gott als ein in höchster Potenz freiwaltender, gerechter und liebender angebetet wird, so stellt das Gesetz Jsrael's Freiheit und Selbstbestimmung, Recht und Billigkeit, Gleichheit und Brüderlichkeit, Liebe und Erbarmen als feste Norm des Lebens nach all' seine» Richtungen hin; ist das aber wohl eine kindliche, und nicht vielmehr eine durchaus männliche, ja der edelsten Weisen würdige Vorzucht und Vorbereitung zu den erhabensten Höhen, die wir im Erdenleben zu erklimmen vermögen? Darum (Sam. I, 2, 3): Redet nicht so viel und stolz, nicht komme Hochmulh aus eurem Munde. (Jesaj. 40, 8): Es verdorret des Gras, es welket die Blume, doch „das Wort unseres Gottes" bestehet in Ewigkeit. Di'. M, Stern. Literarischer Wochenbericht. Lengnau (Aargau), den 1. März. Die liebevolle Pflege und kritische Behandlung, der sich die jüdische Wissenschaft in den letzten Decennien zu erfreuen hat, wird gegenwärtig auch dem Nationalwerke der Juden, wie der Talmud mit Fug und Recht genannt wird, in erfreulicher Weise zu Theil. Herr Raphael Rabbi» o wie z, ein Mann von gründlicher umfassender Talmud-Gelehrsamkeit und seltenem Scharfblick, hat es unternommen, den durch Abschreiber, eigenmächtige Combinationen und unwissende Sensoren häufig corrumpirten Text des Talmuds zu emendiren; er hat die verschiedenen Manuscripte, welche ihm zu Gebote standen, namentlich die Münchener, Hamburger und Pariser Codices, mit den ältesten Talmudausgaben verglichen, die verschiedenen Varianten gesammelt und in mehr oder weniger ausführlichen Noten weitere Belege für die Emendationen geliefert. Bon diesem Werke, das den Doppel-Titel führt: mso-rai mNnoia bVo d^-ieid ■’pnpn “iso rzberb a"p roiBia ans “rabna rnssnan ■nan mtnpa mnan as i"ai paa^a a^sa naiurt jnaara rnana msnoi: D’bbia D’rnötnn a^visnui rnssa n"T> -lö'prt ■nss npa>a Vbl nv:B» »nnan Variae Lectiones in Miscbnam et in Talmud Babylonicum qnum ex aliis libris antiquissimis et scriptis et impressis tum e codice Monacensi praestantissimo collectae, annotationibus instrnctae München, Rösel) liegen uns jetzt die beiden ersten Bände vor: der erste, bereits im vorigen Jahre erschienen enthält die Varianten zu dem Tractatc maia und crs-it 'v, der andere, welcher erst vor wenigen Wochen die Presse verlassen hat, umfaßt die Tractate pp srran, nafa. Dem ersten Bande ist eine ausführliche Einleitung vorausgeschickt; in derselben giebt der Verfasser Rechenschaft über die von ihm benutzten Codices, ältesten Druckwerke und die verschiedenen bis auf die noch im Erscheinen begriffenen Talmud-Ausgaben, deren Zahl sich auf 45 beläuft, die unzähligen Ausgaben einzelner Tractate nicht mitgerechnet. Der Raum dieser Blätter gestattet uns nicht, auf das Einzelne näher einzugehen: Herr Rabbinowicz hat mit seinen a’nsio pnpa dem Studium des Talmuds einen unermeßlichen Dienst geleistet. Wäre ein ähnliches Werk mehrere Jahrhunderte früher erschienen, wer weiß, ob nicht mancher Versuch, die durch Corruptionen unverständlich gewordenen Stellen des Talmuds durch Combination und Scharfsinn zu lösen, unterblieben und das Studium des Talmuds selbst, statt der „Nürnberger" und „Regensburger" in andere Bahnen geleitet wäre. Möge cs Herrn Nabbinowicz bei der Fortsetzung seiner verdienstvollen Arbeit nicht an Ausdauer, aber auch nicht an Theilnahme und Anerkennung von Seiten des Publikums fehlen. Gern constatiren wir zum Schluß, daß ein Hauptverdienst umt die Herausgabe dieses Werkes sich der in weitern Kreisen bekannte Herr A. Merzbacher in München erworben hat. Dieser Freund der Wissenschaft hat dem Vers, nicht allein die Benutzung der Münchener Codices ermöglicht und die zu dem Werke nöthigen kostspieligen Druckschriften angekauft, sondern ihm auch die Truckkosten zu demselben in wahrhaft edler Weise vorgestreckt. — Ka yserling.