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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-04-13 · Heft 15 (13.4.1869) · p. Seite 296

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 15 (13.4.1869)
Date
1869-04-13
Page
Seite 296 (sequence 12)
Language
German
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296 goldenen Boden. Unter den härtesten Entbehrungen und drückendsten Sorgen verlebte er viele Jahre, alle Anträge ein Amt zu übernehmen wies er conseqnent zurück, irgend eine Unterstützung, die man ihm anbot, nahm er, wenn cs auf noch so ehrenhafte Weise geschehen, nicht an, erst vor einigen Jahren, als an der hiesigen Talmud-Thoraschule eine Classe für Rabbinatscanditaten creirt wurde, ließ er sich herbei die Lehrerstelle an derselben zu übernehmen. Diese Anstellung war sowohl für ihn als auch für die Schule ein Glück zu nennen. Für ihn nicht etwa wegen des materiellen Vortheils, den ihm dieselbe bot — da der mit dieser Stelle verbundene Gehalt von 300 fl. ö. W. kaum hinreicht, die nothwendigsten Bedürfnisse des Lebens zu decken — sondern weil er damit einen lange gehegten Wunsch, die Thora zu verbreiten, erreicht hatte. Für die Schule, weil gewiß kein geeigneterer Mann hätte gefunden werden können. Seine Schüler, unter denen Viele Jahre lang zu Füßen der ungarischen „Geonim" gesessen, staunten über seine immense Gelehrsamkeit und über seinen Scharfsinn. Im großen Meer des Talmuds war keine noch so entlegene und kleine Bucht oder fein zugespitzte Klippe, die ihm unbekannt gewesen wäre. Sein Bortrag war bei dem größten Aufwand von Scharfsinn klar und auch für den minder Belesenen leicht verständlich. Und dieser Mann ist für uns seit vorgestern nicht da, denn Gott hat ihn genommen im 62. Jahre seines frommen Lebens. Ueber den Verlust herrscht nur eine Stimme, daß er nämlich ein unersetzlicher ist, und daß er die gänzliche Auflösung der benannten Classe der Talmud- Thoraschule zur Folge haben wird, da viele Schüter schon während der Krankheit des Verblichenen hiesige Stadt verlassen haben. An der Bahre hielten die Rabbinen Samuel Freund und Hermann Teweles Trauerreden. Möge die Erde dem Verewigten leicht sein. Stark. Pest, 23. März. Im Leopoldstätter Bezirke wurde Moritz Wahrmann (Israelit) mit Acclamation zum Abgeordneten in den ungarischen Reichstag gewählt. Pest, 27. März. Der Cultusminister befahl aus Anlaß der häufigen Magyarisirung israelitischer Namen die Eintragung jeder Namensveränderung in die Matriken durch die betreffenden Rabbiner. Agram, im März. tPrivatmikth.) Der Vorstand der hiesigen Gemeinde nahm die Anwesenheit des Kaisers zur Veranlassung, um die übrigen Gemeinden Croatiens einzuladen, Deputationen herzusenden, um dem Kaiser gemeinschaftlich als religiöse Corporation ihre Huldigung darzubringen, zugleich aber auch eine Petition an den Landtag, um Gleichberechtigung aller Confessionen zu berathen, da die ungarischen Gesetze auf Croatien noch keine Anwendung haben. Jaroslau (Galizien), 26. März. (N. fr. Pr.) Gestern war unser Städtchen der Schauplatz von beklagenswerthen Ereignissen. Um 1 Uhr Mittags zogen mehrere Gassenjungen, mit Stöcken bewaffnet, durch die Straßen und trugen ein mit Stroh ausgestopftes Stück Leinwand, einen Judas darstellend, vor sich her, worauf sie losschlugen. Gegen diesen Unfug ward von keiner Seite eingeschritteu. Dadurch ermuntert, schloß sich ein gleichfalls mit Knütteln bewaffneter Pöbelhaufe den Gassenjungen an; man schleppte den Judas vor die Häuser der wohlhabenden Israeliten, bearbeitete ihn daselbst unter Geschrei mit Stöcken, schlug aber zugleich den Israeliten die Fenster ein. Hierauf bewegte sich der Zug zu den „Ständlerinnen," denen der Pöbel ihre Eß- und anderen Maaren gewaltsam wegnahm, während die sich Widersetzenden wundgeschlagen wurden, so daß eine förmliche Schlägerei ausbrach. Schließlich zwangen die Tumultuanten alle jene Kaufleute, welche ihre Verkaufsläden geöffnet hatten, dieselben zu schließen, weil ein christlicher Feiertag sei. Als man den Bezirkshauptmann um Abhilfe bat, antwortete er, es sei Feiertag, sie mögen sich die Namen der Tumultanten aufschreiben (!). Erst um halb 6 Uhr Abends, als zwar sämmtliche Handlungen gesperrt waren, die Tumultuanten aber die Schlägerei fortsetzten und sich mehrere Personen neuerlich, um Schutz bittend, zum Bezirkshauptmann begaben, ward gegen die Ruhestörer eingeschritten. Als die wenigen Polizeischützen und Gendarmen des Ortes gegen die durch mehrere Stunden auf hundert Köpfe angewachsene und aufgeregte Volksmenge nichts ausrichteten, mußte Militär requirirt werden, welchem es gelang, bis 7 Uhr Abends die Ruhe herzustellen. Dem Berichterstatter ist bis heute (26.) 4 Uhr Nachmittags nichts davon bekannt worden, daß man einen der Tumultuanten zur Verantwortung gezogen

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