Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 15 (13.4.1869)
- Date
- 1869-04-13
- Page
- Seite 294 (sequence 10)
- Language
- German
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284 Das Gestmmttvermögen der Casse beträgt am 1. Jan. 1869 .... Thlr. 3371.13 Sgr. 6 Pf. und bestehet in: Rh. W. Rententenbriefen (4 °/o) 2050 Thlr. pr. Staatsanleihe v. 1854 (41/20/0) 1000 „ pr.Gtaat-anleihe v. 1868 (41/2«/0) 300 „ baar . 21Thl. 13 Sgr.6Pf. „ 3371.13 „ 6 ,, Indem wir dieses erfreuliche Resultat hierdurch bekannt machen, wenden wir uns wiederholt an den WohlchätigkeitSfinn unserer Glaubensbrüder mit der dringenden Bitte, ihre thätige Beihülfe unserm Institute erhalten und immer mehr zuwenden zu wollen. Der Vorstand der Unterstützungscasse des Vereins isr. Elementarlehrer für Westphalen und Rheinprovinz. S. Blumenau, Vorsitzender. A«K dem Posen'schen, 15. März. Die israelitische Corporation von Wittkowo (Kreis Gnesen! ward unlängst von einem schmerzlichen Verlust betroffen. Am 7. v. M. verstarb daselbst im 69. Lebensjahre Herr Kaufmann Samuel Goldmann, eines der geachtetsten und beliebtesten Mitglieder von Stadt und Gemeinde. In letzterer hatte er durch eine lange Reihe von Jahren mit seltener Treue und Hingebung das Ami des ersten Vorstehers verwaltet, aber nicht nur in dieser Eigenschaft, sondern als Mensch und Bürger überhaupt — namentlich durch seinen biedern Character und sein echt religiöses Wesen — Hochschätzung und Freundschaft in nicht geringem Maaße sich erworben. — Die jüdische Elementarschule des in Rede stehenden Ortes, obwohl eine zweiclassige, wurde — natürlich nicht gerade zu Nutz und Frommen der betr. Jugend — lange Zeit hindurch (wie'S in diesem Augenblicke steht, wissen wir nicht) von einer Lehrkraft verwaltet. Der Gemeinde selber konnte aber die Schuld an diesem Uebel-- stande um so weniger zugeschrieben werden, als von ihr auch die zweite Lehrerstelle mit einem anständigen — für einen Ledigen jedenfalls auskömmlichen — Gehalte dotirt ist. — Wenn indessen, trotz nicht schlechter Dotation der jüdischen Lehranstalten, gar manche derselben doch — wie's namentlich im Posen'schen öfters schon vvrgekommen, — Jahre lang unbesetzt bleiben, so ist der Grund hiervon nur darin zu suchen, daß immer weniger jüdische Jünglinge sich dem Lehrerberufe widmen, und daß diejenigen, welche es noch thun, immer höhere Ansprüche machen und in diesen nicht selten gar zu h0ch sich versteigen. Wie jetzt Einer vom Seminar herunter kömmt, da möchte er gern gleich zu den Bestbesoldetcn seines Standes gehören. — Es ist wahr, das Leben macht jetzt größere Ansprüche an den Beamten, und darum ist der Beamte auch berechtigt, an das Leben größere Ansprüche zu machen. Allein, wer nun einmal den edlen Beruf, der Jugend ein Lehrer und Leiter zu sein, zu dem seinen gemacht hat, der müßte sich doch vorausgesagt haben, daß er auf diesem Pfade keineswegs zwischen Rosenbeeten wandeln werde, und der sollte, wenn seine Erwartungen ihn dennoch täuschten, am allerwenigsten den Gemeinden das zur Last legen, was diese größtentheils gar nicht verschuldet haben. — Gerecht allerdings, sehr gerecht sind die Klagen und Beschwerden, welche in der Presse, auf den Landtagen, in den Vereinen, in Volksversammlungen rc. über die schlechte materielle Stellung der Lehrer im Allgemeinen erhoben werden. Aber die jüdischen Lehrer sollten doch, dächten wir, in diesen gemeinsamen Chorus ihrerseits nicht allzulaut mit einstimmcn; am wenigsten sollten die hier im Posen'schen es thun, allwo doch im letzten Jahrzehnt zu Aufbesserung der jüdischen Schulstellen seitens der Gemeinden wirklich viel geschehen, und wo so manche mittlere und kleinere Gemeinde in dieser Beziehung sogar weit über ihre Kräfte hinausgegangen. — Wir sagten hiermit, was uns bekannt geworden. Wissen'« Andere besser, so sind wir gern bereit, uns belehren zu lassen. — Tauberbischofsheim, im März. «Privatmitth.) Die badischen Religionslehrer verdanken der Fürsorge des Oberraths wiederum eine namhafte Aufbesserung ihres Gehaltes. Analog der Bestimmung, daß der Gehalt der christlichen Unterlehrer die Norm für den der Religionslehrer sein solle, wurden dieser Tage in wohl motivirtem Erlaß die Gemeinden aufgefordert, dem obenerwähnten Gesetze nachzukommen, überdies aber noch den Vorsängerdienst, als eine besondere Function, auch besonders zu honoriren.