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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-04-13 · Heft 15 (13.4.1869) · p. Seite 293

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 15 (13.4.1869)
Date
1869-04-13
Page
Seite 293 (sequence 9)
Language
German
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293 gleich gedemüthigt, einer solchen Aufsicht unterzogen zu sein. Bekanntlich ist das Verhältniß des Beaufsichtigten immer noch ein beengteres, als das Verhältniß des Beaufsichtigenden. Die Unannehmlichkeit ist also auf Seiten der jüdischen Schule größer. Löse man also diese unnatürliche Beziehung auf. Hamburg, März. (Privatmitth.) In Nr. 8. dieser Z. S. 149. wird ans Pest als ein warnendes Beispiel berichtet, daß die Hamburgische Demokratie, nachdem sie die politische Gleichstellung der Juden durchgesetzt (es war aber gar nichts dnrchzusetzen, da kein Mensch widersprach), den Spieß umgekehrt habe, weil nicht alle Juden in das demokratische Horn bliesen und sich mehr gegen als für sie erklärt haben. Das ist aber total falsch, zumal die Frage längst praktisch entschieden war. Um damals Rießers (rechtes Centrum) abermalige Wahl in der Bürgerschaft zu bekämpfen, hatten sich mehrere jüdische und christliche Radikalen äe das ölnKtz und darunter auch ein sehr begabter Journalist gegen ihn und beiläufig gegen alle Juden mit einer Kugelspritze voll Schimpfreden in Bewegung gesetzt und momentan auch ein wenig gesiegt. Jener Scribent hat dabei sein Renommö, auch bei den sog. Demokraten, und leider auch seine ganze Existenz eingebüßt, weil Jeder wußte, daß bei ihm Alles, Judenhaß wie Judenliebe nichts sei als Polissonnerie. Im Uebrigen hat sich hier kein Demokrat gegen Juden, ja nicht einmal über Juden geäußert, weil das ein längst vergessener Kampf ist. Was man Hier in Hamburg noch Rischus nennen hört, ist nichts als sociale Entfremdung in Folge des hier, wie in Republiken überall, sehr stark gepflegten Cliquengeistes, die hauptsächlich von den ihres eigenen Werthes so vollen jüdischen gebildeten Damen mit krankhaft überreizter Empfindlichkeit gefühlt wird. Man kennt sich und seine Privat-Familien-Verhältnisse noch nicht genug und das ist Alles. Ferner besteht jetzt in den höheren Classen eine gewisse, wohl meist erkünstelte Torh-Frömmigkeit, die ihren leichtesten und wohlfeilsten Ausdruck im Widerwillen gegen jüdischen Umgang findet. Indessen das Klingen und das Singen lBörse und Musik) reinigen die Bahn täglich mehr. Uebrigens: unsere Töchter fast allesammt und unsere Söhne zur größeren Hälfte besuchen dieselben Schulen wie die Christenkinder, und es finden sich hier vielleicht mehr als Tausend Familienmütter geringerer Classen, die als Köchinnen, als Hausmädchen, als Ammen u. dgl. Jahre und Jahrzehende in jüdischen Familien zugebracht haben und das innerste Leben derselben kennen. Wo soll da eine nachhaltige Animosität (Rischus) Herkommen? Frommgläubig sind hier die wenigsten Christen und Juden, und der Einfluß der hiesigen, meist sehr aufgeklärten christl. Geistlichen ist zwar nicht zu unterschätzen, denn diese Herren heirathen meist in-den vornehmsten Familien und nicht immer unter sich wie bei uns Juden,, allein es fällt ihnen nicht ein, religiöse Stänkereien machen zu wollen. Der Rischus hier, wenn doch welcher da sein soll, beschränkt sich auf Vernachlässigen bei Wahlen, bei Ehren- und besoldeten Aemtern auf Mängel an Besuch und Gegenbesuch — alles Frucht jenes Cliquengeistes — und sonstige zahme Kopfnüsse. Böse Demokraten kann es hier gar nicht geben, das bringt der alles durchdringende Handelsgeist so mit sich , und wenn man hier einwandert mit der Devise: es muß alles rungenirt werden, so dauert es kein Jahr, und er ist ein ganz ruhiger Bürger unter andern Bürgern. ' A propos der Mazzoth-Betrieb wird ja wohl jetzt einen großen Umschwung erfahren, wenn das Säuern' des Brots zufolge der chemischen Erfindungen überhaupt aufhört. Worms, 3. März. (Privatmitth.) Die Roth unserer russischen Glaubensbrüder veranlaßte hier ein Comits, an dessen Spitze Frau Bertha Dosenheim, zusammenzutreten, um durch Frauenarbeiten eine Summe zusammenzubringen. Es wurden 632 (2 fl. erzielt, die nach Lhck an das dortige Unterstützungscomits gesandt worden sind. Wir glauben, daß ein solches Vorgehen Anerkennung und Nachahmung verdient. Bielefeld, 20. Febr. (Privatmitth.) Die Jahreseinnahme der Unterstützungscasse des Vereins isr. Elementarlehrer für Westphalen und Rheinprovinz — pro 1868 betrug: s) an ordentlichen Beiträgen der Mitglieder . . . Thlr. 138 — Sgr. — Pf/ b) an außerordentlichen Beiträgen von Gemeinden und Privaten . . . „ 792 14 „ 8 „ c) an Zinsen._ „_93 7 „_6_„ Thlr. 1023 22 Sgr. 2 Pf/ 15

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